1. Nachfolger von Hecking will wieder Leidenschaft und Spaß wecken

    Interimscoach Andi Bergmann liebt modernen Fußball / Unverbrauchter Typ / Neuzugang Sofian Chahed

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    Hannover (ro). Das Handtuch fliegt. Dieter Hecking bot am Mittwoch abend seinen Rücktritt an. Keiner warf es zurück. Die Verantwortlich waren längst im Zugzwang. Das Wagnis trotz vieler Querelen die neue Saison gemeinsam zu beginnen, war längst schon in die Kategorie Fehlentscheidung gerutscht. Der Pokalniederlage in Trier, dem Remis bei Hertha BSC, folgte ein mageres 1:1 im ersten Heimspiel gegen den Aufsteiger Mainz 05. Die Quittung für diese sportliche Ernüchterung präsentierten die Fans: Keine 30 000 Zuschauer waren im Stadion. Die Marke Hannover 96 schien in Gefahr. Der Krisengipfel am Mittwoch zwischen Trainer Dieter Hecking, Sportdirektor Jörg Schmadke und Präsident Martin Kind ist im Ergebnis als Zeichen gegen diese Missstimmung zu werten. Das sportliche Millionengeschäft ließ nur eine Lösung zu: Neue Motivation freisetzen – bei Spielern und Fans. Ganz wohl war dabei dem Trio nicht. Schmadtke bekannte: "Eine Niederlage für jeden Einzelnen." Überhastete Neuverpflichtungen wird es ganz im Sinne der zuletzt getätigten Spielertransfers nicht geben. Für die nächsten Partien kommt es zu einer Interimslösung: Der bisherige U-23-Coach Andi Bergmann übernimmt die Verantwortung für die Profitruppe. Selbst eine langfristige Lösung mit dem 50-Jährigen scheint möglich. "Letzteres ist keinesfalls ausgeschlossen", so Schmadtke.

    Bei Bergmann gab es kein langes Überlegen. Co-Trainer Dirk Bremser wird ihn bei der neuen Aufgabe unterstützen. In der Vorbereitung auf das Spiel in Nürnberg sieht er die Möglichkeiten als begrenzt an. Er möchte schnell eine neue Atmosphäre erzeugen, Lust und Begeisterung wecken. Fußball ist für den neuen Coach eng mit Spaß und Leidenschaft verbunden. Er will viele Einzelgespräche führen und dann das Team ganz gezielt auf die Auswärtsaufgabe vorbereiten. Bergmann steht in der Philosophie für den modernen Fußball. Auf dem Platz sollen die Roten zukünftig immer das aktive Team sein – egal in welchem taktischen System. Hinischtlich der Taktik behielt sich Bergmann in der Spieltagspressekonferenz noch bedeckt. Hinsichtlich der Umfeldes und des Drucks im Bundesligageschäft fühlt sich Bergmann "sehr gewappnet" durch seine Erfahrung als Coach beim 1. FC St. Pauli.

    Personell steht er vor den gleichen Problemen wie sein Vorgänger. Neben dem bereits seit langem außer Gefecht gesetzten Sorgenkind Jan Schlaudraff (Leistenprobleme) füllen weiterhin Sofien Chahed (Mittelfußbruch), Altin Lala (Aufbautraining), Vinicius (Lauftraining nach Rückenproblemen), Jan Rosenthal (Muskelfaserriss), Sergio Pinto (Meniskus-OP), Leon Andreasen und seit dem Mainz-Spiel auch Mikael Forssell (Knöchel) die Krankenliste. Lediglich Mike Hanke meldete sich Anfang der Woche aus dem Kreis der Rekonvaleszenten zurück und steht für Nürnberg bereit, ebenso wie die in dieser Woche kurzzeitig außer Gefecht gesetzten Constant Djakpa und Jiri Stajner.

    Neuzugang Sofian Chahed ist laut Bergmann noch keine Option für das Spiel beim FCN. Der 26-Jährige Rechtsverteidiger hat seine Stärken in der Defensive. "Ich bin fit und möchte sofort helfen", so Chahed. Für Hertha war er 89mal in der Bundesliga aktiv und markierte dabei vier Treffer. Im Sturm wird Mike Hanke den verletzten Finnen Forssell ersetzen und neben Neuzugang Ya Konan hoffentlich die Club-Abwehr durcheinander wirbeln.

    Nach durchwachsenem Start in die Saison mit dem unglücklichen Auftakt daheim gegen Schalke (0:2) und einem 1:1 in Frankfurt sowie dem souveränen 3:0-Sieg im Pokal bei Dynamo Dresden gieren die Fans des FCN - ähnlich denen der Roten - nach dem ersten "Dreier". Bis auf Isaac Boakye und Mike Frantz ist der Kader der "Clubberer" komplett. FCN-Trainer Michael Oenning zum bevorstehenden Spiel: "Die Voraussetzungen sind jetzt nach dem Trainerwechsel schwer zu beurteilen. Da ist man leicht geneigt zu sagen: Das ist ein Gegner auf Augenhöhe, das müssen wir gewinnen."

    So könnten beide Teams auflaufen: 1. FC Nürnberg: R. Schäfer – Dikmeier, A. Wolf, Maroh, Pinola– Mnari - Kluge, Mintal, Gündogan - Eigler, Charistea.

    Hannover 96: Enke – Cherundolo, Haggui, C. Schulz, Djakpa – Balitsch, Stajner, Rama, Bruggink – Ya Konan, Hanke. Foto: Hannover 96

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