BAD NENNDORF (pd). In einer Pressemitteilung spricht sich die Wählergemeinschaft Nenndorf (WGN) noch einmal ausdrücklich für einen historischen Kurpark aus. Vor dem Hintergrund der Vorgänge bei der letzten Sitzung des Rates der Stadt Bad Nenndorf, in der bei einer knappen Entscheidung gegen die "große Lösung" votiert wurde. Mit "Entsetzen" habe man diesen Vorgang zur Kenntnis genommen, so die WGN-Vorsitzende Heike Beiersdorfer. In der Diskussion über die Pläne des Kurparks seien viele Argumente nicht angesprochen worden. "Um den Bürgern der Stadt Bad Nenndorf die Tragweite dieser Entscheidung bekannt zu machen", bezieht die WGN wie folgt Stellung:
Mit der Unterzeichnung des Kommunalvertrages durch die beiden großen Parteien sei für die Stadt der Grundstein zur Weiterentwicklung als Kur- und Touristikstandort gelegt worden. Trotz rückläufiger Zahlen im Kurbereich, sei unter Zeitdruck ein Vertrag gestaltet und unterzeichnet worden, dessen Auswirkungen jetzt zum Tragen kämen. Zahlreiche Einwände der WGN, von der Einforderung eines Entwicklungskonzeptes bis hin zum Verhandeln der Rechte an den Naturheilmitteln, seien als "Nörgeleien" dargestellt und mit den Worten "politisch anders Denkende gehören kaltgestellt" tituliert worden. Immer wiederkehrende Warnungen der WGN, das diese Teilkommunalisierung hohe Investitionskosten nach sich ziehen werde, seien von den beiden großen Parteien nicht geteilt worden. Vielmehr sei im Zuge dieser Teilkommunalisierung eine professionelle Vermarktungsgesellschaft, die Kur- und Tourismusgesellschaft (KurT) ins Leben gerufen worden.
Der Kurort Bad Nenndorf stehe heute, fünf Jahre nach der Teilkommunalisierung, immer noch ohne Konzept dar, so die WGN weiter. Landesmittel aus den vergangenen Jahren seien genutzt worden, um Investitionen im Tagungsbereich zu tätigen und um die personelle Übernahme der ehemaligen Staatsbad-Angestellten sicherzustellen. "Wohl wissend, dass die Tagungsbranche seit Jahren mit hohen Rückläufen zu kämpfen hat", schreibt Beiersdorfer. Dringende Investitionen würden an externe professionelle Unternehmen als Planungsauftrag für teures Geld vergeben. Anschließend würden diese dann mit dem "semi-professionellen Wissen" der Ratsmitglieder beider großer Fraktionen wieder zerpflückt. Die WGN befürworte eine Rekonstruktion des Kurpark, weil dieser derzeit für größere Veranstaltungen nur eingeschränkt nutzbar sei. Die jetzigen Veranstaltungen würden mit fünfstelligen Beträgen aus Steuermitteln der Stadt bezuschusst und würden keine ausreichende Einnahmequelle darstellen. Um mittelfristig Defizite und die sich reduzierenden Landesmittel ausgleichen zu können, werde die KurT gezwungen sein, Zusatzeinnahmen aus dem Bereich Tourismus zu erzielen, glaubt die WGN. Sollte dies nicht gelingen, müsse über eine Erhöhung der Fremdenverkehrsbeiträge und Erhöhung der Steuern nachgedacht werden.
Der Kurort brauche den historischen Kurpark als besonderes Herausstellungsmerkmal. Ein Seniorenspielplatz reiche nicht aus, um Besucher anzuziehen, so die WGN. Die Einzigartigkeit des Kurparks sei wichtig, damit sich die Kurstadt in der Zukunft am hart umkämpften Tourismusmarkt überhaupt behaupten könne. Andere Städte hätten es in den letzten Jahren geschafft, über Fördermittel und Sanierungen von alten Beständen neue Besuchergruppen anzuziehen. "Ein langer kostenintensiver Weg, aber nun erntet man die Früchte", argumentiert Beiersdorfer weiter und verweist auf Städte wie Coburg in Oberfranken. Für Bad Nenndorf sollten die jetzigen Fördermittel als Lottogewinn gewertet werden. Gehe der Rat weiter so mit Förderanträgen und deren professionellen Planungen um, würde man der Stadt großen Schaden zufügen.