1. Großes Interesse an neuem Vorentwurf

    Wählergemeinschaft stellt Kurpark-Pläne der Öffentlichkeit vor / Zahlreiche Zuschauer

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    BAD NENNDORF (pd). Die Präsentation des seit kurzem vorliegenden überarbeiteten Vorentwurfs für die Umgestaltung des Kurparks ist auf großes Interesse gestoßen. Im Sitzungssaal des Parkhotels "Deutsches Haus" waren alle Plätze besetzt. Der Vorsitzende der Wählergemeinschaft Nenndorf (WGN) konnte eine große Schar von aufmerksamen Zuschauern begrüßen. Vorsitzender Frank Steen machte gleich zu Beginn der öffentlichen Fraktionssitzung deutlich, unter welchem Zeitdruck die Entscheidungsträger in der Stadt Bad Nenndorf stehen würden: Bis zum 15. Februar müsste die Stadt einen Antrag auf Fördermittel für die Umsetzung der "Großen Lösung" stellen. Wird diese Frist nicht eingehalten könnte es sein, dass die Kurstadt auf lange Sicht keine Aussicht auf Zuschüsse mehr hat.

    Im großen und ganzen scheinen sich die Parteien einig zu sein: Eine Umgestaltung des Kurparks soll erfolgen. Nur über das "Wie" gibt es allem Anschein nach noch unterschiedliche Auffassungen. Nach der Präsentation der Pläne des Büros Deeken in Bremen im September vergangenen Jahres in großer Runde in der Wandelhalle hat es noch ein Konsensgespräch mit der Denkmalschutzbehörde, der Kur- und Tourismusgesellschaft (KurT) und den politischen Vertretern gegeben. Der von Juni bis Dezember 2009 entwickelte Vorentwurf beinhaltete sieben Varianten, von denen zwei mit grundsätzlich unterschiedlichen Ansätzen bis zum heutigen Tag intensiv diskutiert werden. Es gehe in der Hauptsache darum, ob man die Esplanade in der heutigen Form erhalten wolle oder eine Neugestaltung in Anlehnung an das historische Vorbild anstrebe. Das machte Steen gleich zu Beginn der Diskussionsrunde im "Parkhotel" deutlich. In einem Gespräch mit der Denkmalsschutzbehörde und dem Kreisbauamt sei noch einmal darüber gesprochen worden, "was geht und was nicht gemacht werden darf", um die Zustimmung der übergeordneten Behörden und die Fördergelder zu bekommen.

    Als Einführung in das Thema gab Henning Dormann einen Überblick über die Historie des Kurparks. Die Diskussionen über die Umgestaltung bezeichnete der Experte als "Leiden ohne Ende". Bei der Entscheidung über das weitere Vorgehen sollte man nach seiner Einschätzung versuchen, "das beste für den Ort herauszuholen". Beim Kurpark handele es sich um ein Gartendenkmal besonderer Güte. Steen ergänzte, das Charakteristikum der gesamten Parkanlage müsse bewahrt werden und gleichzeitig heutigen Ansprüchen genügen. Der Park müsse wieder "erlebbar" gemacht werden.

    Im weiteren Verlauf des Abends gaben Dormann, Dr. Bernd Zimmermann und Steen ausführliche Informationen zu Eckpunkten des aktuellen Vorentwurfs, der heute Abend in einer nicht öffentlichen Sitzung des Verwaltungssausschusses auf der Tagesordnung steht. Einzelne Details wie die Fragen, ob es einen Spielbereich geben soll oder ob das "Hamburger Dach" vor der Musikmuschel den Anforderungen an den Denkmalsschutz genügt, wurden mit den Zuhörern ausführlich diskutiert. Auch die Fragen nach der Aufteilung und Art der Bepflanzung und die Ausgestaltung der Wege im Kurpark interessierten die Anwesenden. Ganz aufmerksam wurden alle, als die Frage nach den zu erwartenden Kosten aufkam. Laut einer Mail aus der Verwaltung, die ihn erst kurz vor der öffentlichen Fraktionssitzung erreicht habe, würden sich die Kosten für die Umgestaltung auf 3,7 Millionen Euro belaufen. Würden die Zuschüsse so fließen wie erwartet, bliebe die Stadt am Ende auf 1,7 Millionen Euro sitzen. Würde man davon die 700 000 Euro abziehen, die die KurT am Ende ohnehin für dringend notwendige Sanierungsarbeiten ansetzt, blieben unterm Strich eigentlich "nur" noch eine Million Euro an Restkosten, rechnete ein Zuhörer vor. Man solle sich die Frage stellen, wann es das nächste Mal der Fall sein werde, dass die Stadt für einen Euro aus eigener Tasche rund 66 Cent an Fördergeldern erhalte, erklärte ein anderer Zuhörer.

    Heike Beiersdorfer von der WGN-Fraktion im Rat erinnerte nochmals daran, dass sich die Stadt mit der Teilkommunalisierung ganz klar auch für den Weg hin zum Tourismusstandort entschieden habe. "Das beinhaltet erhebliche Investitionen. Die KurT kostet uns richtig Geld, dass muss auch irgendwie generiert werden". Ratsherr Erwin Biener brachte wie auch Beiersdorfer die Prädikatisierung des Kurstandortes ins Gespräch. Es könne der Tag kommen, da wäre dieser Status futsch und das käme die Stadt unterm Strich sehr teuer zu stehen. "Dann ist Bad Nenndorf nur noch die Hälfte wert", meinte Biener. Der 15. Februar sei so etwas wie die "Dead Line", argumentierte WGN-Mitglied Michael Graeber. Die Mehrheitsverhältnisse im Verwaltungsausschuss könnten zu einer Ablehnung des Vorentwurfs führen, orakelte er. Das Ergebnis einer Abstimmung über die Pläne sei "je von der Tagesform der anderen Ausschussmitglieder abhängig", fügte Steen hinzu. Heftig kritisierten die Zuhörer die Tatsache, dass die entscheidenden Gespräche und Abstimmungen quasi hinter verschlossenen Türen passieren würden. "Wo können wir uns denn noch einmischen", fragte eine Bürgerin, die selber intensiv an den "Runden Tischen" für die anstehende Stadtsanierung teilgenommen hat und sich jetzt von den Informationen zu diesem wichtigen Thema ausgeschlossen fühlt. Am Ende entschloss sich die Mehrheit dazu, die heute um 18.30 Uhr im Hotel Hannover stattfindende öffentliche Bausschusssitzung der Stadt dafür zu nutzen, ihrem Unmut über diese Vorgehensweise gehörig Ausdruck zu verleihen.

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