Leserbrief
Kurparksanierung in Bad Nenndorf zum Wohl der Allgemeinheit
"Zwar sollten wir grundsätzlich zu unserer Geschichte stehen und unser Kulturerbe bewahren, jedoch in einem gegenüber der Bürgerschaft und Öffentlichkeit vertretbaren, sinnvollen Rahmen. Das ist offensichtlich bei der sogenannten großen Kurpark-Lösung nicht der Fall; vielmehr drängt sich der Eindruck auf, dass gewisse Amtsträger mit dem Stadtdirektor an der Spitze mit diesem Prestigeobjekt einen durchaus fragwürdigen Ruhm erlangen wollen. Dabei werden EU-Zuschüsse als Alibi und Schnellschuss-Methode benutzt, um eine umfangreiche und teure Kurparksanierung nach historischem Vorbild für mindestens 3,8 Mio (so SPD-Ratsherr Herbert Kruppa) ohne ausführliche Beteiligung der Volksvertretung durchzupeitschen.
Da ist es erfreulich und unterstützenswert, dass sich SPD-Ratsherr Fritz Varwig mutig mit einem Antrag für eine gemäßigte Sanierung und zur Rettung der Esplanade gegen den von der Verwaltung forcierten und eilfertig vom Verwaltungsausschuss (mit knapper Mehrheit) befürworteten großen Kurpark-Umbau gestemmt hat und dass sich die CDU-Fraktion dem Einspruch angeschlossen hat. Das ist ein Zeichen lebendiger Demokratie, dass man eigenen Parteigenossen, besonders wenn sie mit Amtsautorität und Verwaltungsmacht agieren, widerspricht und im Sinne der Bürgerschaft mit der Opposition zusammenarbeitet.
Die Mehrheit der Bürger möchte sicherlich nicht auf die Kurpromenade verzichten und dafür noch Schulden in Kauf nehmen, man sollte sie mal fragen. Naheliegend ist der Verdacht, dass mit dem kostspieligen Kraftakt vom sonstigen Defizitverhalten der Verwaltung abgelenkt werden soll wie z. B. der prekären Schwimmbadsituation oder dem Fehlen einer Grünabfalldeponie. Und dass die EU-Fördermittel als "Lottogewinn" gewertet werden, ist der Gipfel der Impertinenz. Als wenn die Finanzmittel in der EU nicht dringender für soziale Projekte gebraucht werden, sollen sie in der angespannten Haushaltslage hier für umstrittene Schönheitsbelange "verbraten" werden."
Dr. Dr. Dietrich Pukas, Bad Nenndorf