Das Wiesengrundstück linksseitig der Einfahrt zum Alten Hafen würde nach den Planungen des Architekten den größten Teil des Sportboothafens aufnehmen.
Architekt Werner Degert sieht Möglichkeiten zur Einrichtung eines Sportboothafens am Alten Hafen.
RINTELN (ste). Stellt man den Ratspolitikern die Frage nach dem "Alten Hafen", ist ein großes Schulterzucken die Folge. So richtig schlüssig ist man sich nicht, wie es mit dem Projekt weitergehen soll. Jetzt hat Architekt Werner Degert eine Studie für eine mögliche Nutzungsänderung im Vorabzug herausgegeben und die Fraktionen der im Rat vertretenen Parteien haben sich mit dem Thema beschäftigt. Doch auch sie scheinen sich schwer zu tun, besonders mit dem Finanzierungspart. Und hier sieht auch Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz den größten Pferdefuß. "Die vorgelegten Zahlen von Herrn Degert, die auch Zuschüsse beispielsweise aus dem Leader-Programm vorsehen, scheinen mir nicht realistisch", sagte Buchholz vorsichtig und verweist auf die Zuständigkeit der Politik in der Frage des möglichen Ankaufs des Alten Hafens: "Die Verwaltung wird hier jedenfalls keine Empfehlung für ein solches Projekt geben!"
Die Vision Degerts sieht eine teilweise Aufschüttung des Hafenbeckens in östlicher Richtung an der dortigen Spundwand vor. Der Hafen, der eta 160 Meter lang und mit zwölf Metern relativ schmal ist, ist in seiner jetzigen Form für Sportboote nur äußerst eingeschränkt geeignet.
Probleme bereitet vor allem die fehlende Standsicherheit der östlichen Teile der Spundwand. Die würde durch die Aufschüttung von etwa einem Drittel des derzeitigen Hafenbeckens unter Schotter und Erde verschwinden. Der westliche Teil dagegen sollte nach Ansicht Degerts nicht nur erhalten, sondern durch eine Aufweitung in Richtung Norden vergrößert werden, so dass etwa zehn Liegeplätze für Sportboote entstehen würden. Das Füllmaterial für den aufzufüllenden Bereich des Alten Hafens würde Degert aus der Hafenerweiterungsfläche gewinnen wollen. Damit würde ausreichend Manöverraum für die Boote geschaffen und die problematischen Spundwände müssten nicht saniert werden.
Ein Schwimmsteg würde am Kopfende des erweiterten Hafens für Landverbindung sorgen und weitere Liegeplätze könnten am südlichen Kai geschaffen werden. Versorgungsmöglichkeiten mit Wasser und Strom für die Boote würden die Anlage für Sportbootfahrer attraktiv machen.
Eine Fußgängerbrücke über die Hafeneinfahrt würde den Hafen schnell und komfortabel mit der Innenstadt verbinden.
Degert sieht damit insbesondere das Thema Wasser und Fluss näher in das städtische Leben integriert. Attraktive Uferbepflanzungen und möglicherweise sogar Wasserspiele sollen den Sportboothafen für Spaziergänger interessant machen. Degert stellt sich sogar ein ausgedientes WSA-Schiff am Anleger vor, auf dem man unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten verwirklichen könnte.
Die Nutzung des neuen Hafens sieht Degert positiv. Viele Sportbootfahrer fahren schlichtweg an Rinteln vorbei, weil es keine attraktive Anlege- oder Liegemöglichkeit gibt.
Vorgespräche mit einem Gastronomen, der die Funktion des "Hafenmeisters" übernehmen könnten, sind bereits geführt worden.
Die Herstellungskosten sieht Degert bei rund 300.000 Euro, wobei er eine mögliche Förderung des Projektes durch Leader-Mittel bei mehr als 100.000 Euro sieht. Weitere Finanzierungshilfen könnte die Stadt nach Ansicht Degerts durch die Verkäufe der Grundstücke entlang des Alten Hafens in Richtung Jugendherberge erhalten.
Ein Szenario, was Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz eher bezweifelt: "Eventuelle Mehrerlöse aus dem Verkauf von Grundstücken müssten unter Umständen an das Wasserwirtschaftsamt abgeführt werden." Jetzt müssen sich noch Verwaltungsausschuss und Rat mit dem Thema befassen und zuerst einmal die Frage klären, ob die zum Verkauf freigegebenen Teilflächen des Alten Hafens überhaupt angekauft werden sollen. Foto: ste