RINTELN (ste). Ordentlich Äste wurden gesammelt, das alte Gewässer vom Totholz befreit und an anderer Stelle wieder sorgsam aufgeschichtet, um Insekten und Kleintieren einen Lebensraum zu liefern. Dabei ging es in der Senke zwischen Wald und Acker am Waldkater nicht um Insekten, sondern um die in Schaumburg seltenen Geburtshelferkröten (Alytes obstetricans), derer man sich seitens NABU und Stadt Rinteln annahm.
Die Geburtshelferkröte ähnelt mit ihrer graubraunen bis olivfarbigen Oberseite etwas der Erdkröte, ist aber mit bis zu fünf Zentimeter Größe wesentlich kleiner. Kennzeichen sind häufig auftretende rötliche Warzen an den Flanken, die spitzere Schnauze und besonders die senkrechten Pupillen. Die Geburtshelferkröte, die ihren Namen der Tatsache verdankt, dass sie als einzige Amphibienart Brutfürsorge betreibt und das Männchen sich die Eischnur um die Fersengelenke der Hinterbeine wickelt und bis zur Schlupfreife mit sich herumträgt, ist schwer zu entdecken und am besten anhand ihres Rufes zu erkennen.
Der feine Ruf ist zwischen März und August zu hören und besteht aus leisen Pfiffen, die sich, vor allem wenn viele Männchen im Chor rufen, wie ein fernes Glockengeläut anhören.
Im Schaumburger Land finden sich heute die nördlichsten bekannten natürlichen Vorkommen der Art. Die Verbreitungsgrenze erstreckt sich hier vom nördlichen Rand des Wesergebirges und des Süntels bis zu den mittleren Bereichen des Deisters - damit gehört das Vorkommen in Rinteln zu dem nördlichsten Verbreitungsgebiet in Europa. Der Hintergrund: Im Rahmen von Kartierungen hatte Holger Buschmann, mittlerweile der Vorsitzende des NABU Landesverbandes Niedersachsen, festgestellt, dass es noch Restvorkommen von Geburtshelferkröten im Bereich Waldkater gibt.
Geburtshelferkröten bevorzugen in Schaumburg meist sonnenexponierte Hangbereiche in Waldnähe und verschiedene Grubenareale wie Sandgruben und Steinbrüche.
Der fast verlandete Teich in einer Senke unweit des Waldkaters erwies sich als idealer Lebensraum für Geburtshelferkröten, sodass klar war, dass schnell gehandelt werden musste: "Es freut uns, dass die Stadt Rinteln sich sofort bereit erklärt hat, beim Schutz der Geburtshelferkröten behilflich zu sein", so Holger Buschmann. Auf diese Weise war es möglich, dem vermuteten Restvorkommen von Geburtshelferkröten ein geeignetes Laichgewässer zu schaffen.
Die Ehrenamtlichen des NABU Rinteln machten sich daran, Totholz aus dem morastigen, fast verlandeten Gewässer zu entfernen und kleinere Bäume, die den alten Teich allzu sehr beschatteten, zu entfernen. Seitens der Stadt Rinteln wurde, unter freundlicher Unterstützung des Bauhofes und seiner Mitarbeiter, der Teich mittels eines Kleinbaggers neu ausgehoben und von Laub, Morast und Schlamm befreit. Nick Büscher, 1. Vorsitzender der NABU-Gruppe Rinteln, lobt die Stadt: "Uns vom NABU hat die Kooperation mit der Stadt Rinteln sehr gut gefallen - wir sind sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit!"
Um den Geburtshelferkröten den neuen alten Lebensraum noch attraktiver zu gestalten, soll in Zukunft eine Trockenmauer errichtet werden, damit die Amphibien Möglichkeiten zum Verstecken haben.
Denn für den Lebensraum der Geburtshelferkröte sind ausreichende Versteckplätze notwendig. Dies können hohl aufliegende Steine oder Holzstücke sein, in Ortschaften werden außerdem nach Süden ausgerichtet unverfugte Mauern genutzt. "Mit dem Teich ist ein Anfang gemacht, um den Geburtshelferkröten einen geeigneten Lebensraum zu bieten", zeigt sich Büscher zuversichtlich. Foto: privat