1. Ein Leben wie in einem Paradies

    Edith Nischelsky schreibt aus Bolivien und schildert ihre Eindrücke und Erfahrungen mit dem Land

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    LINDHORST (em). Edith Nischelsky absolviert ihr freiwilliges soziales Jahr in Bolivien. In der vergangenen Woche kam eine Email mit einer Halbzeitbilanz: "Schon seit sechs Monaten lebe ich in dem Touristendörfchen Coroico, in Bolivien. Ich absolviere an der öffentlichen, halb staatlich, halb kirchlich (katholisch) finanzierten Grundschule "San Pedro" mein freiwilliges soziales Jahr.

    Kleine Absolventen. Stolz zeigen die Kinder ihre Zeugnisse.Auch Fasching wird in Bolivien gefeiert - mit vielen Nikoläusen.

    Die Rektorin Hermana Sirley ist eine Franziskanerin. Ihr ist es zu verdanken, dass die Schule immer weiter wächst und gut durchstrukturiert ist. Neue Projekte sind oft abhängig von der Bewilligung finanzieller Mittel. Geld fehlt immer – auch wenn die Schule gerade auch aus Lindhorst mit freundlichen Spenden bedacht wird. Aktuell ist der Bau einer Schulküche: Viele Schüler leben außerhalb von Coroico und müssen jeden Morgen und jeden Mittag einen langen Fußmarsch zurücklegen. Da Süßigkeiten und Trinkpäckchen im Allgemeinen billiger sind als Obst oder Brot, ernähren sich die meisten Kinder ausschließlich von dieser ungesunden Variante. Zahnproblemen und mangelnde Konzentrationsfähigkeit sind die Folge.

    Meine Aufgaben in der "Unidad Educativa San Pedro” sind vielfältig. Gekommen bin ich, um in den Kindern der vierten bis achten Klassen Englischunterricht zu geben.

    Heute helfe ich auch ab und zu im Kindergarten, im Sekretariat der Schule oder in anderen Klassen als Vertretungslehrerin aus.

    Des weiteren unterstütze ich AGs Tanzen, Chor und Theater.

    Besondere Aufmerksamkeit wird Kindern mit Lernschwächen und behinderten Kindern gewidmet. Das ist kein Standard.

    Der Schulalltag in der "U.E. San Pedro” unterscheidet sich gravierend von dem : Der Schultag beginnt pünktlich um 8 Uhr auf dem Pausenhof. Die Schüler stellen sich in Reih und Glied auf, geordnet von der ersten bis zur achten Klasse und unterteilt in Jungen und Mädchen. Jeden Montag wird die bolivianische Nationalhymne gesungen. An Feier- oder Projekttagen stellen Schüler jeder Altersgruppe abwechselnd zum Thema passende Projekte vor. Täglich wird außerdem das "Vater Unser " und "Ave Maria" gebetet.

    Hier in Bolivien wird in den Schulen den Festtagen viel mehr Aufmerksamkeit gewidmet als in Deutschland: Zum Beispiel gibt es den "Tag der Schüler”, an dem es ein großes Fest für die Kinder gibt. Kuchen und andere Süßigkeiten werden aufgetischt und die Kinder zum Spielen animiert. Es gibt aber auch andere Feiern, wie das Frühlingsfest, das hier im September gefeiert wird.

    Auch die Verabschiedung der achten Klassen war ein besonderes Ereignis, dem ein Gottesdienst vorausging, der vom Bischof persönlich gehalten wurde.

    Nach sechs Monaten habe ich einen guten Gesamteindruck der Schule gewonnen. Das Verhältnis der Lehrer zu den Schülern und deren Familien ist viel persönlicher ist als in Deutschland. Die meisten Lehrer wissen sofort, wenn es Probleme in einer Familie gibt – und davon gibt es leider nicht zu wenige.

    Allerdings ist auch der Umgangston der Lehrer mit den Schülern ein ganz anderer. Er ist rauer und ab und zu wird auch mit einem Lineal oder dem Zeigestock auf einen Tisch geschlagen.

    Anfangs hat mich dieses Verhältnis erschreckt. Aber keinem der Kinder wird wehgetan, jedenfalls nicht in unserer Schule, und anders kennen es die Kinder nicht und empfinden es somit nicht als so befremdlich wie ich.

    Die Schule hat hier allgemein einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland. Viele Kinder wollen nicht lernen, da sie keine Perspektive sehen. Die letzten sechs Monate hier sind unter diesen vielen Eindrücken schnell vergangen. Ich habe sie genossen und freue mich sehr auf die mir noch verbleibende Zeit in Coroico.

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