1. Mit ganzem Herzen dabei sein

    Interview mit dem scheidenden Landesbischof Jürgen Johannesdotter / Bodenständigkeit bewahrt

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    LANDKREIS (ih). Zwar sind es bis zu seinem letzten Arbeitstag seines Lebens noch einige Tage. Doch für Jürgen Johannesdotter dürfte der heutige Sonnabend zu den Wichtigsten seines Lebens gehören. Heute wird der 65-Jährige aus seinem Amt als Landesbischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe offiziell verabschiedet. SW-Redakteurin Ines Hitzemann hat kurz vor dem großen Tag noch einmal mit Johannesdotter über die aktuelle Pfarrstellenplanung und ein Eis auf der Hand gesprochen. Zuletzt verrät der scheidende Landesbischof sein Geheimrezept, im Schaumburger Land heimisch zu werden.

    Jürgen Johannesdotter: Die ersten vier Wochen habe ich im Schwesternwohnheim gelebt. In dem Haus, in das wir einziehen sollten, lebte noch der Marder. Er musste raus, die Räume wurden renoviert. Zwischendurch bin ich ab und zu mal auf der Baustelle gewesen. In "zivil", also ohne Amtstracht, bin ich dann durch Bückeburg geschlendert. Habe mir ein Eis auf die Hand gekauft. Und während ich so gehe und mein Eis esse, grüßt mich jemand. "Guten Tag Herr Landesbischof". Da war ich selbst zunächst erschreckt, weil ich mein neues Amt noch gar nicht so realisiert hatte. Ein Bischof sah in meinen Augen nicht so aus. Doch in meiner Biographie als Gemeindepastor ist dieses Normale Alltag gewesen. Diese Bodenständigkeit habe ich mir auch im Amt des Landesbischofs bewahrt. Das ist keine Rolle, das bin ich. Bis heute.

    Jürgen Johannesdotter: Dabei geht es um Zweierlei: Auf dem Gesamttableau standen die vorhandenen Pfarrstellen. Diese mussten reduziert werden, damit sie weiterhin bezahlt werden können. Es lohnt sich keine Zukunftsplanung, deren Finanzierung nur von den Rücklagen lebt.

    Jürgen Johannesdotter: Ja. In meiner Zeit als Landessuperintendent in Stade habe ich ein Drittel der Pfarrer auf Teilzeitstellen ordinieren müssen. Das Gute für die Landeskirche Schaumburg-Lippe ist, dass es nur ganze Stellen gibt. Denn die Diskussion um das Pfarrerbild in Stade ist groß gewesen. Selbst wenn der Pastor zu Hause war, war er für die Gemeinde doch nicht ansprechbar.

    Jürgen Johannesdotter: Mit der Absicht zu kommen, nicht nur einen Dienstort sondern auch einen Wohnort in der Landeskirche zu haben. Wenn man seine Sache mit ganzem Herzen macht, hat man eine Chance hier heimisch zu werden. Gleichzeitig gibt es in der Landeskirche Schaumburg-Lippe die Möglichkeit, zwischen Dorfkirche und Weltamt zu arbeiten.

    Zudem ist es wichtig, die Präsenz sicherzustellen. Auch bei großen Einheiten soll das gewährleistet sein. Sollten die Zahlen gegen eine volle Pfarrstelle vor Ort sprechen, könnte das über Ergänzungsdienste in einer größeren Gemeinde laufen. Das Bewohnen des Pfarrhauses ist aber keine heilige Kuh.

    Ein weiterer Vorteil in Schaumburg ist die Überschaubarkeit. Die Anbindung an eine Gemeinde und beispielsweise den Lehrauftrag an der Schule sind für das persönliche Fortkommen wichtig. Konflikte in der Gemeinde regulieren sich oft von selbst.

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