1. Mühe und Ärger zahlen sich am Ende für Denkmalschützer aus

    Arbeitskreis informiert sich über beispielhafte Konzepte in Lemgo

    Dieser Eintrag wird bereitgestellt durch Schaumburger Wochenblatt | Impressum

    RINTELN (km). "Das war Klasse!" Drei Worte von Uwe Ruszkowski brachten die Bilanz einer Exkursion des Arbeitskreises Denkmalschutz Rinteln e. V. in die alte Hansestadt Lemgo auf den Punkt. Mit einem Vortrag über die Stadtentwicklung Lemgos hatte Diplom-Ingenieurin Berit Weber die wissbegierigen Gäste von der ersten bis zur letzten Minute in ihren Bann gezogen. Darüber hinaus konnte Lemgos junge Bereichsleiterin für Stadtplanung und Denkmalschutz deutlich machen, wie in dem 800 Jahre alten Ort Stadtentwicklung betrieben wird und wie das funktioniert. Kein Wunder: Die Besucher aus der benachbarten Weserstadt hatten dabei unablässig ihr Rinteln im Hinterkopf und notierten sich Anregungen zuhauf.

    Der Arbeitskreis mit Bereichsleiterin Berit Weber (li.) und Stadtführerin Liesel Kochsiek-Jakobfeuerborn.

    Beim Vortrag in der Alten Ratsstube von 1565 im Rathaus wurde eines bald besonders deutlich: Bereits sehr früh erlangte Lemgo wirtschaftliche Bedeutung und trat im 14. Jahrhundert der Hanse bei.

    Baukunst aus der Zeit der Gotik und Renaissance zeugt von dem Wohlstand der Stadt und ihrer Bürger in dieser Epoche. Der mittelalterliche Stadtgrundriss mit Wallanlagen und die kleinteilige Parzellenstruktur mit einem großen Anteil historischer Bausubstanz sind über die Jahrhunderte hinweg nahezu unverändert und sensibel fortentwickelt worden. Mehr als 300 Baudenkmale aus zahlreichen Bauepochen zieren die historische Altstadt, die auch den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstand. Eine bis heute prägende Weichenstellung vollzog die Stadt 1971. Damals standen die Verantwortlichen vor der Grundsatzentscheidung "Flächensanierung oder behutsame Sanierung" - Abriss und Neubau oder Wahrung und bestandsorientierte Fortentwicklung der historischen Bausubstanz? Hätte die Stadt die seinerzeit allgemein gängige und ihr auch vom eigenen Gutachter Harald Dellmann angeratene Flächensanierung verfolgt, so auch das Fazit des Arbeitskreises, dann hätte das eine Verdichtung des historischen Stadtkerns von damals 3500 auf 8000 Einwohner und "Vorfahrt für das Auto" bedeutet.

    In ihrer Ablehnung dieses Konzepts seien sich Verwaltung, Politik und Bürgerschaft einig gewesen.

    Und die ebenso konsequent wie erfolgreich umgesetzte Alternative bis heute, subsummierte der Arbeitskreis, bedeute "kontinuierliche Sicherung, Förderung und Pflege des einzigartigen baukulturellen Erbes durch behutsame Sanierung sowie sensible Weiterentwicklung der Stadt - unter anderem durch Respektierung der historischen Parzellenstruktur auch bei Neubauten".

    Die Besucher aus Rinteln erfuhren aber auch, dass der "mühsame Weg" der Lemgoer durchaus mit Ärger verbunden gewesen sei. Es habe sich aber gelohnt, standhaft zu bleiben, was nicht nur rein wirtschaftlich-finanziell zu verstehen sei: Das von der Stadt in Auftrag gegebene und vor zwei Jahren im Konsens auch mit der Bürgerschaft beschlossene "städtebauliche Entwicklungskonzept Innenstadt" gebe Leitlinien vor und benenne konkrete Maßnahmen für die weitere Entwicklung der Altstadt bis 2020. Das Signal: "Es lohnt sich, hier zu investieren," interpretierte der Rintelner Arbeitskreis - und zugleich öffne und erleichtere es Lemgo den Zugang zu Fördertöpfen von Bund und Land. Die Fördermittel zögen gleichzeitig enorme Eigenmittel auch der privaten Eigentümer nach sich.

    Als beispielhaft befanden die Mitglieder des Arbeitskreises die Tatsache, dass Denkmalschutz in Lemgo nicht isoliert, sondern als "integrierte Aufgabe einer nachhaltigen Stadtentwicklung" verstanden werde - obwohl auch die Stadt Lemgo knapp bei Kasse sei. So würden mit Architekten und Bauherren adäquate Lösungen für die Schaffung oder Modernisierung von Wohnungen in den Obergeschossen der Altstadt erarbeitet. Leerständen im Erdgeschoss begegne das "Leerstände-Management" der Stadt unter anderem durch Zwischennutzung für Studenten. -

    Bei der an den Vortrag anschließenden Altstadt-Führung mit Liesel Kochsiek-Jakobfeuerborn sorgte Berit Weber für ein zusätzliches Highlight: Als langjähriges Mitglied in Lemgos Stadtrat konnte die passionierte Stadtführerin den Rintelnern aus erster Hand auch einige kommunalpolitische Hintergründe vermitteln. - Unter dem Beifall der Vereinsmitglieder bedankte sich Arbeitskreis-Vorsitzender Dr. Alexander Lattermann am Ende bei den beiden Damen.

  2. Kommentare

    Bitte melden Sie sich an