1. "Und wenn die ganze Erde bebt..."

    Aus Dinkelsbühl bringen drei gute Freunde die Botschaft

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    BAD NENNDORF. Wir wissen, wie es weitergeht: "... und die Welt sich aus den Angeln hebt." Dann kann selbst das einen Seemann nicht erschüttern. Durchaus denkbar: der Seemann. Aber nicht den Rest der Welt. Sie wurde erschüttert, und die Welt hob sich aus den Angeln, jedenfalls teilweise. Die Rede ist vom 2. Weltkrieg und seinen 50 Millionen Toten. Das musste kaschiert werden, und es wurde kaschiert, mit einer gehörigen Portion Erfolg. In den Dienst der Verharmlosung, in den Dienst der Herstellung einer wunderschönen heilen Welt wurde die Kunst gestellt. Eine Kunst, die die Menschen schnell aus dem Jammertal heraushievt und sie so rasant galant auf Wolke fünf, sechs oder gar sieben befördert: der Film und die Musik.

    Oskar Wedel

    Frank Piotraschke aus Dinkelsbühl schuf eine Revue, derer sich drei Herren angenommen haben, um sie auch in Bad Nenndorf zu präsentieren.

    Ohrwürmer aus den Tagen der 30er und 40er Jahre wurden schwungvoll zu Gehör gebracht, mit unglaublicher Könnerschaft vom Musikus und Schauspieler Andreas Harwath arrangiert. Zumeist sangen alle drei. Einem Andreas Peteranzinger musste es aber vergönnt sein, mit seiner variationsreichen Intonation im Alleingang die Zuhörer zu begeistern, was Hannes Oliver und Andreas Harwath natürlich ebenso gelang. Kostümwechsel auf offener Bühne belebten das Szenario. Und wenn "Revue" eben heißt, dass Musik auch Entfaltung und Gestaltung des gesungenen Wortes bedeutet, so stand die Revue zugleich auch im Dienst dessen, was das Wort eigentlich heißt: Rückblick.

    Die drei Herren sangen also nicht nur, sondern waren zugleich Vermittler des Jammertals, in dem man sich als Künstler jener Tage befinden mochte, wenn man nicht mit Geschick und Anbiederung sich im Dunstkreis des offiziell verordneten Kunstbetriebes auskömmlich eingerichtet hatte. Sprechphasen also waren eingebaut, in denen sie ihr Dasein bejammerten, ob als degradierter Schauspieler oder als Arbeitsloser, der froh ist, Komparse beim Film sein zu dürfen.

    Vor diesem Hintergrund erhielten die locker gelieferten Songs den Anstrich des Makabren. Wenn denn der "Tanz auf dem Vulkan" besungen wurde oder Zarah Leander das Wunder zu beschwören hatte, das einmal geschehen wird, dann war klar: Die Lage war ernst, aber nicht hoffnungslos. Heißt es doch an anderer Stelle eben: Davon geht die Welt nicht unter:

    Unter der Einstudierung des Intendanten des Landestheaters Dinkelsbühl. Peter Cahn, brachten die drei Herren eine brillierende, beschwingte Show; sie wurden mit brausendem Applaus bedacht.

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