1. Ende für die kleinste Filiale

    Sparkasse Schaumburg schließt ihre Pohler Geschäftsstelle

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    POHLE (al). Die Sparkasse Schaumburg beendet ihre Präsenz in Pohle. Sie schließt am 31. Dezember die zuletzt kleinste Filiale in ihrem Geschäftsbereich. Schon lange hat der Vorstand nach Auskunft seines Mitglieds Günter Klußmeyer das Ende erwogen; jetzt zwingen technische Gründe zu diesem Schritt: Spätestens im nächsten Jahr hätte ein neuer Geldautomat installiert werden müssen.

    Die Zeit läuft ab für die kleine Pohler Sparkassenfiliale. Sie wird am 31. Dezember geschlossen.

    "Doch das rechnet sich schon lange nicht mehr", erläuterte Klußmeyer dem SW auf Anfrage und wiederholte dies vor dem Pohler Gemeinderat. Ein geändertes Kundenverhalten sei der Grund: Die Schalterstunden würden immer weniger genutzt. Selbst der Geldautomat müsse viel weniger Scheine ausgeben als in früheren Zeiten. Der Fachmann kennt das auch aus anderen Bereichen: "Wer zum Einkaufen in große Orte fährt, versorgt sich dort mit Geld." Hinzu komme, dass eine nur stundenweise besetzte Filiale nicht die Beratung bieten könne, die heute verlangt würde: "Die Fragen und Anforderungen sind viel komplexer und schwieriger geworden." So habe sich der Vorstand den kompletten Kundenservice im Bereich der Samtgemeinde Rodenberg angesehen: Mit Rodenberg, Apelern und demnächst den neuen Räumen in Lauenau sei das Gebiet gut versorgt. "Wir wollen die Geschäftsstelle Lauenau gut machen", betonte er, "aber wir müssen die Realität sehen und können nicht alle Standorte dauerhaft erhalten". Das gelte im Übrigen für die verbleibenden 44 Filialen und acht nur mit Automaten ausgestatteten Stützpunkten im Schaumburger Land: Kleine Zweigstellen und geringere Frequentierung könnten diese Zahl durchaus reduzieren. Doch gebe es hierzu keine konkreten Pläne.

    Den Weg in die Fläche hatten die Sparkasse wie auch die hiesigen Volksbanken Ende der sechziger Jahre mit der Einführung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs begonnen. In den Achtzigern war fast in jedem kleinen Ort im Raum Lauenau ein Schalter zu finden. Doch schon bald setzte der Rückzug ein: Hohe Personalkosten der Geldinstitute und die stark wachsenden Anteile am "Homebanking" führten zu ersten Schließungen. Während sich die Volksbanken schon längst verabschiedet haben und die Sparkasse zuletzt 1994 in Messenkamp, Feggendorf und Hülsede die Türen schließen ließ, wurde lediglich Pohle bis jetzt aufrechterhalten. Bereits damals sei jedoch um den Fortbestand gerungen worden.

    "Es sind doch nur zwei Kilometer nach Lauenau", beschwor Klußmeyer den Pohler Gemeinderat, aus dem er heftige Kritik erntete. Eberhard Hasler (CDU) zeigte sich "erschrocken, dass auch der Geldautomat wegkommt" und verwies auf ältere Menschen, denen der Weg in den Flecken schwer falle: "Ich gebe doch nicht meine PIN-Nummer heraus und sage meinem Nachbarn: Hol mir mal Geld." Sabine Bartels (SPD) erwähnte die Kinder, die bislang ortsnah ihr Taschengeldkonto führten. Ralf Wilkening (SPD) hatte im Gesetz geblättert: "Die Sparkasse hat einen öffentlichen Auftrag und darf nicht nur nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten urteilen." Wilkening räumte jedoch auch ein, selten den örtlichen Automaten benutzt zu haben und stattdessen in Lauenau gewesen zu sein: "Wenn wir das vor Jahren gewusst hätten, dass unsere Filiale geschlossen werden soll, gäbe es heute andere Zahlen."

    Klußmeyer lies sich indes nicht beirren: Senioren würden bei Bedarf zu Hause besucht. Der "öffentliche Auftrag" müsse kreisweit gesehen werden: Keine andere Bankengruppe sei besser in der Fläche vertreten als die Sparkasse. Dennoch müsse auch diese wettbewerbsfähig bleiben und kostenbewusst handeln. Die laufenden Sachkosten für die Pohler Filiale bezifferte er auf jährlich 18.000 Euro. Ein neuer Geldautomat würde 30.000 Euro kosten. Allein diese fällige Investition in die vorhandene Technik habe die Diskussion um die Schließung ausgelöst.

    Für Bürgermeisterin Gerlinde Menschin "ist die Trauer groß": "Es fällt uns schwer, eine weitere öffentliche Stelle herzugeben."

    Foto: al

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