1. "Eine gruselige Aufteilung"

    Erste Eckpunkte für Bebauung des "Filetstücks" an der Bahnhofstraße / Kritik im Bauausschuss

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    BAD NENNDORF (pd). Keinen leichten Stand hatte Planer Matthias Reinhold vom gleichnamigen Büro in Rinteln, als er im Verlauf der jüngsten Sitzung des Bauausschusses der Stadt Bad Nenndorf den Bebauungsplan Nr. 82 "Westlich Kurpark" präsentierte. Zwar freute sich die Mehrheit der Ausschussmitglieder über den lange erhofften Start für die Bebauung, doch der Plan selbst erntete Kritik. Von "0-8-15"-Planung bis "Das habe ich mir anders vorgestellt" reichten die Einwände. Dennoch wurde mit großer Mehrheit die Empfehlung beschlossen, in die frühzeitige Bürgerbeteiligung einzusteigen.

    Das Areal, von vielen Nenndorfer Bürgern auch als das "Filetstück" der Innenstadt angesehen, gehört der Volksbank in Schaumburg. Schon lange ist geplant, dort eine Bebauung vorzunehmen. Vor fünf Jahren musste der Tennisverein Blau-Weiß das Feld räumen. Seitdem befindet sich das Grundstück in einer Art "Dornröschenschlaf". Die vorgestellten Pläne sehen eine kompakte Bebauung vor. In der Vorlage ist zu lesen, dass die Volksbank als Investor beabsichtigt, "an der an der Bahnhofstraße zugewandten Seite eine seniorengerechte Wohnanlage mit der Möglichkeit zum barrierefreien selbständigen betreuten Wohnen zu errichten. Auf der rückwärtigen Seite (hin zur Lindenallee) ist eine Wohnbebauung in Anlehnung an die dort angrenzenden Wohnnutzungen geplant. Hier wird eine offene, ein- bis zweigeschossige Bauweise mit Einzel- und Doppelhäusern vorgesehen".

    Wie der Planer ausführlich erläuterte, würde sich auf dem Grundstück eine "spannende Situation" bieten. Bei den Planungen müsse ein starkes Gefälle mit einigen Höhensprüngen einkalkuliert werden. Hin zur Bahnhofstraße sehen seine Pläne eine maximale dreigeschossige Wohnbebauung vor. Zur Lehnhast hin in Richtung Lindenallee sei "hochwertiges Bauen mitten im Zentrum" möglich. Die Anfahrt des Geländes solle nicht über die Bahnhofstraße erfolgen. Matthias Reinhold verwies in seinem Plan auch auf Flächen, auf denen Carports errichtet werden könnten. Vorstellen kann er sich auch "begrünte Dächer" oder Fotovoltaik-Anlagen auf den Dächern.

    Anwohner der Lindenallee wollten wissen, wie dicht die neuen Häuser an ihre Grundstücke angrenzen werden. Der Planer konnte ihre Sorgen über eine zu dichte Nachbarschaft zerstreuen und verwies auch darauf, dass die neuen Häuser "nicht wesentlich höher als die Gebäude in der direkten Nachbarschaft" werden sollen. Die Frage nach dem Erhalt des Baumbestandes beantwortete Reinhold mit der Absichtserklärung, man wolle nach Möglichkeit alle großen Bäume erhalten.

    Frank Steen von der Wählergemeinschaft Nenndorf (WGN) erklärte, mit den vorliegenden Unterlagen "könne man nicht in die frühzeitige Bürgerbeteiligung gehen". Er unterstrich, dass die Planungshoheit über die Fläche immer noch bei der Stadt liegen würde. "Man muss hier etwas Gutes für das Stadtbild machen", forderte er. Ziel alle Pläne müsse sein, "der Straße ein Gesicht zu geben". Er stellte die Frage in den Raum: "Wie viel Bebauung brauchen wir überhaupt?"

    Volker Busse freute sich, dass es jetzt endlich mit den Planungen voran gehe. Mit den Vorschlägen des Planers konnte er sich aber auch nicht anfreunden. Die "kleinen Häuschen" auf der Planskizze kommentierte der SPD-Sprecher mit der Bemerkung "Das geht ja gar nicht!" Optimal wäre es, wenn sich auf dem Grundstück eine Klinik niederlassen würde. Der Bereich hin zur Bahnhofstraße sei nicht so, wie er sich das vorstellen würde. "Das ist nicht das, was da hingehört". Auch Beisitzer Dr. Bernd Zimmermann (WGN) sprach von einer "gruseligen Aufteilung" und wünschte sich mehr "kreative Gedanken mit neuen Nutzungsformen, eben weg von 0-8-15-Plänen".

    Planer Reinhold hob hervor, dass der Bebauungsplan nur den Rahmen aufzeige: "Der Städtebau steht und fällt mit der Architektur". Nach seiner Einschätzung sei auf dem Areal eine Quartierbildung möglich. "Der Bereich bildet sich aus sich selbst heraus", konterte der Fachmann auf die Kritik.

    Er unterstrich die hohe Qualität des Standortes und sieht seinen Plan als "ersten Einstieg in die Planungsphase". Die soll in diesem Jahr abgeschlossen werden. 2011, so der weitere Zeitplan, sollen die ersten Häuser errichtet werden. Foto:privat

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