BAD NENNDORF (pd). "Man kann sich mit diesem Thema nicht genügend auseinandersetzen" stellte Referent Friedel Pörtner gleich zu Beginn seiner Ausführungen fest. Die vielen Zuhörer im vollbesetzten "Bistro" der Wandelhalle gaben ihm Recht, doch anstatt sich lange mit Statistiken auseinander zu setzen, gingen diese nach den offiziellen Redebeiträgen gleich zur Sache. Das vom CDU-Ortsverband Bad Nenndorf veranstaltete "Stadtgespräch" zum Thema "Senioren im Wandel" zeigte, wo diese Personengruppe tatsächlich "der Schuh drückt".
Christopher Wuttke, der CDU-Bundestagskandidat, der ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete Pörtner und der Seniorenbeirats-Vorsitzende Friedrich Kräft waren auf Einladung der Ortsverbandesvorsitzenden Marlies Matthias ins "Bistro" gekommen, um sich den Fragen der Zuhörer zu stellen. Gleich zu Beginn informierte Pörtner über die Bevölkerungsentwicklung und Altersstrukturen bis zum Jahr 2050. Das wollte im Zuhörerraum kaum jemand so genau wissen, folgte doch prompt der Zwischenruf: "Was interessiert mich das, was in 40 Jahre ist. Wir wollen wissen, was jetzt zu tun ist!". Die Teilnehmer wollten konkret darüber hören, wie sicher die Renten sind, wie sich die medizinische Grundversorgung entwickelt und wie der Weg aus der Altersarmut aussehen könne.
Rasch schaffte Pörtner die "Kurve" und ging seinerseits konkret auf einige Eckpunkte seiner statistischen Daten ein. Er machte deutlich, dass im europäischen Vergleich die Geburtenrate in Deutschland nach unten tendiere und dass heute 160 Erwerbstätige 100 Rentner ernähren müssten. In 30 Jahren hätten dies nur 80 Menschen in Arbeit zu leisten. Die Politik müsse vor dem immer größer werdenden Anteil an Senioren "stärker auf die Alten setzen" und bemüht sein, den "Generationenvertrag" am Laufen zu halten.
Wuttke räumte ein, dass es angesichts der demografischen Entwicklung in Deutschland von besonderer Bedeutung sei, sichere Arbeitsplätze und vor allem mehr Jobs zu schaffen. Nur wer eine gute Ausbildung habe und dadurch auch eine feste Arbeitsstelle finden könne, sei bereit, Familie zu gründen. "Wir brauchen die Erwerbstätigen", so der Bundestagskandidat aus Bückeburg. Weil ein Ernährer in der Familie oft nicht mehr ausreiche, um die Grundsicherung zu erreichen, müssen Löhne und Renten auf ein leistungsfähiges Niveau gebracht werden.
Der Vorsitzende des Seniorenbeirates brachte seinen Unmut auf den Punkt. Wer wollte den jüngeren Menschen verdenken, dass sie lange zögern, bevor sie Nachwuchs in die Welt setzen. Und wie soll ein Geringverdiener in jungen Jahren auch noch Geld für die Altersvorsorge beiseite legen? Nach seiner Einschätzung kranke das System nicht an der Altersspirale oder an den sinkenden Geburtenraten. Es sei vielmehr der Mangel an sicheren Beschäftigungsverhältnissen oder fehlenden Chancengleichheit, die Gesundheits- und Rentensysteme in den Abgrund führen. Für seine Ausführungen bekam Kräft viel zustimmenden Applaus aus dem Publikum. Foto:pd