RINTELN (ste). Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz hatte beim Neujahrsempfang der Stadt Rinteln erstmals neben den Vorschlägen aus den Ortsräten auch alle 648 volljährigen "Neubürger/innen" eingeladen. Die Motivation, Rinteln als neuen Lebensraum zu wählen, sei vielfältig: "Und wer erst einmal vom Rinteln-Virus befallen ist, kommt so schnell nicht wieder davon los", so Buchholz, der allen Anwesenden den Rat gab: "Haben Sie einen Verbesserungsvorschlag, rufen sie mich im Rathaus an!"
Hilfe für Eltern mit Kindern
Rinteln braucht eine IGS
Herausforderung Klimaschutz
850.000 Euro Förderprogramm
Einkaufszentrum Nordstadt
Kochstudio im
Gessnerschen Haus
Unternehmerischer Mut
Sicherung von Arbeitsplätzen
Innerer Zusammenhalt
der Ortsteile
"Wir Rintelner werden immer weniger!" stellt Buchholz fest. Der demographische Wandel macht auch vor Rinteln nicht Halt und umso wichtiger sei es, gerade den jungen Menschen die Entscheidung für ein Leben mit Kindern zu erleichtern. "Aus diesem Grund haben wir auch im vergangenen Jahr den Schwerpunkt unserer städtischen Aktivitäten bei der Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gesetzt." Alle Rintelner Grundschulen sind (bald) Ganztagsschulen. In Deckbergen ist die Mensa bereits fertig und in der Nordstadt und in Exten stehen die Mittel für den Umbau bereit.
Von den 960.000 Euro werden 400.000 Euro aus dem kränkelnden Stadthaushalt gestemmt. Jetzt, so Buchholz, müssten sich die jungen potentiellen Eltern nur noch für Kinder entscheiden: "Da muss sich die Stadt allerdings heraushalten!"
Wer über Planungsperspektiven im Schulbereich rede, komme an einer IGS in Rinteln nicht vorbei. "Wir brauchen Sie nicht nur, weil wir die größte Stadt im Landkreis Schaumburg sind, sondern vor allen Dingen, weil die Rintelner Eltern diese Schulform wollen", so Buchholz. Ob es allerdings eine Genehmigung aus Hannover für eine Rintelner IGS geben werde, sei dagegen nicht sicher. Die Standortfrage stand für Buchholz außer Frage: "Direkt neben dem Rathaus auf dem Gelände der jetzigen Realschule!" Rintelner Kinder gehörten nicht in eine IGS nach Obernkirchen.
Den Herausforderungen des Klimaschutzes stellt sich die Stadt Rinteln unter anderem mit der energetischen Sanierung von Grundschulen. 2009 und 2010 werden hier rund 715.000 Euro investiert.
Davon profitieren das örtliche Handwerk, der Klimaschutz und die Stadt, die Energiekosten einspart.
Das Förderungsprogramm "Städtebau West" lässt in den nächsten sechs Jahren rund 850.000 Euro in die Rintelner Altstadt fließen. Bund, Stadt Rinteln und private Hauseigentümer finanzieren hier Investitionen in die historische Altbausubstanz, die es an vielen Stellen schon wieder nötig hat. Die öffentlichen Investitionen lösen erfahrungsgemäß das Fünffache an privaten Investitionen aus, so dass die Stadt mit 5,1 Millionen Euro rechnet, die dem örtlichen Handwerk zufließen.
Investitionen in die Ortsteile
In Krankenhagen gibt es ein neues Minispielfeld an der Grundschule, in Hohenrode ist die Dorferneuerung vorangeschritten, in Deckbergen wurde die Brunnenstraße ausgebaut.
Die größte Tiefbaumaßnahme der nächsten beiden Jahre wird in der Rintelner Nordstadt mit dem Ausbau der Alten Todenmanner Straße umgesetzt, die schlichtweg kaputt ist.
Auch die größte private Investition des letzten Jahres erfolgte in der Nordstadt. Das neue Einkaufszentrum an der Bahnhofstraße sowie der dazugehörige Kreisel sind ein städtebaulicher Gewinn. Volksbank und Aldi sind schon am Start und haben ihr Angebot für die Kunden in der Nordstadt erheblich aufgewertet. Die restlichen Anbieter werden wohl im Frühjahr eröffnen und die Nahversorgung für die Rintelner auf modernem Niveau sicherstellen. Der Steuerzahler kann sich freuen: Das gesamte Projekt einschließlich Kreisel ist durch den Investor finanziert worden.
