Frauenfußball (pm). Mit nur noch einem Team ist der Fußballkreis Schaumburg in der kommenden Saison in der Bezirksoberliga der Fußballfrauen vertreten. Nach dem Abstieg des VfL Bückeburg hält der TSV Eintracht Bückeberge die Schaumburger Farben im Oberhaus des Bezirks hoch. Der VfL muss aber nicht auf das Prestigeduell mit dem TSV verzichten: Als Kreismeister trifft die Reserve der Eintracht in der kommenden Saison der Bezirksliga auf den VfL. Wieder in die Kreisliga zurückkehren muss dagegen die SG Lauenhagen/Pollhagen-Nordsehl/Liekwegen als einer von drei Absteigern aus der Bezirksliga 1.
Mit dem Maximalziel im Gepäck verabschiedeten sich die Frauen des TSV Eintracht Bückeberge in die Sommerpause. "Mehr als Rang drei hätte ich mir vor der Saison nicht vorstellen können", sagt Trainer Uwe Kranz. Ein Durchmarsch wäre auch zur falschen Zeit gekommen. "Wir wollten eigentlich die zweite Mannschaft festigen, um mittelfristig den nötigen Unterbau zu schaffen, der Erfolg der Ersten ist dabei ein tolles ,Nebenprodukt’." Erst zu Ostern musste die Eintracht die erste Saisonniederlage gegen den späteren Meister PSV Hildesheim hinnehmen. Das 0:8 wusste das dabei extrem ersatzgeschwächte Team aber einzuordnen und brachte den gleichen Gegner nur acht Tage später beim 1:1 im Rückspiel an den Rand einer Niederlage. Auch gegen Vizemeister SG Schamerloh sah die Eintracht zweimal gut aus. Jeweils mit 1:1 endeten die Vergleiche der beiden Bezirksligameister aus dem Vorjahr. "Anfangs hatten wir noch einige Probleme mit dem körperbetonten Spiel in der neuen Spielklasse", erinnert sich der Coach. Doch spätestens nach den Heimsiegen gegen die SG Hemmingen/Rethen (3:1) und TuS Kleefeld (1:0) im vergangenen Oktober war die Elf in der Bezirksoberliga angekommen. "In vielen Spielen hat die Elf gezeigt, dass sie in der Schlussphase noch zusetzen konnte", sagt der Trainer. Dazu kam die gewohnt starke Defensivleistung der Elf. Vor Torfrau Sonja Braun leisteten sich Libero Sabrina Pelzer und das Stammverteidigerduo Theresa Zeckel und Janine Mensching nur selten Fehler. Auch die "Sechser" Jessica Biesterfeld und Kathrin Mathiesen nahmen mit ihrem aufmerksamen Spiel und ihrer Zweikampfstärke viel Druck von der Abwehr.
In der Vorwärtsbewegung konnte die Eintracht dagegen nicht immer an das aus der Aufstiegssaison gewohnte schnelle Flügelspiel anknüpfen. Ingesamt präsentierten sich Lara Hoffmann und Co aber sehr flexibel und meist auch treffsicher. In der Rückserie überdeckte diese Eigenschaft auch das verletzungsbedingte Fehlen der Angreiferinnen Stephanie Busche und Meike Hunte, die nur noch selten zum Einsatz kamen, dafür aber tatkräftig am Aufstieg der zweiten Mannschaft und dem Kreispokalsieg mithalfen. "Wir haben uns vor allem in der Rückserie als Einheit dargestellt. Die Spielerinnen aus dem gesamten Kader haben mitgeholfen, die Ziele unserer Mannschaften zu erreichen. Das war ein tolles Erlebnis", schwärmt Kranz. Weitere junge Spielerinnen machten dabei auf sich aufmerksam. Luise Pöppel und Mona Söhnen gehören eigentlich bereits zum Stammpersonal der Bezirksoberligaelf. Aber auch Laura Hitzemann und Jana Stolte haben eine schwächere Phase überstanden und haben in der Rückserie wieder auf sich aufmerksam gemacht. Neben Mareike Daseler, die bereits in der Schlussphase der abgelaufenen Saison vom VfL Bückeburg nach Wendthagen kam, sollen noch mindestens zwei Topspielerinnen in der Sommerpause den Weg zur Eintracht finden. "Wir haben schon feste Zusagen", sagt Kranz, der sich aber auch über das Ende der Fußballpausen von Lea Renkawitz und Anna Bingel freut. "Das sind praktisch zwei weitere Neuzugänge. Der Kader für die kommende Saison wird sicher nicht schwächer", sagt der Coach. "Wir werden versuchen, wieder an der Spitze ein Wörtchen mitzureden."
