BAD NENNDORF (em). Seit einem Jahr untersuchen die Historiker Utz Anhalt und Steffen Holz die Vorgänge im damaligen Verhörlager des britischen Geheimdienstes CSDIC No. 74 in Bad Nenndorf, genannt Wincklerbad. Am Donnerstag, dem 27. Januar berichtet Holz vom aktuellen Stand der Arbeiten, um 19 Uhr, im Haus Kassel, Raum Hofrat Schröter an der Hauptstraße 4. Unter anderem konnten sie auf Quellen von betroffenen Gefangenen und anderen Zeitzeugen zugreifen. Dokumente des britischen Geheimdienstes standen ihnen zur Verfügung. Interessierte bekommen so noch vor Erscheinen des Buches im Frühjahr, einen Einblick in den Fortgang der Forschungsarbeiten.
Nach Angaben des Projektleiters Holz konnten Aussagen von Heiner Wember (1990) und Ian Cobain (2005/2006) teilweise erhärtet werden. Die Historiker glauben nachweisen zu können, dass in dem Verhörlager mit Wissen des Kommandanten auch physische Folter in Verhörsituationen angewendet wurde. Der Einsatz von Daumen- und Schienbeinschrauben, welche sich der britische Geheimdienst im Gestapo-Gefängnis des Konzentrationslagers Neuengamme besorgt hatte, konnte bislang nicht bei der in Nenndorf verhörten Nazi-Elite festgestellt werden. Bei den zwei Toten, welche an den Folgen der Misshandlungen starben, und bei den zwei ausgemergelten ehemaligen Gefangenen, die auf den Flyern zur Bewerbung der Trauermärsche durch die Nazis abgelichtet seien, handele es sich um Personen, die vom britischen Geheimdienst für Kommunisten gehalten worden sind, so Holz. Neonazis und Anhänger rechtsradikaler Organisationen haben zur Veranstaltung keinen Zutritt.