RINTELN (ste). Heinz Hering ist ein Lehrer mit Ecken und Kanten, er fordert und fördert, streitet und schlichtet, ist geschätzte Vaterfigur und gehasster Pauker, hat sich sein Image als "Aufmischer" bis in die letzten Schultage bewahrt. Heinz Hering war mit Leib und Seele Förderschullehrer, ging mehrfach im Jahr durch die Presse als Organisator von Projekten und Teilnehmer an Wettbewerben, aus denen seine Schülerinnen und Schüler und er häufig als Sieger oder gut Platzierte hervorgingen. Jetzt wurde die Institution "Hering" in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet; mit großem Bahnhof natürlich, so wie sich das gehört. Vertreter des Kollegiums der Förderschule, allen voran Schulleiter Kurt Feltz, Abordnungen der Stadt Rinteln, der Polizei, des Präventionsrates, der Volksbank in Schaumburg und von aktuellen und ehemaligen Schülerinnen und Schülern würdigten Herings Verdienste im Laufe seiner Berufszeit. Unter ihnen auch die allerersten Schüler des engagierten Lehrers, damals noch in der Hauptschule Fredenbeck. Arnold Klintworth, Elke und Uwe Martens waren in Herings erster Klasse und attestierten ihm: "Er ist ein Aufmischer für ein gerechtes Schulsystem und Bildung!" Damals, so Elke Martens, sei sie als Klassenbeste ihrer Grundschulklasse noch in die Hauptschule geschickt worden, weil der Grundschuldirektor die Bildung noch nach gesellschaftlichen Klassen getrennt sah. Heinz Hering habe sie als Klassenlehrer in Deutsch und Mathe erlebt und sie beschreibt ihn als "...hochgradig beliebt". Schon damals führte Hering in der Hauptschule Arbeitsgemeinschaften ein und mehrmals traf er sich mit Schülerinnen und Schüler auch außerhalb seiner Schulstunden am Nachmittag zu Projekten. Der Kontakt zwischen ihnen riss nie ganz ab, denn die Klassentreffen waren regelmäßig und gut besucht.
Bei Uwe Martens versuchte Hering sogar, die Hauptschule zu einem Wechsel Martens zur Realschule zu überzeugen; vergeblich. "Wo kommen wir denn da hin, wenn alle Klugen weggehen und uns nur die Blöden bleiben", soll der damalige Fredenbecker Hauptschuldirektor gesagte haben. Gegen eine solche Bildungsungerechtigkeit kämpfte Hering ein Lehrerleben lang. In der Rintelner Förderschule war Hering bei seinen Abschlussklassen gehasst und geliebt: "Ich kam mit ihm am Anfang überhaupt nicht klar", so Sandra Rindfleisch, doch dann erkannte sie, dass "...er ja eigentlich nur das Beste für mich wollte!" und von da an arrangierte sie sich mit ihm. Das "Beste" bescheinigten Hering auch seine ehemaligen Schüler Nils Nitsch und Andreas Blome: "Ich danke ihnen, dass sie mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin!" Hering vermittelte seinen Schützlingen vor allem eines: "Wir sind irgendwie wichtig!" Und auf diesem Selbstwertgefühl konnte Hering auch schulisch aufbauen.
Ob es einen Nachfolge-Hering in der Förderschule geben wird, ist noch unklar. Das Kollegium ist hochmotiviert, doch eine Kopie des Heinz Hering ist nicht darunter. Der wird sich jetzt erst einmal seiner Familie und seinen Hobbies widmen und gestand: "Mir fehlen meine Schülerinnen und Schüler schon jetzt!" Bleibt abzuwarten, mit welchen Aktionen Heinz Hering in Zukunft auf sich aufmerksam macht, denn eins steht felsenfest: "So richtig ruhig werde ich sicher nicht!" Foto: ste