1. Bürger machen sich stark

    Vom Versammlungsrecht Gebrauch gemacht / Vuvuzelas übertönen Nazi-Aufmarsch

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    BAD NENNDORF (Ka) Mit dem jüdischen Friedenslied "Hevenu schalom alejchem" setzten rund 500 Gottesdienstteilnehmer im Kurpark deutliche Zeichen gegen den Aufmarsch der Neonazis in der Kurstadt. Pastorin Elke Pankratz-Lehnhoff und Dechant Stefan Bringer gestalteten gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde einen ökumenischen Gottesdienst an der Musikmuschel.

    Zur gleichen Zeit nahmen weitere 600 Bürger in den Morgenstunden ihr Versammlungsrecht wahr und formierten sich unterhalb der Kirche zu einer stationären Kundgebung. Die Bürger hatten insgesamt nur zwei Stunden Zeit, um sich gegen die Rechtsextremisten, Intoleranz, Rassismus und Diskriminierung öffentlich auszusprechen. Noch Stunden zuvor stieß das Urteil des Verwaltungsgerichtes auf Fassungslosigkeit, Entsetzen und Kritik. Die geplante Veranstaltung mit der bunten bürgerlichen Gegendemonstration nebst Gottesdienst und Kulturprogramm erhielt keine Genehmigung. Hingegen wurde den Neonazis ein fünfstündiges Demonstrationsrecht eingeräumt. Erst in letzter Minute stimmte das Oberverwaltungsgericht einer Kundgebung zu. Keine Zeit für Sprachlosigkeit, dann mehr für Ungewissheit und der absoluten Sicherheit, die Braunen in der Stadt nicht zu dulden. Das Nein galt zwar der Protestaktion, aber nicht der freien demokratischen Meinungsäußerung. Diese fand am Vorabend bereits vor großem Publikum höchste Aufmerksamkeit. Als Auflage standen den Nazi-Gegnern am Samstag zwar nur die begrenzte Versammlungszeit von zwei Stunden zur Verfügung, aber sie wurde vom DGB, dem Bündnis gegen Rechts, den Bürgern und Vereinen gegen die Nazi-Trauermärsche friedlich und mit klarer Haltung gegen Rechts genutzt. Geschlossen standen sie hinter dem gelben Banner mit der Aufschrift: "Bad Nenndorf wehrt sich".

    Weit mehr als 1.000 Bürger unterstrichen in aller Deutlichkeit, dass Faschismus keine Meinung, sondern ein Verbrechen ist.

    Foto: ka

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