HANNOVER (ro). So spielen Absteiger. Konzept- und mutlos agierte Fußball-Bundesligist Hannover 96 auswärts bei Energie Cottbus. Erschreckend schwach im Aufbauspiel und zudem ohne eine Spur von Leidenschaft gingen die Roten mit 1:3 unter. Offensiv klappte überhaupt nichts - zeitweise kloppten die Spieler die Bälle einfach nur noch hoch und weit aus der eigenen Hälfte. Nicht eine Spur von Aufbäumen war bei dieser erbärmlichen Vorstellung zu spüren.
Dabei wirkte Cottbus in den ersten 45 Minuten keineswegs stärker. Eine leidenschaftliche Vorstellung in der zweiten Halbzeit reichte den Gastgebern indes völlig aus um gegen die ideenlosen Roten zu bestehen. Der Cottbuser Sieg hätte sogar leicht noch höher ausfallen können. Und dabei hatte Trainer Dieter Hecking sein Team mit zwei neuen Gesichtern im Mittelfeld aufgepeppt. Leon Andreasen und Jacek Krzynowek starteten im Mittelfeld und reihten sich nahtlos ein - verstärkende Momente blieben Fehlanzeige.
Beide Mannschaften gingen die Partie äußerst vorsichtig an. Defensive war in der Lausitz zunächst Trumpf. Selbst in dieser Phase wirkte Energie schon gefährlicher. Steiles Anspielen in den Rücken der 96-Verteidiger sorgten für erste Wackler in der 96-Abwehr. Lange plätscherte die Partie ereignislos vor sich hin. Die ersten richtigen Aufreger sahen die ermüdeten Zuschauer erst Minuten vor der Pause.
Beim ersten strukturieren Cottbus-Angriff über die linke Seite flankte Skela präzise auf den Elfmeterpunkt, dort schraubte sich Rangelov hoch und nickte wuchtig zur Führung ein (39.). Augenblicke später stand Referee Peter Gagelmann vor einer schweren Entscheidung. Frank Fahrenhorst foulte Angelov im Strafraum rüde, doch war aus seiner Sicht ein angebliches Handspiel des Bulgaren vorausgegangen. Viel Glück für die Roten - die Entscheidung war höchst strittig.
Energie erarbeitete sich Feldvorteile im zweiten Abschnitt. Zweimal besaß Iliev die Chance, die knappe Führung auszubauen (49., 54.), doch mangelte es beim Abschluss an der nötigen Übersicht. 96-Coach Hecking versuchte durch die Hereinnahme von Routinier Tarnat und dem Niederländer Bruggink (57.) seiner Elf neue Impulse zu verleihen. Statt dem ersehnten Ausgleich musste Hannovers Coach aber die berechtigte Herausstellung seines Neuzugangs Andreasen miterleben. Ein Foul an Cagdas beendete den ersten Arbeitstag des Dänen frühzeitig (68.).
In Überzahl marschierte danach nur noch Cottbus. Nach Ziebigs Flanke kam Jula zum Kopfball, setzte den Ball an die Latte, und Rangelov drückte das Spielgerät zum 2:0 über die Linie (69.). Hannover brach durch diesen Schock nun völlig ein. Eggimann geriet eine Kopfballabwehr zu kurz, Angelov bedankte sich mit einem unhaltbaren Direktschuss aus dem Hinterhalt (73.) und entschied die Partie endgültig mit dem 3:0. Fahrenhorst markierte noch den Ehrentreffer für 96.
Nach einem Eckball stocherte der Verteidiger aus dem Gewühl heraus den Ball über die Linie. Am zweiten Cottbuser Heimsieg der Saison war jeoch schon langes nichts mehr zu rütteln.
Eine Hiobsbotschaft am Rande: Jiri Stajner zog sich einen Muskelfaserriss im Gesäß zu. Dies ergab eine Kernspin-Tomoprahie am Montag. Wie lange der Offensivespieler pausieren muss, ist noch ungewiss.
Ein Einsatz beim kommenden Heimspiel gegen den VfB Stuttgart ist jedoch unwahrscheinlich. Eine weitere Schwächung der sowieso schon arg lahmenden 96-Offensivabteilung.