KREUZRIEHE (pd). "Wenn den Gemeinden mit dem Geldentzug jede Entwicklung und jeder Spielraum genommen wird, können wir den Laden bald dicht machen", so die schonungslose Erkenntnis von Bürgermeister Horst Schlüter beim traditionellen Fasselabend der Gemeinde Suthfeld. Der Gemeinde gehe es zwar noch gut, doch wenn sich die Situation nicht gravierend ändere, müsse man im zweiten Halbjahr 2010 über lieb gewordene Leistungen und Standards "nachdenken". Schlüter plädierte bei allen negativen Zeichen aber dennoch dafür, die kleinen Gemeinden zu erhalten. Auch wenn denkbar sei, dass mit weiteren Umlageerhöhungen "die Politik einen Wandel in der kommunalen Landschaft erzwingen wolle".
Bürgermeister Horst Schlüter gibt beim Fasselabend einen ausführlichen Überblick über die Finanzlage der Gemeinde Suthfeld.
Die Besucherreihen waren nicht so dicht geschlossen wie in den Vorjahren und auch die Diskussionsfreudigkeit der Gäste hielt sich in Grenzen. Am Ende, nach gut zweieinhalb Stunden Rechenschaftsbericht, zeigte sich Bürgermeisterin Schlüter fast enttäuscht darüber, dass es so wenig Rückfragen aus dem Publikum gegeben hat. Lediglich der Neubau des Trainingsplatzes in Riehe wurde von zwei Zuhörern kritisch hinterfragt. Die Gemeinde habe es verpasst, dafür Fördermittel vom Kreissportbund zu beantragen, stellte einer fest. Und ein anderer hielt den neuen Platz für völlig überflüssig. Die Mannschaften könnten auch auf dem ungenutzten Sportflächen in Kreuzriehe trainieren. Darüber habe man zwar nachgedacht, sich am Ende doch für die neue Übungsfläche in Riehe entschieden, erklärte Schlüter.
Dem Rechenschaftsbericht ihres Bürgermeisters hörten die Besucher geduldig zu, ohne Zwischenfragen. Von Einnahmen im eigentlichen Sinne könne in diesem Jahr nicht die Rede sein, rechnete Schlüter vor. Die Steuern würden nicht einmal ausreichen, um die geforderten Umlagen an die Samtgemeinde und den Landkreis zahlen zu können. Um überhaupt Spielraum für Investitionen im laufenden Jahr zu schaffen, müsse die Gemeinde Suthfeld mehr als 100 000 Euro aus der Rücklage nehmen. In den kommenden Jahren sei wohl unumgänglich, auch über Steuererhöhungen oder über Streichungen bei Begehrlichkeiten zu sprechen. Trotz der Tatsache, dass die Gemeinde noch über Rücklagen verfüge, erklärte Schlüter "Wir leben eigentlich schon auf Pump". Und er ergänzte "Andere greifen uns ständig in die Tasche". Der Bürgermeister prangerte an, dass kleine Gemeinden, wenn sie denn überhaupt in den Genuss von EU-Fördergeldern kommen wollten, für die Antragsausführung teure Büros einschalten müssten. "Wir bemühen uns, sparsam mit dem Geld umzugehen", beteuerte der Bürgermeister. Und er machte keine Hehl aus seiner Meinung, dass mit der Bildung einer Einheitsgemeinde "auch nichts besser werden würde". Er plädierte für den Erhalt der Eigenständigkeit. "Je größer die Einheit, desto schwieriger wird es", so seine Überzeugung.
Das Thema "Bau eines Wirtschaftsweges" zur Biogasanlage in der Bad Nenndorfer Feldmark wurde von Schlüter auch angesprochen. Zum wiederholten Male erklärte er auch beim Fasselabend, dass hier Bad Nenndorf aktiv werden müsse. "Das ist ihre Anlage", stellte er fest. Der Suthfelder Rat hat 20 000 Euro bereitgestellt, um die Bürger in der Sölvienstraße vom Verkehr hin zur Biogasanlage zu entlasten. Mit diesem Zuschuss soll Bad Nenndorf jetzt einen neuen Wirtschaftsweg bauen. Bei einem Gespräch am kommenden Montag, 8. März, im Kreishaus wollen Nenndorfer Kommunen zusammen mit Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier versuchen, eine Lösung zu finden. "Mal sehen, wie das weitergeht", meinte Schlüter mit Blick auf das Treffen. Die Gemeinde Suthfeld sei nicht der Verursacher für Lärm auf den Zugangsstraßen. Die Stadt Bad Nenndorf würde die Gewerbesteuer aus dem Betrieb der Biogasanlage kassieren und sei daher auch allein für den Bau einer entsprechenden Zuwegung verantwortlich. Foto:pd