In der Spitzengruppe würde sich wohl auch gern der VfL Bückeburg sehen. Damit hätte das Team die Chance, den Abstieg vielleicht wieder wettzumachen. Der sportliche Niedergang des dienstältesten Teams der Bezirksoberliga hatte vor allem personelle Gründe. "Wir wussten, dass es schwer werden würde", sagte VfL-Sprecher Gerhard Hävemeier. Die Schwierigkeiten wurden allerdings bereits vor der Saison deutlich. Erst wenige Wochen vor dem Punktspielstart fand sich mit Michael Prawitt ein passender Trainer. Der machte seine Sache zwar gut, wurde aber vor zwei schier unüberwindliche Probleme gestellt: Einerseits hatte das Team unter den Stammspielerinnen wie Lena Sptizer, Pia Gellermann und Katja Selchow, die nicht ein einziges Saisonspiel absolvierte eine beachtliche Verletztenserie zu überstehen. "Außerdem haben wir das Problem der mangelnden Trainingsbeteiligung", sagt Hävemeier. "Mit fünf oder sechs Spielerinnen kann man nichts Vernünftiges machen. Da war auch viel Frust dabei." Oft spielte der VfL in der Hinserie in Unterzahl, trat auch zu mehreren Spielen nicht an. Gegen den MTV Mellendorf II stand eine vollständige Elf auf dem Feld, die prompt mit 4:1 gewann. Das war im vergangenen November.
Nach einem weiteren Sieg und einem Remis hätte sich der VfL zu Ostern mit einem Erfolg gegen den damals Drittletzten SG Lembruch vom Tabellenende distanzieren können. Es folgte der Schock einer 0:6-Niederlage. "Es fehlte die richtige Einstellung bei einigen Spielerinnen, sodass wir regelrecht abgefertigt worden sind", sagt Hävemeier. Nach dieser Partie war die SG Egestorf als direkter Konkurrent um den einzigen Abstiegsplatz im Vorteil. Das Rückspiel in Lembruch, in dem Anika Hävemeier in der letzten Minute ein Eigentor unterlief, besiegelte schließlich den Abstieg der Grün-Weißen. "In diesem Spiel hat die Mannschaft alles gegeben", meinte Hävemeier. "Alle Partien, die wir in voller Stärke absolviert haben, sind gut gelaufen." Am Ende standen für den Tabellenletzten aber nur acht Zähler zu Buche, mit denen sich der VfL nicht mehr vom letzten Rang lösen konnte. Bitter: Konkurrent SG Egestorf meldete direkt nach dem sportlichen Klassenerhalt sein Team nur noch für die Bezirksliga. Der VfL musste trotzdem den Weg nach unten antreten. "Schade, dass wir abgestiegen sind. Aber vielleicht ist es besser, tiefer zu spielen, als so vor sich hinzudümpeln", sagt Hävemeier, der zuletzt einen "Auszerreffekt" erkannt haben will. "Wir müssen es in der Zukunft anders hinbekommen", sagt er. Alle Spielerinnen müssten besser mitziehen, um die "Saure-Gurken-Zeit zu überstehen" bis wieder vermehrt eigene Jugenspielerinnen zum Team stoßen würden. Allerdings dürfte auch die Bezirksliga nicht zum Selbstläufer werden, da mit Gellermann, Sina Stahlhut, Julia Danziger und Mareike Bauer gleich vier Leistungsträgerinnen den Verein in der Sommerpause verlassen werden. Der verbleibende Kader muss erneut eng zusammenrücken, um nicht in der Bezirksliga erneut in Schwierigkeiten zu geraten.
