RINTELN (km). Rund 30 Teilnehmer konnte Vorsitzender Dieter Edler bei einer weiteren informativen Veranstaltung der Rintelner Senioren-Union begrüßen. "Gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung - Was ändert sich durch den Gesundheitsfonds?", so lautete das Thema von Carsten Wahle im Hotel "Stadt Kassel". Und dem Geschäftsführer der Barmer Ersatzkasse in Rinteln gelang es dabei durchaus, die eher prosaische Materie recht unterhaltsam zu vermitteln.
Mit Humor und Sachverstand: Carsten Wahle referiert zum Thema "Gesundheitsfonds".
Was nicht zuletzt auch der lebendigen Interaktion des Auditoriums zu verdanken war: Bald permanente Fragen, Einwände, Ergänzungen, und Kommentare parierte Carsten Wahle mit Sachverstand - und viel Humor. Dabei wurden im Umfeld der eigentlichen Thematik nebenbei auch zahlreiche grundsätzliche Tatsachen deutlich.
Zum Beispiel, dass die Deutschen "Weltmeister" in der Statisik der Arztbesuche sind: Durchschnittlich 18 Mal geht jeder hierzulande pro Jahr zum Doktor - was nicht zuletzt auch dazu führe, so Wahle, "dass die Preise in die Höhe getrieben werden." Der Referent machte zudem deutlich, dass es generell im Modus operandi der Krankenkassen große Unterschiede gebe, so dass es oft schwer sei, allgemein gültige Aussagen zu machen. - Was die fast inflationäre Anzahl an Versicherern nicht leichter macht: 168 Krankenkassen gebe es derzeit in Deutschland. Deren Anzahl werde sich allerdings innerhalb der nächsten Jahre um rund zwei Drittel verringern, prognostizierte Carsten Wahle. Neu war für die meisten der Anwesenden die Tatsache, dass - zumindest bei der Barmer - keinerlei Patienten-Daten bekannt sind. Den "gläsernen Patienten" gebe es bei der Versicherung nicht, konnte Wahle glaubhaft versichern. Was nicht zuletzt auch mit der Art der Vergütung zusammen hängt: Die Krankenversicherungen zahlen eine pauschale Summe an die Kassenärztliche Vereinigung, die wiederum die Leistungen der Ärzte reguliert. "Mit der Zahlung der Pauschale sind wir raus," so Wahle - "mit unseren Kunden haben wir daher praktisch gar nichts zu tun." Auf reges Interesses stieß die historisch-chronologische Darstellung der Deutschen Sozialversicherung, die auf Initiative des Reichskanzlers Otto von Bismarck gegründet wurde und heute gesetzlich fixiert ist. Im Artikel 20 des Grundgesetzes heißt es: "Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat." Bereits 1883 wurde die Krankenversicherung eingeführt, 1889 die Rentenversicherung der Arbeiter, 1911 die der Angestellten - und 1927 die Arbeitslosenversicherung. Zu den jüngsten Neuerungen zählt seit 1994 die Pflegeversicherung. Besondere Aufmerksamkeit fand Satz der Krankenversicherung in der Gründerzeit, der lediglich sechs Prozent betrug. 1980 waren es 11,4, 1990: 12,8 und im Jahr 2000 13,5 Prozent. Und heute? - Gibt es den "Gesundheitsfonds", kam Carsten Wahle auf das eigentliche Thema zurück, ein neues System zur Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland, das am ersten Januar letzten Jahres eingeführt wurde. Nach dem Gesetz werde sowohl die Honorierung der Ärzte neu geregelt als auch die Arzneimittelversorgung geändert. Ausnahmslos alle Einnahmen fließen in den Fonds, der vom Bundesversicherungsamt verwaltet wird. Die bisher unterschiedlichen Beitragssätze der Krankenkassen werden durch einen einheitlichen Beitragssatz ersetzt, der von der Bundesregierung festgelegt wird. Für das Jahr 2009 hatte die Bundesregierung den - einheitlichen - Beitragssatz für Arbeitnehmer zunächst auf 15,5 Prozent fixiert. Im Juli wurde die Zahl wegen der Wirtschaftskrise auf 14,9 Prozent gesenkt.Krankenkassen, die ihre Ausgaben mit den aus dem Gesundheitsfonds zugeteilten Mitteln nicht zu refinanzieren in der Lage sind, können einen zusätzlichen Beitrag von ihren Mitgliedern verlangen. In einem solchen Fall, verdeutlichte Carsten Wahle, hätten die Mitglieder allerdings ein kurzfristiges Sonderkündigungsrecht. Für die Barmer Ersatzkasse allerdings, versprach Wahle, sei ein zusätzlicher Beitrag ohnehin kein Thema. Foto: km