1. Ohne Leitwolf trudeln die Roten in die Abwärtsspirale

    Fans wenden sich nach beschämender Heimleistung gegen Schlusslicht ab

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    HANNOVER (ro). Der Fahrstuhl ist offen – ein Bein steht schon drin. Es geht abwärts mit Hannover 96. Nach der 0:3-Heimniederlage gegen den Tabellenletzten Hertha BSC Berlin rutschte 96 auf den Relegationsplatz. Gefühlt ist der Absturz weitaus schlimmer. Den Roten fehlte gänzlich der Teamgeist. Dieses Dilemma verschreckte die Fans. Bereits in der 80. Minute kehrten Tausende der Mannschaft grummelnd den Rücken. Diese Höchststrafe schon vor dem Abpfiff wirkte nachhaltig. Und dabei waren offiziell sowieso nur 28 712 Zuschauer in die AWD gekommen. Darunter fast 4000 Fans aus Berlin und mit Sicherheit viele fehlende Dauerkarteninhaber. Kapitän Arnold Bruggink legte den Finger dann auch sofort ganz tief in die Wunde: "Peinlich – der Biss hat gefehlt ein Tor zu schießen oder richtig in die Zweikämpfe zu gehen. Es fehlt der Zusammenhalt im Team." Keeper Florian Fromlowitz legte nach: "Wir haben keine Leidenschaft gezeigt. Jeder muss jetzt seinen Job machen – zeigen, dass wir eine Mannschaft sind."

    So schnell scheint eine dreiwöchige Vorbereitungsphase zu verpuffen. Da greift zu schnell das einfache Instrument der Trainerschuldigkeit. Bei den Roten scheint das Übel aber tiefer zu liegen. Herzloser hat in der Vergangenheit keine 96-Mannschaft gespielt. Bruggink fasste treffend zusammen: "Wir müssen uns schämen."

    Die Ursachenforschung ist eigentlich einfach. Den Roten fehlen die Leitwölfe. Da gibt keiner die Richtung vor. Insbesondere im Mittelfeld reißt keiner das Spiel an sich. Aus allgemeiner Verunsicherung resultiert dann die Ballunsicherheit. Jiri Stajner und Didier Ya Konan zeigten wenigstens kämpferischen Elan. Eine gute Kombination beider hätte zum 1:0 führen können. In letzter Sekunde vereitelte Hertha-Innenverteiger Steve van Bergen diese Chance. Zu allen Überfluss verletzte sich in dieser Situation (23. Minute) auch noch der torgefährlichste 96-Stürmer. Bänderriss – Ya Konan fällt acht Wochen aus.

    Weder der eingewechselte Jan Schlaudraff , geschweige der später eingewechselte Mike Hanke dürften diese Quirligkeit ersetzen können. 60 Minuten lang erarbeitete sich Hannover 96 nicht eine zwingende Torchance.

    Hertha handelte auf dem Platz der Drucksituation entsprechend. Da präsentierte sich trotz der vielen Neuzugänge und in fast auswegloser Tabellenposition eine Mannschaft mit Willen und Charakter. Über Ballsicherheit fanden sie den Weg zu Torchancen. Zwar profitierten die Gäste dabei stets von 96-Fehlern, zeigten aber auch die nötige Kaltschnäuzigkeit. In Überzahl während der Behandlung von Ya Konan fiel das 0:1. Nach einer Ecke kam Hertha-Verteidiger Lukasz Piszczek nach einem Abwehrversuch an den Ball und drosch das Leder volley in die Maschen. Aus einem missratenen Fromlowitz-Befreiungsschlag resultierte das 0:2 (33.) durch Raffael. Das Hertha mit Theofanis Gekas sich einen Torjäger ausgeliehen hat, zeigte sich in der 80. Minute. Plötzlich im Strafraum am Ball, verwandelte er eiskalt zum 0:3. Da war es nur noch eine Randnotiz, das Fromlowitz einen Foulelfmeter von Cicero parierte. Der junge Keeper stellte dann auch kurz nach dem Abpfiff, die für die kommenden Wochen entscheidende Frage: "Bei uns müssen sich alle fragen, ob sie den Beruf richtig ausfüllen. Jeder muss sich hinterfragen, ob solch eine Leistung reicht für die 1. Liga."

    Foto: bb

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