STADTHAGEN (mr). Auf Einladung der Schaumburger Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft hat sich Wolfgang J. Stützer, Experte für transatlantische Beziehungen, mit der Frage beschäftigt: "Ein Jahr Präsident Barack Obama – Erwartungen erfüllt?".
"Er sei das neue Amerika", diesen Eindruck habe Barack Obama im Wahlkampf erweckt – und damit enorme Erwartungen an ihn und seine Politik geschürt, erklärte Stützer. Folglich sei der Erwartungsdruck, der auf ihm laste, teilweise von ihm selbst verursacht. Sicherlich müsse ein Präsidentschaftskandidat im Wahlkampf Erwartungen wecken, doch Barack Obama hätte dabei "vergessen", auch über Grenzen zu sprechen. Auf diese steuere er nun bei außen- wie innenpolitischen Themen deutlich zu. Die Enttäuschung in der amerikanischen Gesellschaft falle nun umso größer aus, weil seine Suggestion "Mit mir wird alles anders" nicht eingetreten sei. Teilweise hätten aber natürlich auch die Gesellschaft und politischen Partner nur das gehört, was sie haben hören wollen, stellte Stützer weiter fest.
Nun träten also gehegte Hoffnungen nicht ein – schnell büße der Präsident an Sympathien ein. Eine Tendenz, die sich auch auf die wichtigen Zwischenwahlen zum Kongress im Herbst 2010 auswirken könnte, wenn Barack Obama in außen – und vor allem innenpolitischen Bereichen wie die Gesundheitsreform nicht schnellstens Maßstäbe setze und Erfolge erziele, so Stützer weiter.
Die Demokratie in den USA funktioniere anders als in Deutschland, erklärte Stützer. Momentan bewege Obama sich in einigen politischen Bereichen auf Grenzen zu, die seine Position schwächen könnten. In diesem Moment würden auch die Rivalitäten in den eigenen Reihen beginnen, sagte Stützer voraus. Der Kongress sei ein sehr "eigenwilliges" und mächtiges Gremium in den USA. Der Wahlkampf sei demnach noch nicht vorbei. Um einen starken Präsidenten zu behalten sei es auch seitens Europa wichtig, ihren Beitrag dazu zu leisten, den angestrebten Erfolg gemeinsam zu erreichen.
Stützer betonte, dass der Präsident Barack Obama auf Grund seiner außergewöhnlichen charismatischen Erscheinung und Persönlichkeit derartig in der Welt gepunktet hatte. Seine Intelligenz, hohe rhetorische Ausdrucksweise und Dynamik bleiben ihm. Gelingen ihm dann kurzfristig weitere Erfolge in der Umsetzung seiner im Wahlkampf gesetzten Ziele, schafft er es vielleicht, die in ihm gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Foto: mr