1. Keine Angst vor Hautflüglern

    Interessante Fledermauswanderung des Naturschutzbundes

    Dieser Eintrag wird bereitgestellt durch Schaumburger Wochenblatt | Impressum

    RINTELN (ste). Wenn die 40 Teilnehmer der Fledermauswanderung des Naturschutzbundes Rinteln, NABU, Angst vor den kleinen Insektenjägern gehabt hätten, wäre ihnen der Schauer sicher über den Rücken gelaufen, denn zu sehen gab es von den nachtaktiven Jägern reichlich im Grüngürtel von Rinteln. Doch Angst muss nun wirklich niemand vor den filigranen Tieren haben, die als Insektenvertilger überaus nützlich sind. Mit einem so großen Interesse hatten Kathy und Nick Büscher allerdings nicht gerechnet und sie waren froh darüber, dass so viele Menschen sich für die Natur und ihre Geschöpfe interessieren. Mit auf Tour der Fledermausspezialist Gerd Rehbein, der genau wusste, wo die Hautflügler zu finden sind: "Am Parkhaus an der Hartler Straße und an der Graft gibt es verschiedene Arten zu beobachten!"

    Der Deckberger und Kathy Büscher sind ausgerüstet mit Batteriehandlampen und vor allem mit Ultraschall-Empfangsgeräten, die die Laute der Tiere einfangen und "übersetzen". Das heißt, dass die für das menschliche Ohr nicht hörbaren Knattertöne der Fledermäuse in ihre Frequenzen zerlegt werden und daran kann man die Art der Fledermaus erkennen.

    Regen stört die empfindliche Ortungssystem der Tiere und deshalb fliegen sie bei Schlechtwetter selten auf Insektenfang, erklärt Nick Büscher. Rintelns Altstadt mit ihren zahlreichen Möglichkeiten zum Unterschlupf der Tiere hat eine sehr ordentliche Fledermauspopulation. Auch die Höhlen in den alten Bäumen des Blumenwalls bieten den Tieren Unterschlupf.

    Als dann die Spürgeräte die ersten Aussläge zeigen und sogar mit bloßem Auge noch die typischen abgehackten Bewegungen einiger Tiere über der Wasserfläche zu sehen sind, kommt Begeisterung bei den Fledermausbeobachtern auf. Vor allem Wasser- und Teichfledermäuse konnte man sehen, erklärt Nick Büscher nach der Wanderung. Die eingefangenen Laute im Frequenzbereich von 25 Kilohertz ließen auf die kleinere Wasserfledermaus und die Töne im Bereich über 45 Kilohertz auf ihre größere Verwandte, die Teichfledermaus, schließen. Faustregel, so Büscher: Kleine Tiere senden auf niedrigeren und größere auf höheren Frequenzen.

    Meist sind es kleinere Ansammlungen in den einzelnen Quartieren, so Nick Büscher: "Doch es gibt auf Rintelner Gebiet sogar gleich zwei Unterschlupfmöglichkeiten von erheblicher Größe mit mehreren hundert Tieren und dem EU-Schutzstandard FFH ("Flora-Fauna-Habitat")!" Büscher erklärt dazu: Eine Kolonie des Großen Mausohres ist auf dem Dachboden der Steinberger Kirche zu Hause sowie eine Kolonie von gut 750 Großen Abendseglern in der Dehnungsfuge der Autobahnbrücke an der Landesgrenze kurz vor Kleinenbremen.

    Insgesamt sind im Landkreis Schaumburg Vorkommen von mindestens 15 Fledermausarten bekannt, darunter als imposanteste der Große Abendsegler mit einer Körperlänge von bis zu neun Zentimetern bei einer Flügelspannweite von bis zu 40 Zentimetern. Diese Art kommt überwiegend in Waldgebieten vor und kann auf der Jagd nach Insekten in Höhen bis zu 40 Metern aufsteigen.

    Büscher weiter: "Um Fledermäusen in der Nähe von Wohngebieten Lebensraum zu bieten, brauchen sie nicht zuletzt Tagesunterstände und deshalb sollte man nicht gleich jede Fuge an Gebäuden abdichten." Darüber hinaus seien sogenannte Fledermaus-Spaltenkästen als Quartiere eine gute Alternative. In diesem Zusammenhang wirbt der Nabu-Landesverband Niedersachen um Verständnis für die Tiere mit Initiativen wie "Menschen und Fledermäuse" oder "Fledermausfreundliches Haus".

    Weitere Informationen zum Thema Fledermäuse gibt es unter www.nabu-niedersachsen.de sowie bei der europäischen "Bat-Night", an der sich die Nabu-Gruppe Hessisch Oldendorf mit eigenen Veranstaltungen am 29. und 30. August beteiligt.

  2. Kommentare

    Bitte melden Sie sich an