BAD NENNDORF (pd). Einen besonderen Festtag können die Mitglieder der St. Godehardi- Kirchengemeinde Bad Nenndorf am kommenden Sonntag begehen: Die Orgel wird am Sonntag, dem 23. August nach aufwändigen Sanierungsarbeiten im Verlauf eines Gottesdienstes eingeweiht. Ab 10 Uhr können sich die Besucher davon überzeugen, dass die 140 000 Euro für die Erledigung aller Arbeiten an dem Instrument gut angelegtes Geld sind.
Denn nicht nur das Äußere ist restauriert und verschönert worden. Auch das Klangbild der Orgel ist merklich verbessert worden.
Noch ist Orgelbaumeister Jörg Bente mit letzten Feinarbeiten beschäftigt, doch der feierlichen Einweihung am nächsten Sonntag steht nichts mehr im Wege. Beim Festgottesdienst werden alle musikalischen Gruppen der Kirchengemeinde dabei sein.
Am Spieltisch sitzt die Organistin Regina Heymann. Nach einem Empfang um 11 Uhr lädt Kirchenkreiskantor Wolfgang Westphal zu einer Orgelmatinee mit Stücken von Johann Sebastian Bach, Dietrich Buxtehude und L.J.A. Lefébure-Wély ein. Und rund um die Kirche findet ein Gemeindefest statt, dessen Endpunkt die Aufführung des Kindermusicals "Traumverwandlungslabor" mit dem Kinderchor sein wird.
Eine Orgelweihe ist auch für Pastorin Sabine Lambrecht alles andere als normal. "Das kommt ja nicht so oft vor", weiß sie und Orgelbaumeister Bente spricht von einem Intervall von 30 bis 40 Jahren, in denen eine Orgel einer Generalüberholung unterzogen werden sollte. Die Entscheidung, den Auftrag dafür zu erteilen, sei den Verantwortlichen nicht leicht gefallen, erinnert sich Kirchenvorstand Johann Averbeck. "Das war schon ungewöhnlich, was wir da gemacht haben". Die Sanierung sei bereits im Jahr 2000 ein Thema gewesen. Nach dem Ende der Renovierungsarbeiten in der Kirche im Jahr 2005 seien die Pläne dann weiter gereift.
"Mit Glück und Sponsoren haben wir das dann gemeistert", freut sich Pastorin Lambrecht. Viele Gemeindemitglieder hätten die Orgel in den letzten acht Monaten schmerzlich vermisst. "Vor allem bei Hochzeiten und den Konfirmationsfeiern", so die Pastorin. Jetzt präsentiere sich das Instrument auch von außen noch prächtiger als je zuvor. "Da ist jetzt mehr Gold dran als zuvor", fügt Sabine Lambrecht noch an.
Nicht nur von der Optik her erstrahlt die Orgel in neuem Glanz. "Die Schäden waren doch schlimmer, als ich zunächst gedacht hatte", erinnert sich Orgelbauer Jörg Bente, in dessen Werkstatt in Helsinghausen in den vergangenen acht Monaten die Orgel nahezu in ihre Einzelteile zerlegt worden war. Dabei ging es unter anderem darum, rund 2000 Pfeifen auszubauen, zusätzliche Register einzubauen oder Mechanikteile zu überarbeiten.
Der wichtigste Teil seiner Arbeit bezog sich allerdings auf die Klanggebung.
Dem Instrument fehlte das Bassfundament. Das Pfeifwerk war so intoniert, dass sich kein voller Klang entwickeln konnte. Die Arbeiten in seiner Werkstatt haben schließlich dazu geführt, dass mehr Klangfülle erreicht werden konnte.
Das Instrument wurde um die Klangfarbe der so genannten Engchor-Register oder Streicher erweitert. Dieses imitiert Streichinstrumente und findet sich vielfach in frühromantischen und hochromantischen Orgeln. "Mit der Überarbeitung des Instrumentes lässt sich jetzt Orgelmusik aller Epochen viel differenzierter und farbenreicher gestalten", klärt Bente weiter auf.
Die Kosten waren zwar immer im Blick, dennoch sind sie höher als zunächst angenommen ausgefallen.
Allein 20 000 Euro hat die Sanierung des denkmalgeschützten Orgelprospektes gekostet, die Kunstrestaurator Paul-Uwe Dietzsch erledigt hat. Weil mehr Schäden an dem Instrument zu beheben waren, sind auch hier die Kosten um 20 000 Euro höher angefallen. Von den insgesamt 120 000 Euro für die Orgelsanierung trägt die Landeskirche ein Drittel, erklärt Pastorin Lambrecht. Der Rest musste direkt in der Gemeinde aufgebracht werden. "Die Spendenbereitschaft für die Orgel war groß", sagen Lambrecht und Averbeck.
Durch den Verkauf von "Orgelwein" oder Orgelkollekten, aber auch durch private Spenden sei eine beträchtliche Summe zusammengekommen. Größere Geldbeträge seien von der Klosterkammer Hannover, der VR-Stiftung der Volksbanken und Raiffeisenbanken, der Stadt Bad Nenndorf und Möbel-Heinrich geflossen. Eine genaue Abrechnung stehe noch aus, doch beide sind zuversichtlich, das ehrgeizige Projekt "Orgelsanierung" auch in finanzieller Hinsicht zu einem positiven Abschluss führen zu können.
Wer die "Orgelmatinee" zur Einweihung am Sonntag nicht erleben kann, sollte sich schon jetzt den 12. September vormerken. Dann spielt Kirchenkreiskantor Westphal ab 21 Uhr zur "Orgelnachtmusik" in der St. Godehardi- Kirche Bad Nenndorf. Auf dem Programmzettel stehen Werke von Bach, César Franck und Felix Mendelssohn-Bartholdy. Foto:pd