REINSDORF (al). Fleißige Bienen lassen sich einfach nicht stören. Ungewohnter Trubel herrscht einen Tag lang rund um ihre hölzernen Behausungen am Rand des Bückebergs bei Reinsdorf. Immer wieder klappt Imkermeisterin Anna-Lisa Giehl den Deckel des grünen Kastens auf, in denen sich hölzerne Rahmen mit bereits gut gefüllten Waben reihen. Wo noch eine der winzigen seckseckigen Öffnungen gähnt, lagern die Immen ihren Nektar ein, der später als Honig auf den Tisch kommt. Darüber wissen jetzt Tausende von Besuchern Bescheid, die zum "Honigfest" nach Reinsdorf gekommen sind. Dank der örtlichen Feuerwehr und frühzeitiger Klärung organisatorischer Abläufe ist ein Verkehrschaos in dem Apelerner Ortsteil ausgeblieben.
Die Neugier auf Natur machen die Bienenzüchter Max und Anna-Lisa Giehl nicht nur an ihrem eigenen Metier fest. Zur Gestaltung des Tages hatten sie auch die Obernkirchener Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, die Kreisjägerschaft Schaumburg und den Rodenberger Naturschutzbund eingeladen. Holz- und Steinkünstler ließen sich bei der Arbeit zuschauen; Förster Henning Böger vermittelte kleinen Gästen allerlei Geheimnisse rund um Bäume und Wald. An einem Basteltisch wurde gefilzt. Geduldige Ponys und bunte Fahrradhelme warteten an einer Weide auf kleine Pferdefans. Bald wird ein Teil der Koppel weichen: Die Eigentümer des Geländes wollen eine Streuobstwiese anlegen und werben bereits um Baumpaten.
Der Kreis der Zuhörer um die Imkerin wird immer größer. Wenigstens hundert Kinder und Erwachsene wollen sich den Blick in einen Bienenstaat aus allernächster Nähe nicht entgehen lassen. Nur Majestät lässt sich nicht blicken: Vergeblich sucht die Expertin nach der Königin des Millionenvolks. Andere Besucher haben an anderer Stelle mehr Glück: In einem mit dicken Glasplatten versehenen "Schau-Kasten" finden Betrachter schnell die Herrscherin über Drohnen und Arbeitsbienen. Was noch zur Honigproduktion gehört, können die Besucher an Schautafeln oder direkt im Haus sehen: Bei den Giehls gibt es sogar eine Holzwerkstatt, in denen die Insektenbehausungen selbst hergestellt werden. In der angrenzenden Honigküche blinkt viel Edelstahl: Hier werden die Waben geschleudert. Die vielen Geschmacksrichtungen des späteren Brotaufstrichs lassen sich an einem kleinen Probierstand erkennen. Am Stand der leckeren Kuchen, zu dessen Zutaten natürlich ebenfalls Honig gehören muss, geht es noch lebhafter als anderswo zu. Um die Köpfe der Zweibeiner und über den Backwaren schwirren etliche Bienen und Wespen.
Doch niemand schlägt nach den ungebetenen Gästen: Seit heute wissen es die Menschen besser, was es mit den summenden Insekten auf sich hat. Foto: al