1. Zehnte Klasse schreibt hundert Briefe an hundert Politiker

    Finanzminister Hartmut Möllring besucht die Förderschule Rinteln / Projekt "Politik - Ja bitte!"

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    RINTELN (ste). Die zehnte Klasse der Förderschule Rinteln mit ihrem Lehrer Heinz Hering nahm an einem Wettbewerb der Bürgerstiftung Schaumburg teil und stellte sich dabei die Frage: "Was ist eigentlich Politik?" und "Was machen Politiker den ganzen Tag?" Und das machten sie nicht aus schulischem Druck heraus: "Wir machen das Projekt freiwillig; Herr Hering hat uns nicht gezwungen!" "Politik - Ja bitte" hieß die Überschrift des Projektes und eigentlich hätten die Schüler nach eigenem Bekunden am Anfang lieber am Projekt "Politik - Nein danke!" gearbeitet. Doch es entstand eine Eigendynamik, die die Schüler neugierig auf das Thema machte.

    Die zehnte Klasse der Förderschule Rinteln nimmt am Projekt der Bürgerstiftung Schaumburg "Politik - Ja bitte!" teil und hat Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring zu Gast.

    Um Antworten auf ihre vielfältigen Fragen zur Politik zu bekommen, schrieben sie 100 Briefe an 100 Politiker und werteten diese nach Rücksendung akribisch aus. Während viele der Angeschriebenen ihre Referenten oder Büros antworten ließen, merkte man einigen Briefen auch die persönliche Handschrift an. Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring war so begeistert von dem Projekt der Förderschule, dass er sich spontan zu einem Besuch Rintelns und der Schule entschloss. Und entgegen der Gepflogenheiten anderer politischer Würdenträger schaffte er (fast) eine terminliche Punktlandung in der Förderschule und entschuldigte sich für fünf Minuten Verspätung: "Eine Telefonkonferenz hatte mich noch aufgehalten!"

    In der Schule traf er unter anderem auf die Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse sowie auf den Vorsitzenden der Bürgerstiftung Schaumburg, Christian Meyer, und seinen Beisitzer Peter Bekricht. Die waren ebenso fasziniert von der Arbeit des Förderschullehrers Heinz Hering und seiner Klasse wie Möllring. Sie konnten miterleben, wie offen und ehrlich die Schülerinnen und Schüler von ihrer Unwissenheit über Politik und eigentlich auch von ihrer Uninteressiertheit berichteten, weil Politik so undurchschaubar ist, wenig spannend für junge Menschen und irgendwie nicht zu greifen.

    Und so waren die Fragen, die an den Minister gerichtet waren, auch von klarer Einfachheit geprägt: "Was ist eigentlich ein Politiker?" Und ebenso klar und jugendorientiert antwortete der aus Hildesheim stammende Finanzminister, der als CDU-Politiker über den Stadtrat in das Landesparlament kam und schon als 14-jähriger klare Ziele hatte: "Ich wollte Bundeskanzler werden!"

    Ob Politiker immer nur sitzen, reden und dann wieder wegfahren, ohne dass etwas passiert, wollten die Schüler wissen. Da musste der Minister doch erst einmal kurz schlucken: "Ganz viel reden gehört zwar auch zu einem Politiker, aber einfach wegfahren sollte man nicht, sondern auch handeln!" Und zwar konsequent, wie Möllring betonte, denn: "An mir schätzt man beispielsweise meine Berechenbarkeit; nicht immer stimmen alle meiner Meinung zu, aber man kann sich wenigstens auf eine Linie verlassen!" Politiker, so der Minister, sei

    übrigens ein Beruf, für den man eine abgeschlossene Lehre benötige: "Das kann man an unserem ehemaligen Außenminister Joschka Fischer erkennen, der meines Wissens keine abgeschlossene Berufsausbildung hatte!"

    Der Arbeitsalltag eines Politikers schreckte dann jedoch viele der Schülerinnen und Schüler ein Stück weit ab: "Eigentlich sind wir sieben Tage die Woche im Dienst und manchmal von 9 Uhr morgens bis 23 Uhr abends!"

    Warum Politik auch für Jugendliche wichtig sei? Was für Grundsätze der Minister selbst politisch pflegt und warum so viele Menschen auf Politiker schimpfen wollten die Jugendlichen noch wissen. Unter dem Titel "Politik - Ja bitte!" hatten sie noch einen "Zwitter" aus Pappmaché hergestellt, der eine Politikerin und einen Politiker stilisieren sollte.

    Am Ende gab es dann noch eine Theatervorstellung für den Niedersächsischen Finanzminister, in dem die Akteure auch vor jüngeren Schülerinnen und Schülern die Wichtigkeit der Politik für das ganze Leben herausstellten; von der Lokalpolitik mit der Frage nach einem Jugendzentrum, nach Sportstätten oder Schulen bis hin zur großen Weltpolitik mit zentralen Fragen nach Krieg oder Frieden, Umweltverschmutzung und Klimawandel bis zur sozialen Gerechtigkeit und Solidarität der Völker untereinander.

    Heinz Hering wird in diesem Jahr in den verdienten Ruhestand gehen und "seine" zehnten Klassen werden dann von Schulleiter Kurt Felz betreut. Mit Hering geht ein Motor der Förderschule, der bei seinen Schützlingen eine respektierte Anerkennung genoss und der sie von Erfolg zu Erfolg in verschiedenen Wettbewerben führte und damit ihr Selbstvertrauen stärkte und die Erkenntnis der eigenen Stärken weckte. Foto: ste

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