RINTELN (ste). Bei einem Vortrag in der Rintelner Volkshochschule berichtete die Sozialpädagogin Ingrid Moczarski vom Evangelischen Beratungszentrum Detmold über die ehrenamtliche Arbeit der "Detmolder Familienpaten". Bereits seit 2003 qualifizieren Ingrid Moczarski und ihre Kollegin Ehrenamtliche und vermitteln sie in junge Familien im Kreis Lippe. Den Kontakt zu den Familien erhalten die Mitarbeiterinnen der Diakonie bei der Beratung schwangerer Frauen. "Wir nehmen uns für diese Beratungsgespräche ganz bewusst eine Stunde Zeit. Wenn dabei deutlich wird, dass die junge Frau Unterstützung gebrauchen könnte, dann bieten wir an, eine Familienpatin zu vermitteln", so Ingrid Moczarski.
Ingrid Moczarski berichtet über die "Detmolder Familienpaten" und gibt Hinweise, wie man den hilfebedürftigen Familien richtig unter die Arme greifen kann: "Das Zuhören ist dabei das A
und O."
20 Patinnen haben sich durch jeweils vier Schulungstage bisher auf ihre Tätigkeit in den Familien vorbereitet. Sie gehen in der Regel ein Mal pro Woche in die Familien, nehmen Anteil an familiären Ereignissen, geben Tipps zur Alltagsbewältigung, unterstützen bei Behördenangelegenheiten, sprechen mit den jungen Müttern über Zukunftsperspektiven und vermitteln bei Bedarf Kontakte zu Eltern-Kind-Gruppen oder zu professionellen Hilfestellen. Das einfühlsame Zuhören sei das "A und O" für die Zusammenarbeit mit den Familien, erklärte Ingrid Moczarski und zitierte als Erläuterung den Autor Johannes Schoop: Wer mit Eltern arbeite, müsse sich "...die Watte aus den Ohren nehmen und sie sich selbst in den Mund stecken".
Die Zielgruppe beschrieb die Referentin so: "Viele der jungen Mütter, die wir mit einer Patin begleiten, haben keine Verwandten in der Nähe, sind unsicher im Umgang mit ihrem Baby oder müssen nach einer Trennung vom Partner alleine mit vielerlei Problemen klarkommen."
Eine Familienpatenschaft dauert so lange, wie es von der Familie gewünscht wird, maximal aber bis das Kind einen Platz in einer Betreuungseinrichtung hat. Auch wenn die Familie Unterstützung von einem Fachdienst erhält, werden sich die Patinnen in der Regel aus der Familie verabschieden.
Anlass für diesen Vortrag war eine neue Schulung für ehrenamtliche Familienpaten, die der Kinderschutzbund Rinteln ab 28. Oktober in der Volkshochschule Rinteln anbietet. Albrecht Schäffer, Verantwortlicher für das Familienpaten-Projekt, erläutert dazu: "Die Schulung findet in einer lockeren und persönlichen Atmosphäre statt. Die wichtigsten Themen werden von kompetenten Fachleuten aus der Praxis anschaulich vermittelt. Dazwischen gibt es viel Raum zum Gespräch und zum persönlichen Austausch."
Wer sich über das Familienpaten-Projekt und die anstehende Schulung informieren möchte, kann sich montags bis freitags von 10 bis 14 Uhr unter der Telefonnummer (05751) 965 218 bei Albrecht Schäffer melden.
Der Kinderschutzbund Rinteln e.V. hat das Familienpaten-Projekt im September 2008 gestartet. Gegenwärtig werden 19 Rintelner Familien mit bis zu vier Kindern regelmäßig von Familienpaten besucht und unterstützt. Dieses Angebot ist für die Familien freiwillig und dank der finanziellen Unterstützung aus öffentlichen Mitteln kostenlos. Als eine Form der "Frühen Hilfen" soll mit dem Familienpaten-Projekt auf dem Wege frühzeitiger, niederschwelliger Unterstützung erreicht werden, dass Eltern im Familienalltag unterstützt und Kinder in ihrer Entwicklung gefördert werden. Hinter diesem Ansatz steht die Erfahrung, dass Versäumnisse in den frühen Kindheitsjahren später nur schwer wieder aufgeholt werden können.
Foto: privat