STEINBERGEN (ste). Als Vorsitzender der CDU in Steinbergen konnte Gerd Depping zur Frage "Wie sieht die medizinische Versorgung in Steinbergen künftig aus?" rund 70 Besucher im "Steinberger Hof" begrüßen. Sein Aufruf lautete: "Wir haben in Steinbergen alles was man zum Leben braucht: Lasst es uns erhalten!" Als Partei habe sich die CDU auf die Fahne geschrieben, etwas für den Ort zu erreichen und eingeladen war bewusst überparteilich, doch, so Depping: "Es ist traurig, dass niemand von den eingeladenen SPD-Kollegen des Ortsrates gekommen ist!"
Unter dem Moderation von Gunther Feuerbach merkten die Zuhörer dann schnell, dass das Thema offensichtlich eine große Brisanz hat, wie Steinbergens "Landarzt" Dr. Andreas Schramm berichtete. Denn "...Steinbergen wird über kurz oder lang keinen Arzt im Ort mehr haben!" so sein Fazit.
Schon vor Jahren habe er Kontakt zu Ortsbürgermeister Heiner Bartling aufgenommen und ihm die Situation geschildert: "Da kam nur: Das ist kein Thema für mich!", klagt Dr. Schramm. Doch damit wollte sich der engagierte Arzt nicht zufrieden geben und fordert: "Der Ort muss attraktiv für einen Arzt gehalten werden!" Dr. Schramm muss beobachten, wie Kollegen von ihm ihre Praxen zum Teil verschenken, damit überhaupt eine Nachfolge im Ort gesichert ist. "Junge Kollegen wollen allerdings nicht auf‘s Land, sondern eröffnen ihre Praxen lieber in der Stadt", wusste Dr. Schramm zu berichten und macht eine Vielzahl von Faktoren dafür verantwortlich:
-schlechte Rahmenbedingungen der Kassenärztlichen Vereinigung
-ein schlechtes Image der Institution "Hausarzt"
-nicht kalkulierbare Honorare und einiges mehr.
Dr. Schramms Bemühungen, einen Nachfolger für seine Praxis zu finden, scheiterten daher bislang: "Ich habe Chefärzte angeschrieben, um Assistenzärzten die Möglichkeit einer eigenen Praxis schmackhaft zu machen!" Die Reaktion war ernüchternd: "Wir haben selbst Schwierigkeiten, Ärzte zu finden", lautete die Antwort aus den Krankenhäusern.
Eine Anzeige im Ärzteblatt verlief erfolglos und auch das Internet mit seinen vielfältigen Möglichkeiten half nicht weiter.
Erst auf eine öffentliche Ausschreibung durch die KV meldete sich eine Ärztin. Die wollte allerdings nicht den Praxissitz in Steinbergen übernehmen, sondern nur die Zulassung und sich dann in der Stadt niederlassen.
Dr. Sprecker von der KV Niedersachsen sah die Situation für Schaumburg weniger kritisch. Eine 110-prozentige Ärzteversorgung in der heimischen Region sichere derzeit den Bedarf. Natürlich sieht die Kassenärztliche Vereinigung Steinbergen nicht isoliert, sondern im regionalen Ärzteverbund. Für den Wunsch des Rintelner Ortsteils nach einem eigenen Arzt könne die KV nichts tun, bekannte Sprecker, denn Ärzte hätten immer noch die freie Wahl ihrer Niederlassung, wenn es denn den Bestimmungen der KV angepasst ist. Wie schwierig es ist, als Allgemeinmediziner heute noch zu bestehen, bekannte Dr. Andreas Schramm. Man müsse ein sehr umfangreiches Spektrum an medizinischen Kenntnissen abdecken und habe noch Notdienste zu leisten: "Tag und Nacht!"
Zur "Abstimmung mit den Füßen" rief der CDU-Kreisvorsitzende Klaus-Dieter Drewes die Steinberger Bürgerinnen und Bürger auf: Wer in der heimischen Apotheke kaufe, dem Steinberger Friseur sein Vertrauen schenke, im Laden im Ort Besorgungen mache und natürlich zum ortseigenen Arzt gehe, der sorge auch dafür, dass die Angebote im Dorf erhalten blieben.
Die CDU Steinbergen, so versprach Depping, werde am Thema dran bleiben und versuchen, sich langfristig für den Erhalt eines Arztes in Steinbergen einsetzen.Foto: ste