RINTELN (ste). Der Neujahrsempfang der Stadt Rinteln ist Jahr für Jahr Anlass, um den von den Ortsräten vorgeschlagenen verdienten Bürgerinnen und Bürger der Stadt Danke für ihr ehrenamtliches Engagement zu sagen und um das alte Jahr Revue passieren zu lassen sowie einen Ausblick auf das laufende Jahr zu geben. Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz und seine Frau Inge begrüßten per Handschlag die geladenen Gäste im Brückentorsaal und ließen mit einem Piccolo "Rinteln Sekt" einen spritzigen Appetitanreger auf den Tischen verteilen. Ganz besonders begrüßte Buchholz Ehrenbürgermeister Friedrich-Wilhelm Hoppe, den ehemaligen Bürgermeister August Gellermann, Superintendent Andreas Kühne-Glaser, Hermann Stoevesandt, Manfred Asche sowie Wolfgang Foerstner. Die vier Letztgenannten arbeiten im Vorstand der im letzten Jahr gegründeten Stiftung für Rinteln mit, die sich als Schwerpunkt die Förderung von Ausbildung und Erziehung von Rintelner Kinder und Jugendlichen gesetzt hat.
Rinteln wird immer kleiner
Gelungene Dorferneuerung
Europa lässt grüßen
Steinanger ist zukunftsfähig
Pflegeheime werden gebaut
Stab über das Krankenhaus
ist gebrochen
Schlechte Nachrichten,
gute Feiern
Gute wirtschaftliche Entwicklung
Ehrenamtlicher Einsatz sei für die gesamte Gesellschaft nicht deshalb so wichtig, weil hier unbezahlt Aufgaben wahrgenommen werden, sondern weil der persönliche Einsatz eines jeden einzelnen die Gesellschaft zusammenhalte und sie lebendig und lebenswert mache, so Buchholz.
Die Rintelner werden immer weniger! Diese Aussage traf Buchholz aufgrund des festgestellten demographischen Wandels, der auch in Rinteln Realität sei. "Der Rückgang unserer Bevölkerung wird sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten fortsetzen, da auch die als potentielle Eltern in Frage kommende Altersgruppe immer kleiner wird." Umso wichtiger sei es, gerade jungen Menschen die Entscheidung für ein Leben mit Kindern zu erleichtern. Daher habe sich ein Schwerpunkt der städtischen Aktivitäten auf die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gebildet. Ein Baustein dazu sei die Einrichtung des Rintelner Familienbüros und ein weiterer der Ausbau der Krippe "Wichtelburg", die von 35 auf 60 Plätze erweitert wird. Außerdem soll die Grundschule Deckbergen eine Mensa erhalten. Maßnahmen, die die Stadtkasse belasten, doch als klares Signal für angehende Familien zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu werten seien.
Neben der sozialen werde auch die verkehrliche Infrastruktur ausgebaut. In Steinbergen wurde die gelungene Dorferneuerung abgeschlossen und auch in Deckbergen-Schaumburg-Westendorf geht es voran. Weitere Baumaßnahmen sei beispielsweise der Radwegebau an der Mindener Straße gewesen, der in diesem Jahr weiter in Richtung Innenstadt geführt werde. Vorbei an einem neu zu bauenden Einkaufszentrum am Güterbahnhof und durch einen Kreisel, den der dortige Investor bauen wird. Den Todenmannern versprache Buchholz, dass sich die Stadt auch weiterhin für die Sanierung des maroden Gehweges an der Landesstraße einsetzen werde, für den die Stadt bereits die Planungskosten übernommmen haben: "Eigentlich Landesaufgabe", so Buchholz, der hartnäckig weiter in Hannover nachfragen will. Buchholz verteidigte auch die von einigen Ratsmitgliedern kritisierten Baumaßnahmen am Weseranger: "Durch die Trennung von Radfahrern und Autofahrern sowie die Verbesserung der Parkplatzsituation hat sich dort die Situation für die Rintelner und ihre Gäste deutlich verbessert und die Weser wird mehr als bisher erlebbar!"
Europäische Fördermittel aus dem "Leader+-Programm" gab es für die Sanierung des Unteren Eisenhammers. Der Bürgermeister lobte den bemerkenswerten Einsatz der Mitglieder des Heimatvereins Exten, die den Eisenhammer zu einem Industriedenkmal erster Güte herausgeputzt haben. Die Eisenhämmer seien die Keimzelle der Industrialisierung in der Region gewesen und daher habe sich die Stadt auch dazu entschieden, auch die Gebäudesubstanz des Oberen Eisenhammers zu sichern. Ein Ziel, das auch in Möllenbeck am Kloster verwirklicht wurde. Der Ostflügels des Klosters konnte im letzten Jahr mit einem Investitionsvolumen von mehr als 600.000 Euro durch ein Gemeinschaftswerk von Leader+, Stadt, Landkreis und reformierter Gemeinde saniert werden.
Europäische Mittel sind auch für den Nordic Walking Park Weserbergland mit seinen elf Strecken geflossen.