Eine weitere Eröffnungsfeier wird es bald auch direkt neben dem Rathaus geben. Das neue Seniorenheim an der Seetorstraße wird gerade eingerichtet.
Ein großer Dank der Stadt geht an Familie Hartinger, die sich des Gessnerschen Hauses angenommen haben und dort angrenzend mit einem Appartementgebäude die historisch vorgezeichnete Schließung des Kirchplatzes vollzogen haben. Im Gessnerschen Haus wird ein Kochstudio eröffnet.
Unternehmerischen Mut zeigte im letzten Jahr auch die Volksbank in Schaumburg, die das mehr als 100.000 Quadratmeter große Braas-Gelände erworben hat. Die Vermarktung dieser großen Fläche ist eine echte Herausforderung, der sich Stadt und Volksbank gemeinsam stellen. Derzeit werden die Entwicklungspotentiale der Fläche sowie die Möglichkeiten der verkehrlichen Erschließung professionell untersucht. Den ersten Spatenstich wird die Volksbank wohl selbst vornehmen, wenn der von ihr geplante Grüne Markt mit einem neu gestalteten Landhandel an der Braasstraße in die Bauphase geht.
Während die Sicherung von Arbeitsplätzen im Krisenjahr 2009 für 79 Beschäftigten im Deckberger Betonfertigteilwerk der Firma Klebl geklappt hat, gab es nicht für alle Arbeitnehmer ein happy end.
Es gab Einbrüche in der gewerblichen Wirtschaft, die auch die Einnahmen der Stadt Rinteln heftig beeinflusst haben. Statt 10,2 Millionen Euro im Jahr 2008 gab es nur noch knapp 4,8 Millionen Euro an Gewerbesteuern. Nur durch Einsparungen könnten diese Ausfälle nicht ausgeglichen werden, so Buchholz. "Bei den notwendigen Einsparungen müssen wir bei unserer kostenträchtigen Infrastruktur ansetzen, die ihren Grund in der Tatsache hat, dass wir eine großflächige Stadt mit 18 Ortsteilen sind", so der Bürgermeister. Über die Übernahme von Dorfgemeinschaftshäusern und Sportstätten durch Vereine, die Zukunft der Grundschulen und Ortsfeuerwehren, die Verkleinerung von Stadtrat und Ortsräten, aber auch die Einführung von Hallenbenutzungsgebühren für Erwachsene müsse man sich unterhalten.
Im Fernsehen präsent
In der Außendarstellung der Stadt ist Rinteln im letzten Jahr gleich dreimal im Fernsehen präsent gewesen. Die NDR Sommertour führte durch die Stadt zum Kloster Möllenbeck, wo am Abend ein toller mittelalterlicher Markt aufgebaut war. Und weil es so schön war, radelte Nina Mahler vom NDR durch Rinteln, um dann das Hofcafe am Kloster Möllenbeck in der NDR Sendung "Schöne Landgasthöfe" zu präsentieren. Ein bisschen kälter war es dann schon im Dezember, als das ZDF Patrick Lindner auf dem Weihnachtsmarkt filmte.
Während Fernsehberichte gut für die Außendarstellung sind, war die Aktion "Aller guten Dinge sind 18" gut für den inneren Zusammenhalt der Stadt und seiner 18 Ortsteile. Die vielen unterschiedlichen Facetten der Stadt, vom "Kirschendorf" über das "Klosterdorf" bis zu den "Bergdörfern" wurde dargestellt. Von besonderer Bedeutung für den Zusammenhalt der Kirchengemeinden war das Tauffest am Weserufer, bei dem rund 800 Familienangehörige und Gäste die Taufe von 47 Kindern erleben durften.
Zum Abschluss dankte Buchholz Martin Borowski und seinen Musikern vom Jugendblasorchester der Stadt Rinteln und dem VTR-Nachwuchs, der am Ende noch einmal so richtig aufdrehte.
Foto: ste