RODENBERG (pd). In eindrucksvoller Weise erinnert eine Sonderausstellung im Heimatmuseum an den verheerenden Großbrand vor 150 Jahren: In der Nacht vom 5. auf dem 6. November 1859 ereignete sich in Rodenberg eine Brandkatastrophe, bei der große Teile der Bürgerhäuser, Rathaus und Brauhaus, jüdisches Gemeindehaus, der Amts- und Domänenhof sowie Teile des Schlosses ein Raub der Flammen wurden. Auf Schautafeln werden die Besucher über den Ausbruch und seine fürchterlichen Ausmaße ausführlich informiert.
Die Sonderausstellung ist bis zum Jahresende jeweils sonnabends und sonntags von 15 bis 17 Uhr im Museum zu sehen. Eng war es im Heimatmuseum, als der Vorsitzende des Heimatbundes die Sonderausstellung offiziell eröffnete. Kein Wunder, denn das, was am 5. November 1859 geschah, ist ein besonders prägendes Ereignis für die weitere Entwicklung der Stadt gewesen.
Diejenigen, die die "Rodenberger Chronik" von Adolf Mithoff aufmerksam studiert haben, wissen einiges über den Großbrand. Doch so anschaulich, wie die Ereignisse von damals jetzt im Heimatmuseum dokumentiert werden, gab es das noch nie.
Aufgearbeitet wurde der Brand von einer Arbeitsgruppe, zu der Ingrid Schmidtke, Marlies Berndt-Büschen und Heinrich Karl Wulf gehörten. Sie haben alte Dokumente, Zeichnungen, Zeitungsausschnitte und eben die "Rodenberger Chronik" gesichtet. Hennig Dormann, Vorsitzender der Heimatbundes, und sein Stellvertreter Bernd Zimmermann haben das Material dann für die Ausstellung aufgearbeitet und 13 farbige Plakate im DIN A 3 Format erstellt.
Alles unter der Überschrift "Feuer in der Stadt". "Viele Bürger haben ihr ganzes Hab und Gut verloren", zitierte Dormann zur Ausstellungseröffnung aus der Chronik von Mithoff. Wie kein anderer hat dieser die Ereignisse von 1859 in Worte gefasst. Beim Vorlesen einiger Textpassagen konnten die Besucher der Ausstellungseröffnung die Auswirkungen des Brandes quasi vor den eigenen Augen abspielen lassen.
Die Schilderungen der Nacht vom 5. auf den 6. November beginnen mit der Aussage "Unser Städtchen lag still im tiefsten Frieden da". Dann folgt der Feueralarm, der mit den Schreckensrufen "Jetzt kommt der Brand, der große Brand", einhergeht. Damit ist die Tatsache gemeint, dass der Stadtbrand schon "im Vorsommer des Jahres" von einer "gut gekleideten Handelsfrau, die im Gasthaus Stockholm übernachtet hatte", vorgesagt worden war. Sie soll eine "gewaltige Feuersbrunst" angekündigt haben. Die Frau hatte zugegeben, über hellseherische Fähigkeiten zu verfügen. Drei Brände hatte sie insgesamt für Rodenberg vorhergesagt. Schon kurz danach brannte der Schäferhof, dann folgte ein kleinerer Brand auf einem Dachboden. Vorgewarnt durch dies, richteten die Rodenberger Bürgerwachen ein. Doch auch sie konnten die schlimmen Folgen des Brandes im Herzen der Stadt nicht vorhindern. Denn, weil nichts Größeres passiert war, hatte man die Wachen Ende Oktober wieder abgezogen.
Bei allen "Bildern des Jammerns und der Not", wie Mithoff weiter beschreibt, erscheint es bis heute ein Wunder, das nach Überlieferung bei dem Großbrand kein Mensch zu Schaden gekommen ist. Die Schäden an Gebäuden waren dagegen immens. Anhand eines Modells, das im Heimatmuseum zu sehen ist, bekommt der Betrachter einen Eindruck davon, wie stattlich das Rodenberger Schloss vor dem Brand war.
Passend zur Eröffnung der Schau bekam Dormann ein weiteres wichtiges Dokument überreicht. Jürgen Wulf, Zugführer bei der Rodenberger Feuerwehr, überreichte dem Vorsitzenden eine Urkunde aus dem Jahr 1929, die Friedrich Wellhausen für seine 25-jährige Zugehörigkeit zur Wehr überreicht worden war. Die Rodenberger Freiwillige Feuerwehr ist 1904 gegründet worden. Foto:pd