BAD NENNDORF / OHNDORF (Ka) Kennen sie das Gefühl, am Diskotheken-Eingang von den Sicherheitskräften angehalten und abgewiesen zu werden? Die Ablehnung liegt im Ermessen des Türstehers, denn er sorgt während einer Veranstaltung für die Sicherheit der Anwesenden und legt im Vorfeld fest, wer Einlass erhält. Die Begründung kann unterschiedliche Inhalte tragen. Der Abgewiesene ist minderjährig oder betrunken, auch ein nicht gut gewähltes Outfit könnte ausschlaggebend für ein "Nein" sein. Oder der Betroffene hat ein sichtbares Handycap! Diese ablehnende Haltung musste erneut Jörg Homeier aus Ohndorf erfahren. Der 47-jährige leidet seit frühster Kindheit an einer Spastik, die das freie Gehen unterbindet. Er ist auf mobile Hilfsmittel angewiesen, um am öffentlichen Leben teilzunehmen. Genau dieses Fortbewegungsmittel war der Grund, für die Nicht-Teilnahme an einem öffentlichen Open-Air-Fest. Kein Einlass für Menschen, die sich auf drei Rädern und nicht auf zwei Beinen bewegen, entschied die Security-Firma H.E.S. aus Stadthagen. Nicht wissend, dass Jörg Homeier sein Fahrrad wie ein Profi beherrscht und fährt. Die respekteinflößende Erscheinung am Eingang brachte dem zahlenden Gast keinen Respekt entgegen und forderte ihn auf, das Fest zu Fuß zu besuchen. Das Kettcar bleibt aus Sicherheitsgründen vor der Tür. lautete die Ansage. Unmöglich für Jörg Homeier, dessen Leben sich nur auf dem Dreirad bewegt, zumal er die Festlichkeit in der Vergangenheit ohne derartige Diskriminierung besuchen konnte. Bei einer Spastik handelt es sich um fehlgesteuerte Nervenimpulse, die eine Anspannung der Muskeln zur Folge hat. Homeier steuert sein Fahrrad weisichtig, umsichtig und vorsichtig durch Veranstaltungen, doch nicht immer erfährt er Nachsicht und Rücksicht. Dumme Bemerkungen überhört er und reibt sich nicht an manch überflüssigen oder gar menschenverachtenden Spruch. Ihn zeichnen Ruhe und Gelassenheit aus. Noch bevor die Party für alle begann, endete sie für den Ohndorfer an der Kasse. Der Veranstalter bekam von diesem Fauxpas leider nichts mit, denn er hätte den gern gesehen und beliebten Gast willkommen geheißen. Abgelehnt und abgewiesen, wurde ihm wieder einmal schmerzlich bewusst, dass er "anders" ist, als nicht behinderten Menschen. Auf diesem Gebiet ist Homeier und auch seinen Eltern, Anna und Heinz Homeier, wohl nichts mehr fremd. Dabei gilt Jörg Homeier als zufriedener, ruhiger, geduldiger, glücklicher und auch dankbarer Mann, der sein Schicksal trägt, sich gern helfen lässt und nicht daran verzweifelt. Der Genuss einer Portion Eis im Sommer wurde ihm von einem ehemaligen Bad Nenndorfer Eisdielen-Besitzer schon genauso verwehrt, wie auch der Besuch eines Zeltfestes in Steinhude. Unabhängigkeit und Selbständigkeit sind für Jörg Homeier ein Stück Lebensqualität. Täglich radelt er nach Stadthagen zur Arbeit und blickt bezüglich der gefahrenen Kilometer auf eine Reihe Urkunden vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) und der AOK. In seiner Freizeit wirkt er den feinmotorischen Störungen erfolgreich mit der filigranen Gestaltung von Puzzle mit weit über 1.000 Teile entgegen. Unterstützung und Verständnis findet Jörg Homeier in der Familie und in seinem Freundeskreis. Die Enttäuschung steht auch ihnen ins Gesicht geschrieben, wenn Vorurteile und Ungerechtigkeit regieren. Foto: ka
Anna, Jörg und Heinz Homeier heißen ihre Gäste daheim willkommen, erfahren dies aber nicht immer auf Veranstaltungen.
Jörg Homeier blickt auf eine Reihe sportiver Urkunde, er fährt mit dem Rad zur Arbeit und bewegt sich äußerst mobil, vor-, um- und weitsichtig.