WIEDENSAHL (mk). Wer derzeit zu später Stunde ins Wiedensahler Wilhelm-Busch-Geburtshaus kommen würde, könnte Max und Moritz wahrscheinlich flüstern hören. Die beiden Lausebuben bereiten nämlich ihren - vorübergehenden - Abgang aus dem Heimatort ihres Schöpfers vor.
Nur noch bis Pfingstmontag ist dort die "Ausstellung in sieben Streichen" unter dem Zitat-Titel "Ach herje! Da laufen sie!" zu sehen. Mehr als 10000 Besucher haben sich in den zurückliegenden 13 Monaten seit dem 177. Geburtstag des Malers und Zeichners, Dichter und Denkers am 15. April 2009 mit den vielfältigen Erscheinungsformen und Nutzungsbeispielen der wohl berühmtesten Knaben der weltweiten Literaturgeschichte vor Harry Potter auseinander gesetzt. In einer ersten Analyse bedauert Museumsleiterin Gudrun-Sophie Frommhage-Davar, dass nicht noch mehr Schulklassen die Gelegenheit genutzt haben, sich mit der Rezeptionsgeschichte der Tierequäler und Menschennecker auseinander zu setzen. Zugleich gab es von den Besuchern immer wieder viel Lob für die gelungene Mischung von Information und spielerischen Elementen in dieser im eigenen Hause konzipierten und umgesetzten Ausstellung. In einem "wunderbar" mündet gerade in der vergangenen Woche der Eintrag einer US-Amerikanerin aus Milwaukee, Bundesstaat Wisconsin, im Gästebuch nach dem Besuch bei den "Helden ihrer Kindheit". Andere Gäste wiederum bestaunten die Details und Ideen, mit denen die weltweite Verbreitung der Geschichte, die im Jahr 2015 den 150 Geburtstag der Erstausgabe feiern kann, hier präsentiert wird. Die meisten Debatten innerhalb von Besuchergruppen entbrannten immer wieder beim Thema Busch in der NS-Zeit. Von "musste das denn heute noch sein" bis "gerade der Aspekt darf nicht unterschlagen werden" gingen da oftmals die Wogen bei älteren Gästen hoch. Die Kinder hatten derweil ihre Höhepunkte beim Rollenspiel in Lehrer Lämpels historischer Schule. Basierend auf den dem Geburtshaus übereigneten Sammlungen des Beckedorfers Jobst-Hinrich Wöbbeking und des emeritierten Kölner Professors Manfred Görlach, heute Heidelberg, haben Museumsleiterin Gudrun-Sophie Frommhage und ihre Helfer eine Ausstellung realisiert, für die zahlreichen aus anderen Quellen immer wieder weitere Bücher und Devotionalien zum Thema angeboten und integriert worden sind. Zentraler Punkt der breit angelegten Präsentation vor allem im Obergeschoss des Wiedensahler Geburtshaus ist eine Säule mit einer Weltkarte, an der man das Vorwort "Ach, was muß man oft von bösen / Kindern hören oder lesen!!" in zwanzig anderen Sprachen vom Wiedensahler Platt über Shetländisch bis Tok Pisin, das in Papua Neuguinea gesprochen wird, hören und zugleich erkennen kann, dass es auf dieser Erde wohl kaum noch ein Fleckchen gibt, an dem Max und Moritz nicht vorbei gekommen sind.
Teile der Ausstellung gehen jetzt in langjährig bewährter Kooperation mit der Sparkasse Schaumburg auf eine Tournee durch verschiedene Geschäftsstellen, um dort hinzuweisen auf einen der kulturell-touristischen Leuchttürme im Schaumbuger Land, das Wilhelm Busch Geburtshaus in der historischen Drei-Länder-Ecke von Schaumburg, Preußen und Hannover. Im Obergeschoss des Museums beginnen derweil die Vorbereitungen für die nächste Sonderausstellung. Ab Sonntag, dem 30. Mai, werden dort unter dem Titel "Bilderwelten" farbenprächtige Objekte aus Papier und Pappe der Hannoveraner Künstlerin Ulla Lauer zu sehen sein, die an Wilhelm Buschs "Papierhanseln" erinnern.