1. Von Krankheiten und Intrigen

    Der eingebildete Kranke von Molière begeistert das Publikum

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    OHNDORF. In diesem Winter spielt das Ohndorf-Theater unter der Leitung von Oskar Wedel Molières wohl populärste Komödie: "Der eingebildete Kranke". Hübsch ist der Einfall der Regie, dass das Stück und die Darsteller dem Publikum in launigen Versen vorstellt werden (Sprecherin Mareike Naunheim). Schon das Inventar auf der improvisierten Bühne der Ohndorfer Mehrzweckhalle lässt erkennen, worauf es ankommt: Ein Sofa mit Decke und Kissen, ein Krankenstuhl und ein Tisch, beladen mit Medikamenten stehen für den Kranken bereit. Alles dreht sich um Argan, der sich einbildet, schwer krank zu sein und ohne Ärzte und Apotheker nicht überleben zu können. Oskar Wedel arbeitet deutlich heraus, wie sehr der Egoismus Argan dem wirklichen Leben entfremdet und seine Umwelt zerstört. Dr. Purgon traktiert ihn mit großspurigen Reden und für viel Geld mit immer neuen Leiden. Angelika Hitzek stellt mit ihrem gelungenen pathetischen Auftritt die Scharlatanerie des ärztlichen Handelns eindrucksvoll dar. Dr. Purgon wird unterstützt von dem eher an einen Schlachter erinnernden Apotheker Fleurant (Matthias Bahe). Argans Ehefrau Béline umschwänzelt scheinbar liebevoll ihren Gatten, obwohl sie in Wahrheit seinen Tod gar nicht erwarten kann. Großartig trifft Ulrike Serbent-Kniep den Ton der heuchlerischen Ehefrau, vor allem in ihrer "Totenrede", als sie neben dem angeblichen Leichnam ihres Gatten ihr wahres Ich enthüllt. Als Haupthandlung erweisen sich die Heiratspläne Angéliques (Natalie Koller). In seinem verblendeten Egoismus will Argan seine Tochter zu seinem eigenen Vorteil nur mit einem Arzt verheiraten. Angélique widersteht tapfer den durchsichtigen Manövern ihres Vaters. Das Streitgespräch der beiden, als sie noch glaubt, ihr Vater wolle sie mit dem von ihr geliebten Cléanthe (Sven Hasenstab) verheiraten, dann aber seinen Hinterhalt bemerkt, ist sehens- und hörenswert. Ihre Verbitterung steigert sich noch, als sie sieht, was für einen verschrobenen Stubengelehrten ihr Vater ihr zugedacht hat. Die chaotische Brautwerbung von Vater und Sohn Diafoirus (Harmut Bock und Michael Bahe) ist sehr unterhaltend.

    Aufgelöst wird die verquere Situation durch das Eingreifen der lebensklugen Dienerin Toinette (Sybille Werner), die Argan von Anfang an durchschaut und geschmeidig zwischen offenem Angriff, gescheiter List und ironischer Anpassung jongliert. Argans nüchtern denkender Bruder Béralde (Manfred Licht) bringt Argan auf den Weg der Einsicht in die Realität. Diese beiden entlarven in überzeugenden Auftritten mit Witz und List Bélines Doppelspiel und die Scharlatanerie der Ärtzte. Angelique bekommt am Ende ihren Cléanthe. In einer Satire auf die Bräuche der damaligen Universität wird Argan schließlich von allen Mitspielern zu einem eigenen Artzt "promoviert". Die aufmerksame Souffleuse (Annelie Maskun) glätte alle Malheurs mit großen Geschick. Das Publikum, es kamen über hundert Zuschauer, die schon die Pointen belachte hatten, spendeten dankbar den verdienten Beifall. Es war ein unterhaltsamer Theaterabend. Wer die Aufführung bisher versäumt hat, bekommt am 5. Januar um 19.30 Uhr im Kurtheater Bad Nenndorf eine weitere Gelegenheit, sich zu amüsieren. Eckart Wossidlo

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