LINDHORST (mk). Am vergangenen Samstag haben Mitglieder der NABU-Gruppe Lindhorst wieder einmal Kopfweiden gepflegt. Unter Mithilfe des Grundstücksanliegers Landwirt Joachim Schweer aus Lindhorst hat eine Gruppe von zwölf Leuten die großen Weiden am Grenzbach geschneitelt. Auf dem durchgefrorenen Boden kam hierfür auch die NABU-eigene Arbeitsbühne am Traktor von Christoph Meier aus Kobbensen zum Einsatz. Diese wurde vor zwei Jahren mit einem Zuschuss der Samtgemeinde Lindhorst angeschafft, um die Sicherheit bei der Arbeit zu erhöhen. In einer Höhe von über drei Metern ist das Fällen der teilweise 50 Zentimeter starken Äste mit Motorsägen nicht ganz ungefährlich. Schließlich hatten es die ehrenamtlichen Naturschützer hier mit Weiden zu tun, die über 40 Jahre nicht geschneitelt wurden. Die alten Kopfweiden jahrzehntelang von den Bauern gepflegt, das heißt pfleglich "verstümmelt", wachsen ohne erneutes Schneiteln in den Himmel, werden kopflastig, verlieren den Halt und fallen so dem ersten ernsten Herbststurm in die Arme.
Sie sind Lebensraum für Steinkäuze, die in weiten Teilen Mitteleuropas auf die Kombination von Kopfweide und Grünland angewiesen sind. Andere Höhlenbrüter wie Bachstelzen, Gartenrotschwänze und Feldsperlinge, Hohltauben und Meisen verlieren mit den alten "Erlenkönigen" ihre Heimat in der Feldflur. Aber noch härter trifft es die zahllosen Insektenarten, die in den oftmals angefaulten, mulmreichen, zerfurchten oder ausgehöhlten Baumrecken ihre Larvenzeit verbringen oder von Blüten und Blättern leben. Weiden zählen zu den insektenreichsten Pflanzen überhaupt. Alleine über hundert Käferarten sind auf Weiden angewiesen und viele von ihnen besiedeln besonders gerne die geköpften Vertreter dieser Baumfamilie; die Kopfweiden. Unter ihnen seltene Vertreter wie Moschusbock und Weberbock. Um diese flatternde, krabbelnde, singende und brummende Vielfalt zu schützen und ein Landschaftsbild zumindest in Resten zu erhalten, wo uns noch vermittelt werden kann, was der Begriff Kulturlandschaft meint, pflegen heute die ehrenamtlichen Naturschützer des NABU die Kopfbäume durch Schneiteln. Seitdem die Bauern keine selbstgemachten Bohnenstangen mehr benötigen, durch die Aufgabe der Grünlandwirtschaft kaum noch Zaunpfähle brauchen und Stiele für Besen, Schaufel, Handkarren im Laden kaufen, verfällt eine uralte Kultur. Früher lieferten Kopfweiden Holz für Holzschuhe, Flechtmaterial für Kartoffelkörbe und Reisigpakete für den Backofen. Selbst das Vieh wurde mit ihren Blättern gefüttert, die mitsamt den dünnen Zweigen in der "Laube" getrocknet wurden. Für die nächste Frostperiode ist ein weiterer Einsatz geplant: Das Schnittgut von der letzten Aktion muss abgefahren werden und zwei alte Weiden am Grenzbach haben noch immer "Pflegebedarf". Manfred Krause vom NABU Lindhorst wird beim nächsten Gruppentreffen am Freitag, dem 6. Februar um 20 Uhr im Hof Gümmer über den genauen Termin informieren. Foto: privat