BAD NENNDORF (pd). Alles deutet darauf hin, dass die Blutbuchen auf dem Gelände des ehemaligen Freibades schon bald gefällt werden. Mit deutlicher Mehrheit hat der Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung den B-Plan Nr. 82 "Westlich Kurpark" empfohlen und damit den Weg frei gemacht für eine abschließende Abstimmung im Stadtrat am 27. Oktober. Sechs Ausschussmitglieder stimmten für den Plan, zwei dagegen und einer enthielt sich. Die Debatte und Abstimmung über diesen Tagesordnungspunkt wurde erwartungsgemäß von zahlreichen Zuhörern verfolgt, von denen sich einige auch intensiv bei der "Fragestunde für Bürger" zum Thema äußerten.
Matthias Reinhold hatte wieder keinen leichten Stand, seinen Standpunkt als Planer zu präsentieren. Er stellte in seinem Redebeitrag unter anderem das Ergebnis der Abwägungen vor, die vor allem von Bürgerinnen und Bürgern zu dem Bebauungsplan in Form von Eingaben formuliert worden waren. Vor dem Hintergrund, das ein vorrangige Ziel des Planes ist, innerstädtisches Wohnung zu entwickeln, sei ein "dauerhafter Erhalt der Buchen nicht möglich", so Reinhold. Für die drei 80 bis 90 Jahre alten Buchen müsse ein Freiraum von 3000 bis 3500 Quadratmeter erhalten bleiben, ansonsten seien diese nicht lebensfähig. Im Gegenzug sei vorgesehen, so Reinhold weiter, 40 bis 42 neue Bäume neu anzupflanzen.
Der Planer aus Rinteln bezeichnete das Projekt an der Bahnhofstraße als "städtebaulich sinnvoll" und verteidigte die Schlüsse, die sich aus der Abwägung ergaben haben, als "angemessen". Das Baugebiet werde sich gut in die vorhandene Gegend einfügen. "Bei einem anderen städtebaulichen Konzept hätte man die Bäume erhalten können", gab er auch zu.
Mit Besorgnis verfolgten direkt betroffene Nachbarn des geplanten Baugebietes die Debatte in Bezug auf die Ausgestaltung. Ob es denn einen Lärmschutz geben werde und ob denn genügend Abstand zu den neuen Häusern vorgesehen sei, wollten sie unter anderem wissen. Von der Bauverwaltung und dem Vorsitzenden des Bauausschusses, Herbert Kruppa (SPD) wurde versichert, dass es in den weiteren Umsetzungsphasen noch Gespräche mit Anliegern geben werde. Marianne Kleinke forderte als Zuhörerin, dieses Versprechen ausdrücklich mit ins Protokoll aufzunehmen, was ihr auch zugesagt wurde.
Kritik am Abwägungsprozess kam von Bernd Zimmermann, der für die Wählergemeinschaft Nenndorf (WGN) als beratendes Mitglied im Bauausschuss sitzt. Er vermisste schriftlich formulierte Einwände von Gegnern des B-Planes und Varianten, um objektiv entscheiden zu können. Ellen Hültenschmidt, Fraktionssprecherin der CDU, wunderte sich, dass die WGN sich vehement für den Erhalt der Blutbuchen einsetze, im krassen Gegensatz dazu aber das Abholzen von 49 alten Bäumen im Kurpark in Kauf nehmen würde. Auch wenn es Wählerstimmen kosten würde, machte sie aus ihrer Meinung keinen Hehl: "Das Gelände ist mit den Jahren zunehmend verwildert.
Die Stadt konnte den vom Land geforderten Kaufpreis für das Areal nicht zahlen". Außerdem wären bei allen Plänen, die von verschiedenen Investoren in den vergangenen zehn Jahren vorgelegt worden sind, die Buchen überhaupt nie thematisiert worden. "Die CDU will das Gelände sinnvoll verwertet wissen", so Hültenschmidt.
Andreas Fedler (FDP) gab zu, bei seiner Entscheidung ausschließlich auf das Ergebnis zu schauen. "Ich kann mich nicht daran erfreuen, wenn das Gelände weiter so aussieht wie jetzt". Seinen Worten konnte sich auch Volker Busse für die SPD anschließen. Natürlich würde er die Buchen gerne erhalten, aber es bliebe eben keine andere Wahl. Da müsse man eben "in den sauren Apfel beißen".
Der parteilose Erwin Biener bezweifelte, dass die städtebauliche Zielsetzung tatsächlich zwingend zu den jetzt geforderten Entscheidungen führen müsse. Außerdem kritisierte er die Tatsache, das Reinhold als Planer von der Volksbank bezahlt werde. "Wessen Brot ich esse, dessen Lied singe ich", zitierte Biener in diesem Zusammenhang. Der Angesprochene verwies mit Nachdruck darauf, allein der Stadt gegenüber verpflichtet zu sein. Biener machte den Vorschlag, Reinholds Abwägungen nochmals von der Verwaltung prüfen zu lassen, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Foto: pd