1. Schluss mit piepsigen Stimmen und eingezogenen Schultern

    Lehrkräfte lassen ihre Handlungskompetenz in einem stressindizierten Training stärken / Bürgerstiftung Schaumburg und Präventionsrat unterstützen dabei

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    RINTELN (ste). Ein außerordentliches Gewalt- oder Konfliktpotential gibt es in den Berufsbildenden Schulen Rinteln zwar nicht, obwohl es auch hier zu Situationen kommt, die als grenzwertig empfunden werden. Damit die Schule und ihre Schüler nicht in eine Spirale der Gewalt gelangt, die dann unter Umständen nicht mehr zu kontrollieren ist, hat Studiendirektorin Sabine Nolte die Kräfte innerhalb der Schule gebündelt und kompetente Partner für ein Projekt gewonnen, das der Konfliktprävention dienen soll. Dabei konnte sie die Bürgerstiftung Schaumburg mit ins Boot holen, die gemeinnützige Organisationen und Institutionen, die Jugendprojekte im kulturellen und sozialen Bereich durchführen, unterstützt. Dazu gehören gemäß der Förderleitlinien beispielsweise Konfliktbearbeitung lehren, Aggressionen abbauen oder auch soziale Werte vermitteln. Auch der Präventionsrat der Stadt Rinteln unterstützt die Bereitschaft der Lehrkräfte, sich dem Thema Konfliktprävention zu stellen und so wird für 15 Lehrerinnen und Lehrer der Berufsbildenden Schulen Rinteln ein zweitätiges Seminar "Handlungskompetenzen in Krisen" ermöglicht, das in Zusammenarbeit mit dem Institut für Gewaltprävention Selbstbehauptung und Konflikttraining Bad Bederkesa durchgeführt wird. Außerhalb des Unterrichts erleben die Lehrkräfte an zwei Tagen in der Schule ein Training und werden nach sechs Monaten ein Auffrischungsseminar bekommen. Wie Referent Peter Döscher berichtet, handelt es sich um ein stressindiziertes Training zur Erkennung von eigenen Handlungsmustern und zur Stärkung der Handlungskompetenzen in schwierigen Situationen. Die besonderen Faktoren schulischer Konfliktprävention, wie auch die Bedeutung von Teamverhalten werden ebenso bearbeitet, wie einfache Methoden des Selbstschutzes. Lehrerinnen und Lehrer, die in schwierigen Klassen eingesetzt sind, sollen geschult werden, um Schülerinnen und Schülern, die auffällig oder aggressiv reagieren, besser begegnen zu können und ein Konflikttraining für Schüler zu initiieren.

    Ziel ist die Verbesserung der Unterrichtsqualität durch konzentriertes Arbeiten der Schüler sowie die Verbesserung der sozialen Kompetenz der Schüler. Dazu Sabine Nolte: "Wichtig ist es, die Kompetenz und das Selbstvertrauen der Lehrkräfte zu stärken, damit sie wissen, wie man in kritischen Situationen reagieren muss. Wer plötzlich eine piepsige Stimme bekommt oder die Schultern bei Problemen einzieht, der hat schon verloren!"

    1.760 Schülerinnen und Schüler hat die BBS in Rinteln mit 105 Lehrkräften. Die Schule, so Schulleiter Herbert Habenicht, soll besonders die Schülerinnen und Schüler im Berufsvorbereitungsjahr berufsfähig machen und übernimmt mehr und mehr auch einen Erziehungsauftrag. "Machen wir uns nichts vor; wir haben in breiten Bereichen der Schule Konfliktpotential, dem es zu begegnen gilt." Bei einem Fortbildungsetat von 3.000 Euro pro Jahr sei eine solche Schulung aus eigenen Mitteln jedoch nicht zu finanzieren. Deshalb dankte er der Bürgerstiftung, für die Hermann Stoevesandt, Rudolf Grewer und Friedrich Meier gekommen waren, sowie dem Präventionsrat, vertreten durch Jörg Schröder, für die Unterstützung.

    Referent Peter Döscher zeigte anhand von Beispielen sehr eindrücklich, wie allgegenwärtig Gewalt heute in der Gesellschaft verankert ist, wie und wo man auf Seiten des Elternhauses und der Schule aufpassen muss, um nicht plötzlich mitten drin in einer Gewaltspirale zu sein. Das Internet mit all seinen Gefahren spielt dabei eine große Rolle, ebenso wie bei Jugendlichen angesagter Agro-Rap mit teils widerlichen Texten über Sex und Gewalt.

    Nachdem jetzt erst einmal die Lehrkräfte aus der Berufsvorbereitung in den Genuss eines solchen Seminars kamen, ist es geplant, diesen Kurs allen 105 Lehrerinnen und Lehrern der Berufsbildenden Schulen Rinteln anzubieten.

    Foto: ste

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