RINTELN (ste). Die Koordination der eingesetzten Kräfte zur Bewältigung des Hochwassers und die Informationssteuerung über die aktuellen Werte war vorbildlich. Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz mit seinem Stellvertreter Jörg Schröder und das Ordnungsamt mit Amtsleiter Ullrich Kipp waren am vergangenen Wochenende ständig präsent und sorgten dafür, dass die Einsatzkräfte das Notwendige taten, um das Hochwasser einigermaßen in Griff zu bekommen. Einsatzstellen dafür gab es reichlich. So wurde am Samstag die Hochwasserschutzwand an der Dauestraße wieder vom THW aufgebaut und die Nacht über betreut. Die Feuerwehr hatte am Samstag über Lautsprecher die Anwohner des westlichen Wohnquartiers darüber in Kenntnis gesetzt, dass ein Pegelstand von bis zu 6,90 Meter angekündigt war. Zur Erläuterung: Beim 15-Jahres-Hochwasser 1995 war der Spitzenwert bei 6,65 Metern. Das Wasser drohte am Samstag bereits über die Graf-Otto-Straße in das Wohngebiet zu laufen. Eine Sandsackbarriere wurde aufgebaut. Vom Abwasserbetrieb war zu hören, dass die Pumpen für die Oberflächenentwässerung bestens funktionieren und somit die Gullis - beispielsweise in der Graf-Otto-Straße - einen Teil des eindringenden Wassers entsorgen konnten. Am Museum Eulenburg hatte Museumsleiter Dr. Meyer vorsorglich für Sandsäcke vor den Fenstern sorgen lassen. Aus dem Keller wurde bereits Wasser gepumpt und die Exter stand nur noch wenige Zentimeter vor dem Überlaufen.
Des einen Leid ist des anderen Freud: Hier können Kinder unverhofft ihr neues Boot ausprobieren.
Die Exter musste auch im Parkplatzbereich der Sparkasse aufgehalten werden. Sandsäcke sorgten dafür, dass das Wasser nicht in die Stadt lief.
Die Spundwand an der Spitzbubenbrücke war geschlossen und dort konnte man deutlich erkennen, wie hoch die unterschiedlichen Pegel vor und hinter der Spundwand waren. Doch ganz dicht bekam man diese Stelle nicht und so wurden regelmäßig Kontrollen gefahren.
Am Sonntag Morgen konnte dann kurzfristig Entwarnung gegeben werden. Das Wasser war in der Nacht trotz anderer Vorhersagen nicht über 6,60 Meter gestiegen und am Morgen sogar noch auf 6,44 Meter gesunken. Werte, die immer noch über den Pegel am Weserufer unterhalb des Brückentors abgelesen werden mussten, da der automatische Pegel seit Wochen ausgefallen ist. Die Vorhersagen für das Rekordhochwasser von 6,90 Meter blieben dennoch bestehen. Eine zweite Hochwasserwelle, hervorgerufen durch das Tief "Dieter" und die Schneeschmelze in den Mittelgebirgen sowie die vollen Talsperren an der Eder und der Diemel machten dem Überregionalen Hochwasserdienst zu schaffen. Die Stadt Rinteln hatte vorsorglich Sandsackfüllstellen eingerichtet. Auswirkungen hatte das Hochwasser auch auf das Telefonnetz der Telekom. 1.000 Haushalte südlich der Weserbrücke konnten nicht telefonieren. Die Störungsdienste arbeiteten fieberhaft an der Beseitigung.
Am Montag um 7 Uhr gab das Ordnungsamt dann bei 6,41 Metern Wasserstand Entwarnung. "Die Hochwasserlage ist ruhig. Der Wasserstand in Rinteln wird sich derzeit um 6,40 Meter einpendeln. Die Schneeschmelze in den Mittelgebirgen hat nicht so eingesetzt wie vorhergesagt." Der Meldedienst wurde eingestellt und Rinteln ist wieder einmal mit einem blauen Auge davon gekommen.Foto: ste