1. Eltern verlieren intuitive Kompetenz im Umgang mit ihren Kleinkindern

    Krisenintervention und Bindungsförderung: Iris Schöning referiert am runden Tisch

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    RINTELN (km). Die "Emotionelle Erste Hilfe" (EEH) ist ein körperorientierter Ansatz, der in der Krisenintervention und der Bindungsförderung von Eltern Babys und Kleinkindern eingesetzt wird. Beim "Runden Tisch Frühe Hilfen" erläuterte jetzt Iris Schöning vom Bremer Zentrum für Primäre Prävention und Körperpsychotherapie (ZePP), welche Überlegungen dem Konzept zugrunde liegen und auf welche Weise mit den Eltern und Babys gearbeitet wird.

    Die Referentin berichtete, dass immer mehr Eltern die intuitive Kompetenz zum Umgang mit ihrem Baby verloren gehe. Wenn dann noch traumatische Erlebnisse während der Schwangerschaft, der Geburt oder in den ersten Lebensmonaten auf Eltern oder das Baby zukämen, dann könne dies emotionale Krisen auslösen.

    "Viele Eltern, die sich an uns wenden, haben schon eine Odyssee hinter sich, die sie zu zahlreichen Beratungsstellen oder Ärzten geführt hat," so die Referentin. Stress und Ohnmachtsgefühle, ausgelöst durch das Schreien des Babys, führten bei den Eltern zu Anspannung und emotionaler Distanz zum eigenen Kind. Das löse nicht selten einen Teufelskreis aus. Dazu Iris Schöning: "Bei angespannten und distanzierten Eltern kann das Kind keine Geborgenheit empfinden". Das Baby drücke seine Ängste und sein Unwohlsein wegen nicht erfüllter Bedürfnisse aus, indem es noch mehr schreie und sich körperlich verspanne. "Körperverspannung aber verhindert Bindungsbereitschaft," so die Expertin. Die körperorientierte Arbeit in der EEH versuche, die Eltern für die Emotionen des Kindes zu öffnen und zu sensibilisieren. In kleinen, behutsamen Schritten würden die Eltern angeleitet, ihren eigenen Körper, zum Beispiel durch bewusstes Atmen, wieder besser zu spüren und ihre eigenen Gefühle neu zu entdecken. Damit sollten Eltern und Kind langsam wieder zu einer gegenseitigen Offenheit und Bindung geführt werden. Um den rund 50 Zuhörern eine Vorstellung zu ermöglichen, wie bei der EEH gearbeitet wird, lud Iris Schöning, von ihrer Ausbildung her selbst Körpertherapeutin, gleich zu Beginn ihres Vortrages zu einer Entspannungsübung ein. Ddabei ging es unter anderem darum, die beruhigende Wirkung der Bauchatmung zu erleben, die in der therapeutischen Arbeit mit den Eltern eine zentrale Rolle einnimmt. Anhand von Beispielen aus ihrer Tätigkeit und mittels zweier Videosequenzen zeigte die Referentin schließlich, wie bei der EEH versucht wird, an die Ursachen von Körperverspannung und der Distanz zwischen Eltern und Kind heran zu kommen, sich gleichzeitig durch Atemübungen, Berührung und Massage dem eigenen Körper wieder anzunähern und im Kind die Selbstberuhigungskräfte zu stärken. In der Fachsprache der EEH wird dieser Vorgang "Aufbau einer emotionalen Selbstverbindung" genannt. Wenn die Mütter und Väter noch über genügend eigene Ressourcen verfügten, dann könne bereits mit wenigen Therapiesitzungen das Bindungsfeld zwischen Eltern und Kind stabilisiert werden. "Liegen allerdings schwere traumatische Erlebnisse vor oder sind die Eltern bereits sehr erschöpft, dann kann der Prozess auch länger andauern", so Iris Schöning. -Da die EEH noch nicht von allen Krankenkassen finanziert wird, müssen Eltern die Behandlung bisher noch überwiegend selbst bezahlen oder sich mit der Bitte um Unterstützung an das örtliche Jugendamt wenden. Im Landkreis Schaumburg und in Hameln gibt es bereits insgesamt sechs Fachkräfte, die die Ausbildung in EEH absolvieren oder bereits abgeschlossen haben. Die Adressen der Fachkräfte sowie weitere Informationen zur EEH sind über das "EMMA-Zentrum" oder den Kinderschutzbund erhältlich.

    Zu dem Vortrag eingeladen hatte der Oranisationskreis des Rintelner "Runden Tisch Frühe Hilfen". Seit dem Jahr 2008 laden die AWO, das "EMMA-Zentrum", die Frühförderung der Lebenshilfe, das Jugendamt Schaumburg und der Kinderschutzbund Rinteln mehrmals im Jahr zum "Runden Tisch Frühe Hilfen" ein. Die Gesprächsrunde richtet sich an alle Rintelner Institutionen und Ärzte, die mit Kindern und Eltern zu tun haben. Die Initiatoren des Runden Tisches haben sich zum Ziel gesetzt, den Austausch aller Beteiligten zu fördern, um Familien mit kleinen Kindern möglichst früh zu unterstützen. Damit soll erreicht werden, dass gerade Kleinkinder ihren Bedürfnissen entsprechend aufwachsen und vor Vernachlässigung und Misshandlung besser geschützt werden können.

    Foto:km

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