RINTELN (km). Das Museum Eulenburg bittet um Unterstützung für ein breit angelegtes Forschungs-, Ausstellungs- und Publikationsvorhaben über die letzten Kriegstage im März/April 1945 in Schaumburg. Geplant ist ein Kooperationsprojekt mit der Leibniz-Universität Hannover, dem Staatsarchiv Bückeburg sowie Heimat- und Geschichtsvereinen und interessierten Privatpersonen. Am Beispiel der früheren Landkreise Grafschaft Schaumburg (Rinteln), Bückeburg und Stadthagen sollen die letzten Kriegstage dokumentiert und für eine Ausstellung im Mai aufbereitet werden. Die Organisation obliegt Professor Dr. Karl Heinz Schneider (Hannover) und Dr. Stefan Meyer (Museum Rinteln) in einem gemeinsamen Praxisseminar mit zehn Studenten des historischen Seminars der Leibniz-Universität. -
Das Gebiet des Schaumburger Landes zwischen Minden und dem Deister war im April 1945 Schauplatz heftiger Kämpfe. Am Wesergebirgskamm kam es zur Bildung eines Kessels, der noch verteidigt wurde, als die amerikanischen Truppen bereits Hannover besetzt hatten und Richtung Braunschweig vorrückten.
Die einschneidenden Ereignisse dieser Zeit sind vielen Schaumburgern auch nach Jahrzehnten noch durch Erleben oder Erzählen der Eltern oder Großeltern in Erinnerung:
Die deutsche Propaganda, amerikanische Flugblätter, der Durchmarsch von Kriegsgefangenen und Wehrmachttruppen, die Plünderung der Marineverpflegungsdepots in Bückeburg und Rinteln, der Beschuss durch Tiefflieger, die Verfolgung von sogenannten "Wehrkraftzersetzern", die Selbstmorde von Parteifunktionären, Evakuierungen, Brückensprengungen und Schanzenbauten, die Kampfhandlungen selbst, die befreiten Kriegsgefangenen ("DPs") und die ersten Maßnahmen der Besatzungsmacht. Im Rahmen des Projektes besteht die Möglichkeit, bisher nicht gehörte Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen. Auch Erzählungen "aus zweiter Hand" durch Kinder und Angehörige können von Bedeutung sein. Darüber hinaus werden schriftliche und gegenständliche Zeugnisse der individuellen Erinnerung gesucht: Tagebuchaufzeichnungen, Dokumente, Fotos, Gegenstände (zum Beisepiel umgearbeitete Uniformteile, Granatsplitter, Proviantkisten, benutzte Handwagen oder Erinnerungsstücke an Besatzungssoldaten).
Museumsleiter Dr. Stefan Meyer bittet um Unterstützung für das Vorhaben: Wer kann sich erinnern oder kann Personen nennen, deren Aussagen noch nicht dokumentiert wurden? Wer schriftliche Aufzeichnungen besitzt, in denen die Ereignisse von 1945 thematisiert werden, kann sich unter der Telefonnummer 05751/41197
oder via Email (museum.eulenburg@t-online.de) melden. Foto: privat