KRANKENHAGEN (ste). Ortsbürgermeister Gerhard Werner war der Ärger auf der Jahreshauptversammlung des TSV Krankenhagen anzusehen. Seit 20 Jahren, so Werner, laboriere man an der Einrichtung eines Trainingsplatzes für die Fußballer des TSV herum: "Als wir uns dann nach langem Hin und Her und jeder Menge Absagen anderer Plätze für den Platz hinter der Tribüne entschieden haben, und dies auch auf Anerkennung in der Stadt stieß, sind dort jetzt Fledermäuse und Immen (Erd-Bienen) gefunden worden!" Die Stadt habe bereits mehr Geld für Planungen ausgeben müssen, als der Platz eigentlich kosten sollte. Ein Grund für die ewig langen Verzögerungen sah Werner in der Unteren Naturschutzbehörde und deren Leiterin Martina Vogt. "Sie fordert ständig weitere Auflagen und jetzt sogar eine Visualisierung des Platzes zur Feststellung der Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und ein Gutachten über die geologischen Auswirkungen auf den Nottberg!" Nur wenige hundert Meter entfernt, in der Kameslandschaft zwischen Möllenbeck und Krankenhagen, werde Sand und Kies abgebaut: "Da kümmert sich niemand um die Frage des Landschaftsbildes oder die Geologie!" Außerdem seien archäologische Urnenfunde als ein neuerliches Hindernis aufgeführt: "Da ist jede Menge Konfliktpotential in Sachen Naturschutz und Nutzung durch uns als Trainingsplatz aufgebaut!" Und Werner fragte: "Sollen unsere Jugendlichen jetzt besser Yoga betreiben als Fußball zu spielen?" Ortsrat und Stadt hätten ihre Möglichkeiten ausgereizt, jetzt benötige man einen Moderator zwischen Naturschutzamt und Krankenhagen als Antragsteller.
Ortsbürgermeister Gerhard Werner: "Die Naturschutzbehörde ist auf Krawall gebürstet und fordert immer neue Gutachten und Visualisierungen."
Unterstützung erhielt Werner vom Vorsitzenden des TSV, Karl-Heinz Struckmann. "Inzwischen müssten eigentlich alle begriffen haben, dass die Mitgliederzahlen - insbesondere im Jugendbereich - auch von den Trainingsmöglichkeiten abhängen!" Struckmann forderte die Behörden dazu auf, das Wohlbefinden der Menschen genauso hoch einzuschätzen wie das der Flora und Fauna auf der fraglichen Fläche. Doch nicht allein die Frage des von der Stadt Rinteln zu bauenden, 150.000 Euro teuren Platzes bereitet Werner Kopfschmerzen. "Der TSV Krankenhagen muss sich auch Gedanken um das Sportheim machen!" Zahlreiche energetische Auflagen machen eine Sanierung so gut wie unmöglich. Die Alternative wäre ein Abriss und Neubau: "Doch schon jetzt steht fest, dass in diesem Fall nur ein "Goldbecker Modell" zum Tragen käme; also eine Übernahme durch den TSV oder mehrere Vereine!" Werner forderte eine Ideenbörse in den Reihen des TSV und prognostizierte: "Damit wird sich der Ortsrat noch lange beschäftigen!" Foto: ste