STADTHAGEN (bb). Der neue schaumburg-lippische Landesbischof Karl-Hinrich Manzke sprach auf dem SPD-Neujahrsempfang zum Thema: "Wie viel Ethik verträgt die Wirtschaft". Manzke betonte, dass die Wirtschaftsordnung in der Bundesrepublik in eine Schieflage geraten sei, das Prinzip Eigennutz zuungunsten des Allgemeinwohls einen zu großen Stellenwert gewonnen habe. Manzke führte aus, dass in allen westlichen Verfassungen die Idee eines Ausgleichs zwischen der Befriedigung der Profitgier des Einzelnen und des Gemeinwohls formuliert worden sei. Ohne diesen Ausgleich sei der soziale Friede in der Gesellschaft gefährdet. Betrachte man die Verhältnisse in Deutschland heute, könne man nicht von einem gelungenen Ausgleich zwischen beiden Prinzipien sprechen. "Ich denke in den vergangenen Jahren hat sich die Waage klar zugunsten des Eigennutzes gesenkt", so Manzke. Die Aufblähung des Niedriglohnsektors nach den Reformen in der Zeit der Rot-Grünen Regierung habe zu Erscheinungen wie im "wüstesten Frühkapitalismus" geführt. Stundenlöhne etwa von 3,50 Euro für Zimmermädchen in den Orten in seiner ostfriesischen Heimat seien nicht hinnehmbar. Ebenso bedenklich sei die Ungleichbehandlung von Leiharbeitern und Festangestellten oder die Ausschüttung von großzügigen Boni an Manager von Unternehmen, die vom Staat mit Milliarden unterstützt werden. Es gelte zu berücksichtigen, dass Eltern mit ihren Kindern einen wichtigen Beitrag für die Zukunftssicherung des sozialen Systems leisten, dies müsse auch honoriert werden. Außerdem müsse man den hohen Schuldenzustand zurückschrauben, gegenwärtig leben man auf Kosten der nachfolgenden Generationen. Foto: bb
Landesbischof Karl-Hinrich Manzke kritisiert, dass in der heutigen Wirtschaftsordnung dem Eigennutz ein zu großer Stellenwert eingeräumt werde.