1. Kritik am Vorgehen der Ordnungskräfte

    "Bodega"-Betreiber Janni Goudoulakis spricht über drei Tage "Ausnahmezustand"

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    BAD NENNDORF. Der "Trauermarsch" der Neonazis ist vorbei, noch lange nicht vergessen sind die Beeinträchtigungen des täglichen Lebens und der geschäftlichen Abläufe bei Betroffenen. Der Betreiber des Lokals "Bodega" am Bad Nenndorfer Bahnhof hat drei Tage so etwas wie "Ausnahmezustand" erlebt und möchte mit seinen Schilderungen der Vorgänge auch erreichen, dass diese "Veranstaltung" möglichst nicht mehr stattfindet. Die Einschränkungen, die er, seine Familie, die "Bodega"-Gäste und seine Mitarbeiter an drei Tagen aushalten mussten, möchte Goudoulakis nicht unkommentiert lassen.

    "Bereits am Donnerstag wurde der Zugang zu unseren Parkplätzen und dem gesamten Bahnhofsvorplatz abgeriegelt. Somit mussten unsere Gäste einen Fußweg von gut anderthalb Kilometer in Kauf nehmen, um zu uns zu gelangen. Am Freitag Vormittag führte ich ein Gespräch mit der Einsatzleitung zu diesem Thema. Man versprach, einen Zugang über die Bornstraße offen zu halten. Wir riefen alle unsere Gäste mit Reservierungen an und schilderten die Sachlage. Doch der Weg über die Bornstraße war dann doch nicht frei. Im Gegenteil, unseren Gästen wurde gesagt, die Bodega sei geschlossen und der Zugang zum Bahnhof komplett gesperrt. Ohne Ausnahmen. Als ich davon erfuhr, suchte ich nochmals das Gespräch mit der Einsatzleitung. Erst nach langem hin und her wurden unsere Gäste dann doch zum Lokal durchgelassen. Immer standen mir andere Personen als Ansprechpartner von Seiten der Polizei zur Verfügung. Einen Informationsfluss zwischen den Beamten hat es ganz offensichtlich nicht gegeben.

    Meine Frau wollte am Freitag mit unseren Hunden spazieren gehen. Dafür benötigte sie ihren Ausweis und eine Meldebescheinigung. Meine Tochter wurde der Weg zum gewohnten Spielplatz verwehrt. Wir waren sozusagen am Bahnhofsplatz gefangen. Unsere Mitarbeiter wurden nicht durchgelassen. Die Ordnungshüter verlangten Passierscheine. Keiner von uns hat bis zu diesem Zeitpunkt etwas davon gewusst. Ältere Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind, mussten vom Bahnhof aus hoch zur Bornstraße laufen, um ein Taxi zu bekommen.

    Die Bahnhofstraße wurde zur Sperrzone Nr. 1 deklariert. Kein Fußgänger kam durch. Wieder erst nach langen Diskussionen konnten unsere Gäste endlich den Weg über die Bahnhofstraße gehen. Doch nach fünf Metern wurden sie schon wieder angehalten und aufgefordert, umzukehren. Anscheinend wusste da die linke Hand nicht, was die rechte Hand tut. Nach meinem Eindruck waren das zu viele Einsatzkräfte aus verschiedenen Regionen, ohne klare Anweisungen.

    Hinzu kommt, dass nicht genügend mobile Toiletten vor Ort waren. Wir haben allein am Freitag gut 200 Beamten den Zugang zu unseren Toiletten erlaubt. Zusätzlich noch Strom geliefert für den Überwachungsturm. Als Dank dafür wurden unsere sämtliche Mittel genommen, für unsere Gäste da zu sein. Sehr ärgerlich.

    Bei einem Gespräch mit der Einsatzleitung am Sonntag wurde mir erklärt, dass bei fast 2000 Beamten so etwas schon einmal passieren kann, gerade bei Schichtwechsel. Tolles Argument. Ich hoffe in Zukunft nicht mehr diesen massiven Eingriff in unsere Bewegungsfreiheit hinnehmen zu müssen. Mal abgesehen von dem ganzen Müll, der hinterlassen wurde.

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