Auch die SG Lauenhagen/Pollhagen-Nordsehl/Liekwegen muss sich nach einem Abstieg ganz neu sammeln. Der Kreismeister des vergangenen Jahres musste als Drittletzter der Bezirksliga 1 wieder den Weg zurück in den Kreis machen. Damit sind die Schaumburger Kreismeister der vergangenen drei Jahre jeweils gleich in der folgenden Spielzeit an der Hürde Bezirksliga gescheitert.
Für SG-Trainer Dietmar Arndt ist der Abstieg an der Jugend seiner Mannschaft abzuleiten. "Dass wir ein Risiko mit dieser jungen Mannschaft eingehen, war uns von vornherein klar", sagt er. Die Lauenhägerinnen nahmen die Herausforderung aber an und hielten bis zur Winterpause gut mit. Im Frühjahr verpasste es die SG jedoch, die Bigpoints einzufahren. Nicht zuletzt in diesen Spielen fehlte den Aufsteigerinnen "aufgrund der fehlenden Erfahrung die nötige Cleverness", wie Arndt feststellte. "Nach den vielen in der Jugend und anschließend bei den Frauen konnten einige Spielerinnen den Hebel nicht auf Abstiegskampf umlegen." Gegen den direkten Konkurrenten Hannover 96 begünstigte ein verschossener Elfmeter bei der 1:2-Niederlage, dass der Abstand zum rettenden Ufer immer bedrohlicher anwuchs. Die "Roten" punkteten plötzlich regelmäßig und auch der 1. FC Wunstorf schoss sich mit vielen unerwarteten Punkten in seinen Nachholspielen aus dem Tabellenkeller. Einzig der SG gelang kein unerwarteter Punktgewinn. Das machte den Unterschied aus. Und so geriet die Partie gegen den FC AS Hachetal zu einer Art Endspiel. "Das war das Schlüsselspiel", meinte Arndt, für den nach der erneuten Niederlage klar war, "dass wir danach sportlich nur noch schwer zu retten waren". Letztlich entpuppten sich alle Strohhalme als haltlos.
Auch die Hoffnung, als erster Absteiger bei fehlenden Aufstiegsaspiranten vom Niedergang verschont zu bleiben, wurde nach der Saison zerstreut. Das nach dem Abstieg drei Leistungsträgerinnen den Klub verlassen, trifft die Elf noch einmal zusätzlich. Torfrau Katharina Stobinski, Libera Katharina Kottrup und Torjägerin Annika Ebbighausen werden ihrer Elf beim Unternehmen Wiederaufstieg fehlen. Alle drei haben sich höherklassigen Klubs verschrieben. Trotz der schwierigen Situation ist die Saison der SG in der Bezirksliga für Arndt kein verlorenes Jahr gewesen. "Wir konnten trotz des Abstiegs viel lernen", sagt der Trainer. Er hielt seine Elf zusammen. Bis zuletzt zeigte die Mannschaft überzeugende Leistungen. Nur gegen den überragenden Meister TSV Limmer musste die Elf höhere Niederlagen in Kauf nehmen. Gegen die anderen Konkurrenten fehlte oft nur das berühmte Quäntchen Glück zu einem positiven Ergebnis. In der Kreisliga will sich das Team nun neuen Schwung holen. Keine Zukunft hat dabei allerdings die weitläufige Spielgemeinschaft mit dem TSV Liekwegen. "In der nächsten Saison werden wir als SG Lauenhagen/Pollhagen-Nordsehl starten", sagt Arndt. Trotz einer von Jahr zu Jahr stärker werdenden Kreisliga sollte der verschlankte Kader in der Lage dazu sein, um die Spitze mitzuspielen, um am Ende der Saison vielleicht die Anzahl der Schaumburger Bezirksteams erstmals seit langer Zeit wieder auf vier anzuheben.