RINTELN (km). Ihr 30-jähriges Bestehen in Rinteln feierte jetzt die Arbeiterwohlfahrt. Zu dem Jubiläum konnten Kreisvorsitzender Ernst Kastning und Geschäftsführerin Heidemarie Hanauske in den frisch renovierten Räumlichkeiten am Kirchplatz zahlreiche Gäste begrüßen. Seit nunmehr insgesamt 90 Jahren setzt sich die AWO als einer der großen deutschen Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege für Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit in der Gesellschaft ein. Auch im Landkreis Schaumburg blickt die Arbeiterwohlfahrt auf eine interessante Geschichte zurück, die bis in die Mitte der 1920er Jahre zurück reicht. Erste Aktivitäten gab es etwa um 1924 in Rinteln und Stadthagen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden weitere Ortsvereine gegründet.
Kreisvorsitzender Ernst Kastning
Gisela Schäfer und Ulrike Dommnich (li.) klärten über die Schwangerschaftsberatung auf.
Ernst Kastning erinnerte die Gäste um Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz zunächst an die Ereignisse nach dem Krieg. Im Jahr 1946 wurde der Verein durch Lotte Lemke neu aufgebaut. In Rinteln wurden die Flüchtlinge aus Schlesien und Pommern so gut es ging betreut. Man half bei der Verteilung der Care-Pakete und in der städtischen Suppenküche.
Im Jahre 1948 wurde vom Stadtdirektor Karl Schulz in Rinteln der Kreisverband Grafschaft Schaumburg gegründet. Ortsvereine gab es zu der Zeit in Hessisch Oldendorf, Sachsenhagen, Haste und Rinteln. Stützpunkte wurden in Todenmann, Engern und Rumbek eingerichtet. Das Büro des Kreisverbandes befand sich in Rinteln in der Bäckerstraße 61 und wurde ehrenamtlich geführt. Ab 1964 war das Büro am Kirchplatz Nummer 4. Die Arbeit wurde immer umfangreicher: Unter anderem Kinderkuren, Mütter- und Altenkuren wurden in Anspruch genommen. Mit einem Bus wurden zum Beispiel die Kinder nach Bensersiel gebracht und dort den Betreuern übergeben, die sie dann mit dem Schiff nach Langeoog begleiteten. Für Alten- und Mütterkuren gab es Einrichtungen in Altenau im Harz oder auch in Baiersbronn im Schwarzwald.
Im Jahre 1979 wurden die neuen Räume im Kirchplatz 9 bezogen. Heute befindet sich dort die Zweigstelle des Kreisverbandes.
Über die Scherpunkte der heutigen Arbeit vor Ort informierten die Diplom-Sozialpädagoginnen Gisela Schäfer und Ulrike Dommnich. In dem Projekt "Einstieg ins Leben" geht es um Schwangerschaftsberatung speziell für werdende Mütter im Alter von etwa 16 bis 22 Jahre.
In der seit rund einem halben Jahr laufenden Maßnahme bieten die AWO-Mitarbeiterinnen gemeinsam mit der türkisch sprechenden Dagmar Schäfer jungen Menschen im Landkreis ein umfassendens Beratungs-Paket an. Dabei werden unter anderem Anträge an die Bundesstiftung "Mutter und Kind" (finanzielle Hilfe während der Schwangerschaft) oder die gesetzlich vorgeschriebene Beratung vor einem Schwangerschaftsabbruch vermittelt.
Derzeit betreuen die Rintelner AWO-Mitarbeiterinnen 15 junge Familien mit sieben Babys. Und die dabei enstandenen Bindungen, verdeutlichten Gisela Schäfer und Ulrike Dommnich, würden fast immer über den Zeitraum der Betreuung hinaus bestehen bleiben. Foto: km