Horst Wilkening und Karl Mumme haben die Strecken-Patenschaft übernommen und kontrollieren regelmäßig den Zustand. Ebenfalls aus Leader+ Mitteln gesponsert wurde ein Wanderführer für das Wesergebirge und den Süntel: "Da merkt man erst, dass wir dort leben, wo andere Urlaub machen!"
Die Tourismus-Kooperation mit Hessisch-Oldendorf, Aerzen und dem Auetal hat weitere Projekte auf ihrer Leader+ Agenda.
Der Aus- und Neubau von Sportstätten war lange umstritten. Wieviel Geld fließt in den Steinanger? Gibt es ein Minispielfeld mit Kunstrasen auch für Krankenhagen. Nachdem an der Grundschule Deckbergen für die Kinder jetzt ein solches Spielfeld gebaut wurde, fiel auch für Krankenhagen ein positives Votum des Stadtrates. Der Steinanger ist bereits so gut wie fertig und ab der kommenden Saison stehen drei Spielfelder zur Verfügung. "Wenn im kommenden Jahr auch noch die Erweiterung des Sanitärgebäudes durch den Verein erfolgt ist, sind auf dem Steinanger die Voraussetzungen für einen zukunftsfähigen Spielbetrieb gegeben!"
Die Menschen werden immer älter, die Zahl der Pflegebedürftigen steigt. Auch in Rinteln. Die Folge daraus ist der Bau von zwei neuen Seniorenpflegeheimen am Behringweg und an der Seetorstraße.
Die Suche nach Baugrundstücken in der Stadt wurde durch ein elektronisches Baulandkataster unter www.rinteln.de verbessert. Auch auf den städtischen Friedhöfen gab es Neuerungen. Die Bestattung in Rasenreihengräbern wurde ermöglicht und in Krankenhagen kann man Urnen unter dem dort vorhandenen Baumbestand begraben lassen.
Rinteln wird den Wegfall eines ganz wesentlichen Elementes der Daseinsvorsorge zu verkraften haben. Das Krankenhaus wird einem zentralen Klinikneubau weichen. Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz machte seine Position noch einmal deutlich: "Unser Krankenhaus ist für uns unverzichtbar. Wir brauchen es für die wohnortnahe Gesundheitsversorgung unserer Bevölkerung, zur Sicherung des Arbeits- und Wohnstandortes Rinteln und als Auftraggeber für das örtliche Handwerk!" Alle anderen Lösungen außerhalb der Stadtgrenzen seien aus Rintelner Sicht schlechte Lösung. Buchholz hoffte, dass die finanziellen Lasten durch den Neubau nicht durch eine massive Erhöhung der Kreisumlage bei den Gemeinden refinanziert werde.
Doch auch, wenn die Nachrichten für Rinteln nicht immer gut waren, so ließen sich die Bürgerinnen und Bürger die Laune nicht verderben. Neben den traditionellen Messen und Märkten waren Groß-Events der Auftritt der Big-Band der Bundeswehr und die public-viewing Veranstaltungen anlässlich der Europameisterschaft. Der erste Rintelner Brennholz- und Bauernmarkt wird in naher Zukunft wiederholt.
Großen Lob zollte Buchholz auch dem Team des Museum "Eulenburg", in dem derzeit eine Dino-Ausstellung zu sehen ist.
Dank.
2008 war ein Jahr mit einer hervorragenden wirtschaftlichen Entwicklung in der Stadt. Die hohe Investitionsbereitschaft der gewerblichen Wirtschaft zeigt sich unter anderem im neuen Logistikzentrum der Firma Wesergold. Darüber hinaus hat mit dem Bau einer Lager- und Produktionshalle die Firma S&W-Rohrsysteme ihren Firmensitz nach Rinteln verlegt. Neues Leben ist auch im ehemaligen Stralfors Gebäude, wo die Firma Ecobelt ihr Domizil gefunden hat. Viele weitere Rintelner Firmen haben ihre Produktions- und Lagerkapazitäten erweitert, darunter "Rolec" und "Polyform".
90.000 Quadratmeter Fläche hat die Firma "Stüken" im Industriegebiet Süd erworben, um dort die Voraussetzungen für ein weiteres Wachstum zu schaffen.
Doch die dunklen Wolken am Konjunkturhimmel schlagen bereits auf die Rintelner Unternehmen durch und damit zeitverzögert auch auf die Stadt, die wie viele Kommunen chronisch unterfinanziert ist.
Für das angekündigte Füllhorn aus dem Bundes-Konjunkturpaket sieht Buchholz zwei Schwerpunktbereiche in Rinteln: "Zum einen die energetische Sanierung von stark genutzten öffentlichen Gebäuden und zum anderen Investitionen in die Ganztagsbetreuung von Kindern!" Buchholz dankte Martin Borowski und seinem Jugendblasorchester sowie den Turnkindern der VTR unter der Leitung von Sportlehrer Bernd Jäger für ihr Rahmenprogramm beim Neujahrsempfang. Foto: ste