RODENBERG/BAD NENNDORF (pd). Jutta Schneider ist ja schon lange im Geschäft aber ab und zu platzt ihr doch richtig der Kragen. Die Vorsitzende des Tierschutzvereins Rodenberg, Bad Nenndorf und Umgegend hat gerade in den letzten Monaten oftmals erlebt, dass sie und ihre anderen Ehrenamtlichen für "alles und jeden rund um die Uhr" im Einsatz sein müssen.
Dieser "Anspruchshaltung" schiebt Schneider jetzt einen deutlichen Riegel vor. So sollen zum Beispiel Fundtiere in Zukunft nur noch bis 18 Uhr an Werktagen herausgegeben werden. Sie stellt sich damit nicht nur vor ihre Helferinnen und Helfer, die Tag für Tag viele Stunde in der Auffangstation an der Kläranlage tätig sind, sondern möchte auch ihr Privatleben wenigstens etwas schützen.
"Da gibt es offensichtlich Leute die glauben, wir sind für alles zuständig", beschreibt Schneider ihren Frust. Sie selbst ist unlängst über ihre Notfall-Handynummer von einem erbosten Anrufer darüber informiert worden, dass der Esel des Nachbarn die Osterglocken abfrisst. Der Anrufer hat verlangt, dass der Tierschutz unverzüglich tätig werden soll.
"Wir machen ja schon vieles, aber bei solcherart von Nachbarschaftsstreitigkeiten sind wir ja nun wirklich nicht zuständig".
Dass sie und ihr Team in der Woche und an den Wochenenden bei Notfällen tätig werden, ist für sie eine Selbstverständlichkeit. "Da gucken wir nicht auf die Uhr und stehen parat, wenn unsere Hilfe gebraucht wird", macht die Vorsitzender klar.
Doch wenn es um die Herausgabe eines Fundtieres geht, wird sie ab sofort mehr auf die üblichen Öffnungszeiten der Tierauffangstation verweisen. "Es kann doch nicht sein, dass die von uns autorisierten Personen für die Herausgabe eines Fundtieres nachts bei dem Besitzer auftauchen sollen.
Wenn ein Hund ausbüxt und am Ende in der Auffangstation landet, dann sei es schon vorgekommen, dass die Besitzer auch noch gegen 22 Uhr ihr Tier wieder in Empfang nehmen konnten. Natürlich sei man bestrebt, Tier und Halter so schnell wie möglich wieder zusammen zu bringen. Doch die Vielzahl der Fälle und die Selbstverständlichkeit, mit dieser zeitliche und personelle Aufwand von den Tierhalten vorausgesetzt wurde, hat bei Jutta Schneider jetzt zum Umdenken geführt.
Auch sei die Tierauffangstation neben der Kläranlage keine Urlaubspension, erklärt die Vorsitzende mit Nachdruck. Dieser Hinweis sei gerade in der jüngsten Vergangenheit von Tierhaltern mit Erstaunen zur Kenntnis genommen worden. Die Ferienbetreuung gehöre nicht zu den Aufgaben des Tierschutzvereins.
"Wir sind schon durch die Vielzahl an Fund- und Abgabetiere an die Grenzen unserer Leistungsfähigkeit gestoßen, da können wir dies nicht auch noch machen".
In der Auffangstation wartet zurzeit ein besonderer "Problemkandidat" auf ein neues Zuhause. "Spike", ein Staffordshire-Mix, hat eine komplizierte Vorgeschichte und einen dementsprechend speziellen Charakter. Mit anderen Artgenossen versteht er sich gar nicht, dafür ist er nach Aussagen von Jutta Schneider aber sehr menschenfreundlich. Selbst mit Katzen und Kaninchen gebe es keine Probleme. Das Tier werde nur an hundeerfahrene Interessenten vermittelt werden, macht sie unmissverständlich deutlich. Wer mehr über den Rüden wissen möchte, kann sich unter der Rufnummer 05723/82902 mit dem Tierschutzverein in Verbindung setzen. Foto:pd