STADTHAGEN (nb). Grundsätzlich unterschiedliche Auffassungen im Hinblick auf den Mindestlohn in der Altenpflege vertreten Doktor Wolfgang Blindow und der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Ludwig Stiegler. Dieser besuchte unter Führung des SPD-Wahlkreisabgeordneten und MdB Sebastian Edathy auf seiner "Pflegereise" duch Nienburg und Schaumburg die Altenpflegeschule Blindows in der Hütttenstraße, um sich über die aktuelle Bildungssituation in Deutschland zu informieren. "Mindestlöhne sind das Mindeste, und wer die nicht zahlen kann, gehört nicht an den Markt", so Stieglers Kommentar. "Dann gibt es keine Versorgung, das Geld muss irgendwo herkommen", konterte Blindow. "Ich würde doch lieber für wenig arbeiten, als gar nicht." Für ihn käme lediglich eine Mindestlohnzahlung bei staatlich anerkannten Pflegekräften denkbar. Zur Zeit finanziert Blindow seine Altenpflegeschule nur über die Einnahmen aus der angeschlossenen Pflegeeinrichtung "Rosenhof". Die staatlichen Fördermittel für die privaten Bildungsangebote an Blindows neun Schulstandorten decken die Kosten nur zum Teil. Hinzu komme in Schaumburg die Konkurrenz öffentlicher Einrichtungen, die ihn dazu zwinge, die Preise für die Altenpflege-Ausbildung klein zu halten. Keiner seiner 64 Schüler zahle zur Zeit Schulgeld. "Ich halte durch, bis die anderen schlapp machen", lautet Blindows Devise. "Das sei Wettbewerb in der Bildung", sagte Stiegler. "Eigentlich müsste die öffentliche Hand in die Leitung reingehen", so Edathy zu diesem "Zuschussgeschäft". Die Forderung nach besserer Bezahlung für ausgebildete Fachkräfte einte die Runde. Eine Lohnspreizung und Differenzierung in der Bezahlung müsse sein, so der SPD Fraktions-Vize. Dass es einen Unterschied geben muss, bestätigte auch Annegret Siewert, Leiterin der Pflegeschule: "Ich habe mich als junge Frau sehr geärgert diese große Verantwortung unter diesen Bedingungen zu tragen." Das Personal sei ohnehin durch die schlechten Pflegesätze hoch belastet. Stiegler verwies an dieser Stelle erneut auf die Einführung eines Mindestlohns, der nur noch einen Wettbewerb der Einrichtungen über Qualität, nicht mehr aber über Löhne möglich mache. Schon der hauseigene Pflege-Nachwuchs äußerte klare Vorstellungen im Hinblick auf das zu erwartende Einkommen. Anja Sander (26), Schülerin im fünften Semester, würde im Fall einer Unterbezahlung ihre Konsequenzen ziehen: "Für sechs oder sieben Euro die Stunde würde ich diesen Beruf nicht anfangen. Dann würde ich schon eher ins Ausland gehen." Die SPD wolle laut Stiegler dafür kämpfen, dass gut ausgebildete Schüler gute Berufschancen haben. Foto: nb
Ausbildung und Verdienstaussichten: Die Altenpflegeschülerinnen Julia Grinevic (li.) und Anja Sander erklären Sebastian Edathy, was sie rund um den Pflegeberuf bewegt.