1. Suche endet erst nach 16 Stunden

    "Nora"-Seniorin verschwunden / Glücklicher Ausgang

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    LAUENAU (al). Eine 81-jährige Frau aus dem Lauenauer Seniorenheim "Nora" hat eine Nacht lang Personal, Polizei und Feuerwehr in Atem gehalten. Mit einer groß angelegten Suchaktion wurde nach der dementen Seniorin gefahndet. Bis um 3 Uhr in der Nacht zum Mittwoch waren Mitarbeiter und Einsatzkräfte unterwegs, um dann resigniert abzubrechen. Am Morgen gegen 9 Uhr dann Entwarnung: Die Frau wurde in einem Winkel des weitläufigen Dachbodens entdeckt.

    Am Dienstag gegen 17 Uhr war die Anwesenheit von Elisabeth S. zum letzten Mal registriert worden. Zunächst begann das "Nora"-Personal selbst mit der Suche: In drei Gruppen wurde das Haus einschließlich Wäscherei und Kühlräumen durchkämmt und das Außengelände abgesucht.

    Geschäftsführer Raid El Salmi nahm selbst das weitläufige und mit vielen dunklen Winkeln versehene Dachgeschoss in Augenschein. Als alle Prüfungen ergebnislos blieben, wurde die Polizei eingeschaltet. Diese veranlasste Rundfunkdurchsagen, die sich jedoch in Teilen unzutreffend waren.

    Ein Sender hatte mitgeteilt, die Vermisste würde nur Russisch sprechen. Tatsächlich ist es ein durch die Demenz gewohntes Kauderwelsch aus Deutsch und Polnisch. Mehrere Streifenwagenbesatzungen waren unter anderem am und im Deister unterwegs. Ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera kreiste über dem Gebiet.

    Gegen 23 Uhr wurde Gemeindebrandmeister Jürgen Wilkening um Feuerwehrleute gebeten, die die Suche unterstützen könnten.

    80 Helfer aus den Wehren von Lauenau, Feggendorf, Pohle, Messenkamp und Hülsede machten sich zum Teil in Privatwagen auf den Weg und kontrollierten mehr als zwei Stunden Siedlungsstraßen, Feldwege, Regenrückhaltebecken und Spielplätze. "Wir wissen, was wir zu tun haben", unterstrich Wilkening die sofortige Einsatzbereitschaft in solchen Fällen. Er will jedoch bei einem rückblickenden Gespräch mit den Betroffenen den Vorschlag machen, die uniformierten Helfer früher zu alarmieren. Auch bei El Salmi war inzwischen die Sorge gewachsen, die Frau könnte gestürzt und hilflos liegen geblieben sein. Der Experte für Demenzkranke hatte selbst etliche mögliche Ziele in Augenschein genommen: "Demenzpatienten suchen das Licht." Andererseits bezweifelte er von Anfang an, dass S. sehr weit gegangen sei: "Jede Stufe ist für sie schon ein Hindernis." Das spurlose Verschwinden aber ließ ihm keine Ruhe: Es könnte sie ja auch jemand mitgenommen haben.

    Am nächsten Morgen dann das glückliche Ende: Elisabeth S. wurde entdeckt. Wie sie ins Dachgeschoss gekommen war, klärte sich schnell auf. Sie hatte im Fahrstuhl den Knopf für die dritte Etage gedrückt und war problemlos in diesen eigentlich gesperrten Bereich gekommen: Der eigentlich nur mit einem Schlüssel bedienbare Impuls funktionierte nicht. Noch am Vormittag wurde dieser Mangel im System behoben.

    Raid El Salmi ist am Mittwoch ein Stein vom Herzen gefallen. Es sei das erste Mal in acht Jahren, dass so etwas passiert sei. Allerdings könne man das niemals ausschließen: "Jede Aufnahme eines neuen Demenzkranken ist mit drei Wochen Sorgen verbunden", weiß er über deren Orientierungslosigkeit. Für Elisabeth S. galt dies jedoch nicht: Sie lebt hier schon seit drei Jahren unter den gegenwärtig etwa 95 Mitbewohnern. Die 81-Jährige hat ihren unfreiwilligen Ausflug offenbar bestens überstanden.

    Schon kurze Zeit später saß sie im Aufenthaltsraum – "fröhlich wie immer", wie El Salmi bemerkte, dem der Schreck noch immer in den Gliedern steckte. Ein Hausarzt kam trotzdem zur Kontrolle.

    Und vorsorglich wurde S. auch im Krankenhaus untersucht.

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