RINTELN (km). "Muss das denn sein? Für die Schule lernen - und das selbst in den Ferien?" Diese Frage werden sich die zwölf teilnehmenden Kinder der Spiel- und Lernstube des Kinderschutzbundes Rinteln gestellt haben, als sie vom aktuellen Osterferienprogramm in ihrem Hort erfuhren. "Es muss!" haben ihre Erzieherinnen entschieden, denn alle Kinder haben eines gemeinsam: Für sie bedeutet Schule oft großen Stress, weil sie in bestimmten Bereichen Lernschwächen zeigen und besonderen Förderbedarf haben. "Die meisten unserer Kinder könnten schulisch eigentlich viel fitter sein, als ihre Leistungen es zeigen," erläuterte Martina Platen, die sozialpädagogische Leiterin der Spiel- und Lernstube: "In unserem Ferienprojekt geht es in erster Linie um Motivation zum Lernen und um positive Verstärkung der Fähigkeiten, die jedes einzelne Kind mitbringt. Wir setzen an den Stärken der Kinder an und wagen uns gemeinsam mit den Kindern aber auch an ihre Schwächen heran." Spielerische Situationen, praktisches Tun und das Lernen in kleinen Gruppen seien der Schlüssel zu Spaß und Fortschritt beim Lernen.
Für das von der "Stiftung für Rinteln" geförderte Projekt "School is cool" holte sich das fünfköpfige Team der Spiel- und Lernstube externe, fachkundige Hilfe. Anne Pauly, angehende Sonderschulpädagogin aus Rostock hatte einen Koffer voll geeigneter Übungsblätter und Lernspiele mitgebracht. In der Zeit von zehn bis zwölf Uhr wurde "gebüffelt": Jeweils zwei Kinder der Gruppe kauften in dieser Zeit ein und bereiteten unter Hilfestellung das gemeinsame Mittagessen zu. Am Nachmittag gab es dann bis 15 Uhr Unternehmungen und Ausflüge, um einen Freizeitausgleich zum anstrengenden Vormittag zu schaffen. So besuchten die Schulkinder zum Beispiel den Bauernhof Giese in Exten. Dort hieß es kräftig zupacken. Die Kinder fütterten Kühe und Schweine, halfen beim Ausmisten des Stalles, sammelten Eier im Hühnerhof und sahen, was beim Melken der Kühe alles gebraucht wird. Dass das Konzept einer Kombination von gezielter, individueller, spielerischer und schulischer Förderung aufgeht, zeigte die Reaktion der Kinder. Selbst Schüler wie der achtjährige Eray, der zunächst keine große Lust dazu hatten, auch in den Ferien Stifte und Hefte auszupacken, kamen ab dem zweiten Tag gern in die "Spiel- und Lernstube" und beteiligte sich aktiv am Programm. Nach den Osterferien, wenn die Schule wieder losgeht, soll sich zeigen, welche Fortschritte die Kinder beim Projekt "School is cool!" erzielen konnten.
"Bei einigen Schülern ist die Versetzung gefährdet", erläutert Martina Platen. "Wir hoffen, dass sie durch das Projekt dazu motiviert worden sind, sich im zweiten Schulhalbjahr noch einmal ins Zeug zu legen", so die Mitarbeiterin des Kinderschutzbundes.