SCHAUMBURG (km). Prächtiger als selten zuvor präsentiert sich in diesen Tagen die "Blutlinde" vor der Schaumburg - auch wenn die vermeintliche Idylle ein wenig darüber hinweg täuschen mag, dass mit dem beeindruckenden Baum eine schaurige Mär verbunden ist.
Zu Zeiten der Hexen-Verfolgungen soll vor gut 600 Jahren just vor der Schaumburg eine junge Frau zum Tode verurteilt worden sein, nachdem ein "böser Knappe" sie der Zauberei bezichtigt hatte.
Man hatte die Ärmste zunächst zwecks üblicher Folterung in den "Hexenturm" gesperrt, um sie am folgenden Tag bei der Arensburg einem "Gottesurteil" zu unterziehen. In der Nacht aber war ein schwerer Sturm aufgezogen, der die Linde vor der Burg wie ein Streichholz ungeknickt hatte.
Als das Mädchen am Morgen an dem gefällten Baun vorbei kam, nahm es ein "Reis" aus der Rinde und steckte das mit den Worten in den Boden: "So wahr dieses Lindenreis, das ich hier pflanze, grünen und blühen wird, bin ich unschuldig".
Dass das arme Kind wirklich unschuldig war, stellte sich sehr bald heraus, als man es an der Arensburg ins Wasser warf: Schwämme es oben, sei es schuldig, gehe es unter, unschuldig. Tragisch: Es ging unter, tatsächlich unschuldig also - und ertrank.
Da hätte auch die Gnade von Graf Otto von Schaumburg nichts mehr retten können: Der "schmachtete" selbst fern der Heimat "in Gefangenschaft", wie es die Sage wiedergibt, - Geblieben aber ist die Linde, die mittlerweile seit vielen Jahrhunderten mit ihrer Jahr für Jahr wieder kehrenden, stummen Pracht an das schreiende Unrecht aus einer Zeit erinnert, da die Welt wohl von allen guten Geistern verlassen war.Foto: km