OBERNKIRCHEN. Fachreferent Peter Köster hat an der IGS und dem Schulzentrum Obernkirchen einen ebenso unterhaltsamen wie wissenschaftlich fundierten Vortrag zum Thema "Pubertät" gehalten. Unter der Überschrift "Achtung Umbauarbeiten - Was ist bloß mit unseren Kindern los" informierte er über die Veränderungen im Gehirn eines Menschen während der ersten 20 Lebensjahre vor einem großen Publikum.
Köster erläuterte, dass die Pubertät bei Jungen und Mädchen tendenziell immer früher einsetzt. Dies stehe im Zusammenhang mit der sich verbessernden Ernährung und intensiverer medizinischer Versorgung. Trotzdem setzt der Zeitpunkt bei Jugendlichen zu unterschiedlichen Zeitpunkten ein. In dieser Phase finden umfangreiche Umbauarbeiten im Gehirn statt. Gehirnregionen, die viel mit Emotionen und weniger mit vernunftgesteuerten Prozessen zu tun haben, müssen zusätzliche Speicherfunktionen übernehmen. Die Folge ist, dass viele Jugendliche in der Pubertät häufig mit Erwachsenen aneinandergeraten. Mädchen werden zwar sehr kommunikativ (vor allem mit ihren Freundinnen), aber dabei eher zickig Erwachsenen gegenüber und unterliegen extremen Stimmungsschwankungen. Jungen hingegen reduzieren ihre verbalen Äußerungen oft auf das Nötigste, werden risikobereiter und sind überwiegend hormongesteuert. Köster tröstete: "Sie meinen es nicht böse, sie können nicht anders."
Bedingt durch die Veränderungen im Körper eines Jugendlichen ist auch der Schlafrhythmus stark beeinflusst. Das für Müdigkeit verantwortliche Hormon wird erst wesentlich später ausgeschüttet, so dass sich entsprechend die Einschlafzeit verschiebt. Die Aufstehzeit jedoch bleibt gleich. Jugendliche haben somit weniger Tiefschlafphasen. In diesen Phasen verteilen aber die in der Pubertät zusätzlich aktiven Hirn-Areale die am Tag aufgenommenen Informationen an andere Teilbereiche des Gehirns. Kein Wunder also, dass wegen mangelnder Tiefschlafphasen viele Informationen verloren gehen.
Aufgrund dieser Erkenntnisse sind eigentlich große strukturelle Veränderungen in der Schule notwendig, da Lernzuwächse nur in sehr eingeschränktem Maße zu erwarten sind, so Köster. Besonders im 7. und 8. Schuljahr sind hier eher außerschulische Herausforderungen wie zum Beispiel eine zweiwöchige Alpenüberquerung, ein Waldeinsatz oder ähnliches eine Bereicherung für die Heranwachsenden. Die Bedeutsamkeit für den Pubertierenden ist entscheidend, ob er sich auf Themen einlassen kann oder nicht. Offene Unterrichtssituationen mit Struktur, in denen die Schüler mitgestalten können, bieten den Jugendlichen eine emotionale Annäherung an die Unterrichtsinhalte und sind somit effektiver als stures Pauken von Regeln, so eine letzte Schlussfolgerung Kösters.
"Ich freue mich sehr, dass so viele Eltern und Kollegen den Weg zu dieser Veranstaltung gefunden haben. Für das Familienleben zu Hause und den weiteren Aufbau der noch jungen IGS in Obernkirchen konnten Eltern und Lehrer hier sicher eine Menge Anregungen mitnehmen," freut sich die Didaktische Leiterin Karoline Tietjen.